Ja wenn es keine Reclamhefte gäbe….. (Blog 109)

Oikonomika

…..könnte man nicht für nur 3 € das vermutlich einzige wirtschaftswissenschaftliche Werk der Antike käuflich erwerben. Aristoteles, der Schüler Platos und Erzieher Alexanders des Grossen ist wahrscheinlich nicht der Verfasser der „Oikonomika“ obwohl das Werk häufig zusammne mit seinen Hauptschriftenn gedruckt wurde. Aber es spricht einiges dafür, dass seine Schüler von ihm beauftragt wurden, eine entsprechende Stoffsammlung zusammenzustellen.

„Mit welchen Mitteln manche in früherer Zeit den Weg zum Geld beschritten haben oder was man trickreich dafür eingerichtet hat, haben wir zusammengestellt, soweit wir es für nennenswert hielten. Auch diese Forschung nämlich hielten wir für nützlich, denn es ist ja möglich, dass etwas davon zu dem passt, was jemand heute unternehmen will.“

So wird eine Sammlung von Beispielen eingeleitet, wie vor ca. 2500 Jahren Tyrannen griechischer Städte, persische Statthalter aber auch demokratische Bürgerversammlungen die Mittel für ihre Politik aufbrachten. Oft ging es um das Anwerben von Söldnertruppen entweder für einen geplanten Eroberungskrieg oder zur Verteidigung. Oder ein Statthalter der Zentralgewalt brauchte Mittel, um den fälligen Tribut zu bezahlen.

Um dies zu erreichen prägte man Münzen aus wertlosem Metall, erhob Sondersteuern auf bestimmte Produkte und Dienstleistungen, strich einen Feiertag oder erhob Zwangsanleihen. Ein Beispiel:

„Dionysios von Syrakusai (der Tyrann), der Geld zusammenbringen wollte, berief eine Versammlung ein, und sagte dann, er habe (im Traum) Demeter geschaut und sie habe ihn aufgefordert, den Schmuck der Frauen in den Tempel zu bringen; er selbst habe dies mit dem Schmuck der Frauen seines Hauses schon getan. Er forderte nun auch die anderen dazu auf, damit es keinen Anlass für ein Zürnen der Göttin gebe. Er kündigte an, dass sich jeder, der dies nicht tue, des Tempelraubs schuldig mache. Als daraufhin alle um der Göttin und um seinetwillen abgeliefert hatten, was sie besaßen, opferte er der Göttin und nahm den Schmuck an sich, als habe er ihn von der Göttin geliehen. Als mit der Zeit die Frauen auch wieder Goldschmuck tragen wollten, befahl er, dass jede, die Gold tragen wolle, einen bestimmten Betrag an den Tempelschatz entrichten müsse.“

So etwas würde in der heutigen, säkularisierten Welt wohl nicht mehr funktionieren. Aber andere Beispiele wirken erstaunlich aktuell und man kann nur hoffen, dass sich die heutigen Politiker durch dieses Werk nicht anregen lassen. Ansonsten macht es deutlich, das Geschichte immer auch Wirtschaftsgeschichte ist und das dieser Aspekt in Forschung und Vermittlung immer noch vernachlässigt wird. Unsere Unwissenheit führt zurWehrlosigkeit gegenüber den heutigen demokratisch legitimierten Nachfolgern der Tyrannen.

Ein Buch, dessen Lektüre ich empfehle, weil es Wissen vermittelt, aufklärt und dennoch kurzweilig
zu lesen ist. Und: Allein die Blicke der Mitreisenden im Morgenzug, wenn sie Titel und Autor des Heftes identifizieren ist ein Vergnügen.

Daten: Aristoteles 77 Tricks zur Steigerung der Staatseinnahmen Oikonomika II Griechisch/Deutsch Verlag: Reclam ISBN-13: 978-3-15-018438-7 Preis: 3,00 €

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