Nachruf: John Kenneth Galbraith….. (Blog 103)

Galbraith

…..starb am vergangenen Samstag (29.04.06) im Alter von 97 Jahren. Galbraith war Wirtschaftswissenschaftler, Berater mehrerer amerikanischer Präsidenten (Kennedy, Johnson). Er lehrte an verschiedenen Universitäten und schrieb bis ins hohe Alter sehr viel. Galbraith war einer der ersten Keynesianer ( J. M.Keynes befürwortete staatliche Eingriffe in die Volkswirtschaft, um wirtschaftliche Depressionen zu überwinden), der Gelegenheit hatte, die Lehre von Keynes praktisch anzuwenden. In den 40er Jahren leitete er die Behörde für Preiskontrolle. Früh erkannte er, das eine ungezügelte Industrieproduktion zu Umweltproblemen führen würde. Er setzte sich für den Ausbau des Sozialstaates ein.
Von seinen vielen Werken seien „Gesellschaft im Überfluss“ sowie die Autobiographie „Leben in entscheidender Zeit“ erwähnt. Aus einem seiner letzten Bücher „Die Ökonomie des unschuldigen Betruges – Vom Realitätsverlust der heutigen Wirtschaft“ seien hier einige Sätze zitiert:

„So lernt die junge Generation, dass wir eine marktwirtschaftliche Ordnung haben. Gewiefte Politiker und Journalisten sowie viele Wissenschaftler predigen uns die `Marktwirtschaft´. Sie verlieren indess kein Wort über den beherrschenden Einfluss von Unternehmern und Unternehmen. Wirtschaftliche Macht wird von Ihnen nicht thematisiert.“

„Darin liegt der Widersinn. Das Wort „Arbeitswelt“ beinhaltet sowohl diejenigenn, für die der Arbeitsalltag ermüdend, monoton und unangenehm ist, als auch diejenigen, denen die Arbeit Spass macht und die sie nicht als Zwang erleben……Das Wort“Arbeit“ beeinhaltet beides, sowohl die lästige Pflicht als auch die Quelle von gesellschaftlicher Reputation und gutem Geld, also das, wonach andere fieberhaft streben. Schon die Tatsache dass beide Sachverhalte mit ein und demselben Wort bezeichnet werden, grenzt an Betrug. Aber damit nicht genug. Diejenigen , denen die Arbeit am meisten Spass macht – und das kann nicht genug betont werden – sind im Allgemeinen zugleich diejenigen, die am besten bezahlt werden. Darüber herrscht Einvernehmen. Wer monotone, öde, beschwerliche Arbeit verrichtet, dem stehen lediglich Niedriglöhne zu. Diejenigen dagegen, welche die abwechslungsreichsten, interessantesten und körperlich leichtesten Arbeiten erledign, verdienen am meisten…..die Gehälter…..fallen an der Spitze am üppigsten aus – dort, wo die Arbeit ein Vergnügen ist.“

Mit John Kenneth Galbraith ist jemand gegangen, der – seit ich mich mit wirtschaftlichen Problemen auseinandersetze – immer da war, von dem ich viel gelernt habe, der mich oft ermutigt hat. Er wird vielen fehlen. Wer mehr über ihn und sein Werk wissen will, sei auf den entsprechenden Wikipediaeintrag verwiesen: http://de.wikipedia.org/wiki/John_Kenneth_Galbraith