Unerbetene Post von: VW (Blog 116)

DIN A 4 Umschlag. Absender: Volkswagen Dialog Center. Zunächst Erstaunen. VW will einen Dialog mit mir führen? Na ja, zwischen 1982 und 1994 besass ich zwei VW-Fahrzeuge (Golf I und II, beide gebraucht gekauft, war zufrieden damit) aber ich habe nie ein Neufahrzeug erworben, nie eine VW-Werkstatt aufgesucht – Woher haben die überhaupt meine Adresse ? Oder bin ich inzwischen als Automobilverweigerer bei der Autoindustie aktenkundig ?

Habe ich den falschen Leuten erzählt, wie froh ich noch heute über meinen Entschluss von 1994 bin, kein eigenes Auto mehr besitzen zu wollen. Nein, es stand damals kein wirtschaftlicher Zwang hinter dieser Entscheidung, sondern lediglich die Erkenntnis, das man in einem zivilisierten = städtischen Umfeld kein Auto braucht. Weshalb nicht? Weil man mit einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr problemlos seinen Arbeitsplatz, das Theater, das Kino oder den Computer – Shop erreichen kann. Wie glücklich war ich, diese überteuerte Persönlichkeitsprothese los zu sein.

Ich öffne den Umschlag: „Knietiefe Gewässer und Steigungen mit 45°- Winkel sind in deutschen Städten leider kaum zu finden“ lese ich. Spinnen die ? Ich stelle fest: Man will nicht – wie von mir vermutet – einen Dialog über Sinn und Berechtigung des Automobils in der zivilisiertenWelt mit mir führen, sondern mir einen Geländewagen – den Touareg – verkaufen. Oder vielmehr – ich soll ihn leasen. Ein Verkaufspreis wird bemerkenswerter Weise in dieser aufwändig gestalteten und ansonsten detailierten Werbung überhaupt nicht angegeben. Offenbar wird der Touareg überhaupt nicht verkauft, sondern nur „geleast“. „Nur“ 299 € monatlich (bei einer Laufzeit von 48 Monaten, 15.000 Kilometern p.a. und einer Sonderzahlung von wiederum „nur“ 9.517 €) soll das kosten.

Aber das Beste kommt erst noch. Dem Schreiben ist eine Imagebroschüre beigefügt, die den Titel „ Glücklich und stolz.“ trägt und deren Inhalt ich als beleidigend empfinde. „Früher waren Sie Sieger so mancher Schlammschlacht. Das wird heute wieder so sein“ heisst es da – meiner Meinung nach – zweideutig. „Konkurrenten haben Sie schon immer hinter sich gelassen…. Siegen ist ein schönes Gefühl.“ „Das Gefühl, alles zu meistern , können Sie auch heute wieder haben.“ Hier wird ein Menschenbild gezeichnet bar jeder sozialen Komponente, bestehend nur aus Wettbewerb und Kampf, geprägt von Allmachtphantasien – und so einen Menschen vermutet man in mir.

Abgesehen davon das mir das Geld dafür fehlt hätte ich eh nie einen Geländewagen gekauft. Diese Werbung bestätigt nun alle Vorurteile, die ich bisher Geländewagenfahrern gegenüber hatte. Ich kenneein Dutzend Geländewagenfahrer – Kunden zumeist. Es sind – seltener – ängstliche Frauen denen dieser Fahrzeugtyp aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen „ein herrliches Gefühl der Sicherheit“ gibt oder aber weitaus häufiger Männer vom Typ Schlammschlachtsieger: Brutal, bedrohlich wirkend, asozial. Leute, die mit dem Gang zum „ Chef“ drohen, wenn ihnen ein Rabattsatz zu niedrig erscheint, gelegentlich Kampfhunde mit sich führen und sich auch ansonsten aufführen, als gelte es in der Wildniss zu überleben. So kenne ich meine Geländewagefahrer und so stellt sich VW möglicherweise seine Kunden vor.

Tja liebe VW-Dialoger, wieder mal eine Werbung, die ihr Ziel verfehlte. Die Botschaft, die bei mir angekommen ist lautet: Leute wie Dich wollen wir nicht. Wir brauchen niemanden, der möglicherweise einen sparsamen kleinen Stadtwagen kauft. Golf Eco ? Gab es den mal ? 3Liter – Lupo? Längst als Fehler erkannt. Spar – Polo ? Wann war das ? Erste Ölkrise 1973 ? Was soll das ?
Wir verkaufen lieber „Luxus-Geländewagen“.

2 Gedanken zu „Unerbetene Post von: VW (Blog 116)“

  1. Nicht bloß Luxus-geländewagen. Auch der aktuelle Passat ist reiner Luxus in seiner schieren Größe. Nicht zu reden von Phaeton, Bentley, usw. Piech ist ein V….i…t. Den Namen VW dürfte diese Firma nicht mehr tragen.

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