Gobalisierung in Gefahr….. (Blog 104)

So wirbt die „Financial Times Deutschland“ für eine Serie, die diese Woche veröffentlicht wird.
Was lese ich da ? Dem Kapitalismus laufen die Fürsprecher weg ? Eliten wandeln sich von Fürsprechern der Marktwirtschaft zu „Ja – aber – Kapitalisten“ ? Wäre ja schön. Meine subjektive Erfahrung ist allerdings die, das die Unternehmer nur ein Aspekt der Globalisierung interessiert: Das dadurch entstandene Überangebot von Arbeitskräften, das dazu führt, das die Löhne immer niedriger und die Arbeitsbedingungen immer inhumaner werden. Nicht die Globalisierung ist in Gefahr, sondern die Globalisierung bedroht zunehmend den Menschen, egal in welchem Teil der Welt er wohnt und welcher sozialen Schicht er angehört.
Ein Beispiel: Globalisierung hat unter anderem dazu geführt, das ich im Blumenladen, 30m von meiner Wohnung entfernt, kolumbianische Blumen kaufen kann. Wie das trotz immens hoher Transportkosten möglich ist und zu welchen Löhnen , darüber informieren zur Zeit vier kolumbianische Blumengewerkschafterinnen auf Einladung des DGB in verschiedenen deutschen Städten. Wer sich für Details interessiert sei auf die Links am Ende dieses Blogeintrags verwiesen.
Wer hat den Nutzen davon ? Nicht die 90.000 Menschen, die auf den Blumenplantagen arbeiten.
Nicht die Kunden, die hier in den Blumenläden kaufen, denn ein Preisvorteil wird nicht weitergegeben. Wer profitiert ? Ich warte auf die Stellungnahme eines Globalisierungsbefürworters.
Klärt mich auf.

www.nord-sued-netz.de
www.fian.de

8 Gedanken zu „Gobalisierung in Gefahr….. (Blog 104)“

  1. Die Globalisierung an sich ist nicht das Problem. Die Politik versäumt es aber Richtlinien vorzugeben, innerhalb derer sich die Unternehmen bewegen dürfen. Stattdessen wird die Globalisierung wie ein Naturgesetz angesehen mit der Folge, das eine Kanibalisierung auftritt und die Starken die Schwachen schlucken. Dabei bleiben dann die Arbeitnehmer auf der Strecke.
    Ich prangere die Untätigkeit der Politik an. Sie schaut nur zu und führt schlaue Reden.

    1. Die Politik würde sicher sehr gerne handeln! Doch dank der Globalisierung können sich die Unternehmen den Richtlinien und den Regulierungswünschen des Staates sehr leicht entziehen. Der Staat ist ebenso erpreßbar geworden wie jeder einzelne Arbeiter. Einzige wirksame Gegenmaßnahme wäre eine Weltregierung – dann müßten die Konzerne kosmosisieren!

    2. Sehr geehrte Damen und Herrn,

      Quo Vadis Europa?

      http://www.globalisierung-zaehmen.de

      Ich wende mich an Sie anlässlich des Weltwirtschaftsgipfels der reichen, entwickelten Industriestaaten, der Anfang Juni in Heiligendamm unter Vorsitz der deutschen Bundesregierung stattfindet. Deutschland spielt in Europa und Europa spielt in der Welt eine gewichtige Rolle.
      Soll Europa gemeinsam mit den Schwellen- und Entwicklungsländern eine neue Art von globaler „new economy“ aufbauen
      – in den sich entwickelnden Wachstumsmärkten der „Dritten Welt“
      – in einem Klima von Geschäftstüchtigkeit und Fairness
      – in Partnerschaft und „Harmonie“ nach innen und außen und
      – unter Achtung international verbindlicher Regeln und
      – insbesondere des Völkerrechts.
      Oder soll sich Europa im Rahmen der „North Atlantic Treaty Organisation“ und noch enger im Rahmen einer „Transatlantischen Freihandelszone“ den USA anschließen, die am Hindukusch die Freie Welt verteidigen und sich einen unproduktiven und überdimensionalen Militärapparat leisten, trotz wachsender, hoher Verschuldung und sich in Zukunft vielleicht einmal einlassen werden auf eine Rivalität mit Wachstums- und Atommachtstaaten wie China, Indien und Russland.
      Soll Europa eine exklusive „Transatlantische Freihandelszone“ anstreben, die Schwellen- und Entwicklungsländer brüskieren und die Märkte noch weiter öffnen für angloamerikanisches privates Kapital, institutionelle Investoren, „Investment-Banking“ und „Private Equity“, das im Überfluss vorhanden und höchst liquide rund um den Globus auf der Jagd nach Aktiengewinnen, hohen Renditezielen, Dividenden, Profiten ist?
      Die Art und Weise, wie sich Globalisierung heute darstellt und wie sie gestaltet wird, eröffnet riesige Chancen im Kampf gegen die Armut, aber auch große Gefahren für den Frieden in der Welt.
      Seit dem letzten „Fünfjahres-Plan“ der chinesischen Regierung vom März 2007 ist mehr und mehr deutlich geworden, dass China als eine gewichtige Kraft der sogen. BRIC- bzw. Schwellenländer nicht der „rote Drache“ ist. Vielmehr scheint die chinesische Regierung einen Weg eingeschlagen zu haben, der eine „harmonische Gesellschaft“ im Innern und auf der Weltbühne „Harmonie“ zum Ziel hat, auf der Grundlage einer sogen. „sozialistischen Marktwirtschaft“, in der der Staat größere soziale Verantwortung übernehmen und lenkend und „zähmend“ eingreifen soll.
      Schwellenländer, wie China und Indien, sind mit ihrem Bevölkerungsreichtum und wirtschaftlichen Potential treibende Kräfte der Globalisierung geworden und könnten in Zukunft zu „Wachstumsmaschinen“ der Weltwirtschaft werden.
      Viele Schwellen- und Entwicklungsländer nutzen ihre Chancen und „gestalten Globalisierung“, indem sie sie für die Entwicklung ihrer Volkswirtschaften nutzen und das mit einer erstaunlichen Krisenfestigkeit und auf hohem Wachstumsniveau seit Jahren.
      China baut, wie andere Schwellenländer auch, mit politischem Verstand und mit großem politischen Geschick seine Volkswirtschaft, seine Industrie, seinen Arbeitsmarkt, sein technologisches Wissen, seinen Binnenmarkt und die soziale und materielle Infrastruktur auf – und das mit Hilfe modernster Technologien und Produktionsverfahren der entwickelten, reichen Industrieländer.
      Was könnte schlecht daran sein?
      Wenn die Zusammenarbeit respekt- und verantwortungsvoll nach innen und außen, partnerschaftlich und friedlich verläuft, winken riesige Wachstumsmärkte und satte Gewinne auf allen Seiten.
      Armut kann, auch ohne eine Erhöhung des Entwicklungshilfe-Etats, auf diesem schon heute beschrittenen Weg weltweit besiegt werden, wenn die weitere, gedeihliche Entwicklung der Volkswirtschaften fair, stabil und friedlich verläuft.
      Es führt ein Weg dorthin, der schon vielerorts, so auch bei uns, beschritten wird.
      Der „Exportweltmeister Deutschland“ profitiert seit Jahren mehrfach in Folge von dem neuen ökonomischen Umfeld. Der Anlagen-, Maschinen- und Fahrzeugbau ist weltweit gefragt und die Nachfrage nach deutscher Innovation wird auch bei Zukunftstechologien zunehmen, die Natur- und Ressourcenschonender sind und das Leben auf unserem Planeten lebenswerter gestalten.
      Das Potential ist vorhanden. Es muss nur in respektvoller Partnerschaft gemeinsam mit den Schwellen- und Entwicklungsländern weiterhin genutzt werden. Vielleicht wird ein Umdenken ist erforderlich.
      Gesättigte Märkte, industrielle Überkapazitäten in den Industriestaaten und der erbitterte kapitalistische Wettbewerb bei der Jagd nach immer höheren Gewinnen treiben die global aufgestellten Unternehmen, ebenso wie die angloamerikanischen Investoren, die 80 % ihres Marktsegments beherrschen, bis in die hintersten Winkel der Erde und da, wo sie Lücken hinterlassen, wie in Afrika, stoßen Schwellenländer, wie China, Indien und andere nach, immer auf der Suche nach Energie, Rohstoffen, Absatzmärkten, und Handelspartnern.
      Diplomatisches Geschick und behutsames Handeln der Regierungen wird erforderlich sein, um „ Globalisierung zu zähmen “ und “ ihre Früchte zu ernten“. Wenn die urwüchsig vonstatten gehende Kräfteverschiebung in der Welt weiterhin friedlich verläuft, dann kann ein angemessener und gerechter Anteil an der Zukunft der Menschheit Millionen von Arbeitskräften und Verbrauchern in den Ländern zu Gute kommen, die bisher zu kurz gekommen sind. Internationale Unternehmen, Finanzinvestoren und allerhand „global player“ werden ihnen weiterhin dabei helfen, denn sie befinden sich in einem unerbittlichen Wettbewerb und müssen deshalb immer weiter steigende Profite erzielen, bei Strafe des Untergangs.
      Die besten Gewinnchancen bieten derweil und in Zukunft die Wachstumsmärkte in den Schwellen- und Entwicklungsländern, insbesondere dann, wenn die internationalen Unternehmen eine Menge Arbeitsplätze, Kapital und Technologie mitbringen, denn danach besteht überall in den riesigen Wachstumsregionen große Nachfrage. Eine natürliche und verständliche Nachfrage.
      Langsam wird immer deutlicher, wer die Gewinner und wer die Verlierer von Globalisierung sind und warum Globalisierung nicht allen Menschen in gleicher Weise nutzt, vielmehr vielen auch großen Schaden zufügt. Das Mindeste sind Mindeststandards und gerechte Entschädigungen für jene, die im Zuge der Globalisierung ihren Arbeitsplatz und ihre Lebensqualität verlieren. Klarheit in dieser Frage ist dringend nötig, denn „Globalisierung“ als eine neoliberale Ideologie von „Freiheit“ im Sinne von Vorherrschaft eignet sich besonders gut für Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit.

      Wäre eine “Transatlantische Freihandelszone“ zwischen Europa und den USA eine gute Lösung? Würde das nicht gefährliche Fronten aufbauen? Müßte der „freie Welthandel“ dabei nicht auf der Strecke bleiben?
      Liquides, angloamerikanisches „Privat Equity“ in Investorenhand versucht immer verzweifelter, Extraprofite zu erwirtschaften und den Globalisierungs-prozess ausschließlich zum eigenen Vorteil zu nutzen. Es schickt sich an, nach den Erfolgen in den USA und nach der Entflechtung der Deutschland-AG jetzt verstärkt auch in Kontinentaleuropa seinen Einfluß zu vergrößern, immer nur auf der Jagd nach Renditen, Dividenden, Profiten, Gewinnen.
      „Private Equity“ und „Hedgefonds“ sorgen in den Unternehmen und auf den Finanz- und Währungsmärkten der Welt für Unruhe und mit ihren waghalsigen finanziellen Transaktionen bringen sie gesunde Unternehmen und eventuell sogar das ganze globale Finanz- und Wirtschaftsgefüge in Gefahr.
      Der Blick für „soziale Verantwortung“ und die soziale Komponente in einer „sozialen Marktwirtschaft“ und in der „Freien Welt“ scheint durch die Erwartung von immer höheren Renditen, Dividenden, Aktienkursen und Gewinnen deutlich getrübt zu sein.

      Schwankungen im Währungs- und Finanzgefüge sind der Boden, auf dem spekulative Finanztransaktionen am gewinnträchtigsten gedeihen, etwa am Aktienmarkt, bei Übernahmen oder unter Ausnutzung von Unterschieden bei den Währungen. Aus Wettbewerbsgründen müssen weltweit aufgestellte Konzerne „Profitmaximierung“ betreiben, ob sie es wollen oder nicht, ebenso, wie die privaten und institutionellen Finanzinvestoren anglo-amerikanischer Prägung, die in ihrer großen Mehrheit in London und in New York beheimatet sind. Der Konkurrenz immer um eine Nasenlänge voraus, rennen sie ununterbrochen hinter steigenden Gewinnen her. Je enger der Markt, umso mehr müssen sie wachsen. Oftmals übertreiben sie dabei und spielen ein riskantes Spiel.
      Immer deutlicher wird, dass die amerikanische Volkswirtschaft unter der „neoliberalen“ Wirtschafts- und Finanzpolitik der US-Zentralbank Fed und der mächtigen Wall-Street zunehmend selbst leidet. Amerikanisches Kapital samt Technologie wandert aus, zahlt keine Steuern, nimmt Arbeitsplätze und know-how mit, lässt Arbeitslosigkeit, überschuldete Verbraucher zurück und eine um seine produzierende Industrie geschrumpfte amerikanische „Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft, deren Werte sich im Besitzstreben, im Konsum und in der Profitmaximierung erschöpfen.
      Zu allem Überfluss leisten sich die Vereinigten Staaten auch noch einen unproduktiven Militärapparat, der zu groß ist für die Landesverteidigung, aber zu schwach, um „Neoliberalismus im Sinne von Vorherrschaft“ in der Welt militärisch auf Dauer zu sichern.
      Läßt sich die einzig verbliebene Supermacht ein auf eine globale Rivalität mit Wachstumsstaaten und Atommächten wie China, Indien und Russland?
      Soll sich Europa den USA anschließen oder weiterhin auf Multilateralismus bauen, internationales Recht achten und partnerschaftliche Beziehungen überall in der Welt pflegen? Europa braucht eine starke, demokratische Verfassung und Regierungen, die sich demokratischen Grundsätzen verpflichtet fühlen, die den Pfad von Freundschaft mit allen Völkern der Welt beschreiten, die gerechten und fairen Handel zu allseitigem Vorteil aktiv fördern, die soziale Verantwortung und Gerechtigkeit nach innen tragen und die das Völkerrecht und internationale Regeln achten?

      Eine zukünftige europäische Verfassung sollte Europa den Rahmen bieten, sich in die sich entwickelnde globale “ new economy “ einzufügen, um dort beim Aufbau der Volkswirtschaften überall in der Welt zu helfen und um so eine solide und natürliche Grundlage für gesundes Wachstum, gerechten Wohlstand und Frieden in der Welt auf Dauer zu schaffen.
      Die Staaten sollten sich nicht aus ihrer Verantwortung für ein nachhaltiges Wachstum stehlen und die europäischen Volkswirtschaften nicht dem freien Spiel der Kräfte des „freien Marktes “ überantworten.
      In einer „globalisierten“ Welt entstehen die neuen Binnen- und Absatzmärkte der Zukunft in Übersee. Ein Millionenheer von preisgünstigen, Arbeitskräften steht in den Niedriglohnländern auch in Zukunft bereit. Immer mehr gut ausgebildete Arbeitskräfte wachsen nach in den Entwicklungs- und Schwellenländern mit ihren hohen Geburtenraten. Die Sogkraft nach Übersee und nach Osten ist ebenso mächtig, wie internationales Kapital im Überfluss vorhanden und hochliquide ist.
      Eine europäische Verfassung sollte einer neuen Ausrichtung der Weltwirtschaft, einer neuen Art von globaler „new economy“ gebührend Rechnung tragen und nicht den Spielregeln derjenigen folgen, die immer nur dumpf hinter Gewinnen und Profiten herjagen und dabei sich und andere gefährden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Franz Nolte

  2. die globalisierung ist sozusagen ein naturgesetz.

    wie sollen national regierungen regeln aufstellen, mit denen der welthandel (zugunsten BRD) gesteuert wird? mindestlöhne und schutzzölle etc, das hatten/haben wir oder andere europäische länder schon. das bringt wohl nichts.

    die wahrheit ist: die politik ist hilflos. und zwar kaum vermeidbar.

    die situation erinnert an die einführung des automobils. wie hätte man den berufsstand der droschkenkutscher retten können? oder die einführung der containertransporte. wie den berufsstand der stauer retten?

    zugegeben, das sind technische entwicklungen. aber eben auch produktionsbedingungen. und um die geht es.

  3. ergänzung:

    es scheint mir auch unzutreffend, daß die globalisierung den menschen anderswo nichts nutzt. welche arbeit hätte denn die kolumbianische blumenherstellerin, wenn hier diese blumen nicht verkauft würden? daß der lohn nicht den hiesigen preisen entspricht, ist klar. daß er niedrig ist, auch. das liegt an der niedrigen produktivität und andererseits an den niedrigen lebenshaltungskosten dort.

    bringt indien und den chinesen die globalisierung nichts?

    1. Ich widerspreche Deiner Analyse nicht, will aber Deinen Fatalismus nicht teilen.
      Um beim konkreten Beispiel der kolumbianischen Blumenarbeiterinen zu bleiben: Für mich spielt es auch eine Rolle, dass diese Frauen nicht so leben und arbeiten wollen, wie es ihnen zur Zeit aufgezwungen wird. Folge ich Deiner Argumentation, hätte es seinerzeit auch keinen Wirtschaftsboykott gegen das Apatheidsregime in Südafrika geben dürfen.
      In der Maiausgabe von brandeins (Seite 156) hat Peter Lau zur Globalisierung folgendes geschrieben: „…..wir sollen lernen, flexibel zu sein, Ansprüchen zu genügen, Abstriche zu machen.Wir sollen lernen, uns zurückkzunehmen. Wir sollen das lernen, weil sonst das Kapital beziehungsweise die, die es haben, in ein anderes Land ziehen, wo sie mehr verdienen können…..Das heißt, dass wir lernen sollen, damit andere nicht lernen müssen.Das heißt, dass 95% der Menschen lernen müssen, sich zu bescheiden, damit fünf Prozent nicht lernen müssen, ihre Gier zu zügeln. Das heißt, dass die Gemeinschaft der Vielen dem Egoismus der Wenigen folgen soll.“

      Dazu bin ich nicht bereit. Da ich nicht mehr viel zu verlieren habe, ist für mich die Frage, ob der Widerstand lohnt oder nicht auch eher sekundär. Aber so aussichtslos wie Dir erscheint es mir nicht, dass sich die 95% gegen die 5% durchsetzen.

  4. Bleibt noch die Frage, wer eigentlich nun profitiert von der Globalisierung. Mein Vorschlag: alle Importeure/Händler in Richtung von Niedriglohnländern in den reichen Westen…?

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