Beim Bäcker oder „is this feeling an eternal flame ?“ (Blog 117)

Samstags schwinge ich mich aufs Fahrrad und fahre zu einer gut zwei Kilometer entfernten Bäckerei. Ist immer voll dort. Das Brot schmeckt auch wirklich sehr gut. An der Einrichtung hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert.
Vor mir standen zwei alte Frauen (beide deutlich über 80) und unterhielten sich:
„Mein Arzt hat mir einen Kururlaub verschrieben“ sagte die eine. „Erholen sie sich, lassen sie ihren Mann zu Hause hat er gesagt“. „Ja, ohne Mann ist es auch mal ganz schön“ stellte die andere fest.
Die erste wiederum: „Ich glaub, ich habe meinen schon viel zu lange“.
Die Verkäuferin (Mitte 50) mischt sich ein: „Ich habe meinen vor 25 Jahren entsorgt. Die Kinder musste ich allein grossziehen. Nie hat er was gezahlt, der Scheisskerl! Und nun ist er im Heim und das Sozialamt schreibt mich an und will Geld von mir.“
Mir fällt die Geschichte von einer alten Nachbarin ein: Dem Mann ging es gesundheitlich schlecht und die Kinder versuchten ihre Mutter auf den möglichen Tod des Vaters vorzubereiten. „ Ist nicht so schlimm, dann habe ich noch ein paar schöne Jahre“ soll sie gentwortet haben und als ich neulich meine Mutter darauf ansprach, ob sie es sich vorstellen könne in eine altengerechte Wohnung zu ziehen wies sie diesen Vorschlag empört zurück: „Mir geht es doch gut! Ich bin doch jetzt wieder unabhängig, wie die anderen Frauen im Kegelverein“ (Deren Männer sind schon längere Zeit tot, mein Vater starb erst vor drei Jahren).
Gegenseitige Zuneigung bis ins hohe Alter…..Gibt es das etwa gar nicht ? Führt langes Zusammenleben zwangsläufig dazu, dass man sich gegenseitig zunehmend schwerer erträgt? In zwei bis drei Jahrzehnten werde ich es wissen.