Globalisierung im Alltag: Sprachlos in Duisburg (Blog 119)

Wie bereits in früheren Blogeinträgen erwähnt arbeite ich in einer Holzhandlung im Duisburger Hafen. Ein Container- Umschlagplatz liegt in unmittelbarer Nähe, das Zollamt auch.

Zunehmend häufiger erlebe ich folgendes: Fernfahrer aus osteuropäischen Ländern, die sich nicht zurechtfinden, kommen zu uns, offenbar auf der Suche nach bestimmten Firmen in der Hafengegend oder halt nach dem Zollamt. Offenbar? Ich kann es nur vermuten, denn in der Regel sprechen diese Menschen kaum ein Wort Deutsch. Mir fehlen natürlich ebenso Sprachkenntnisse in Polnisch, Rumänisch oder Tschechisch und so gestaltet sich die Verständigung sehr schwierig. Es ist auch nicht möglich, sich auf Englisch zu verständigen. Ich bin noch keinem osteuropäischen Fernfahrer begegne, der diese Sprache auch nur andeutungsweise beherrscht.

Auch Landkarten oder Stadtpläne haben sie nur selten bei sich. Ich gehe dann mit ihnen zu unserem grossen Duisburger Wandplan, versuche ihnen begreiflich zu machen, wo sie sich gerade befinden und wo sie hinfahren müssen. Mehr kann ich nicht tun.

So sieht es aus wenn ein Spediteur Kosten spart. Hauptsache der Mann kann fahren. Wie er sich verständlich macht, ob er den Weg findet ist sein Problem. Es wird schon klappen. Und – ich bin versucht zu sagen: leider – es geht ja meistens wirklich gut.

Die „Regelungswut“ der Europäischen Kommission wird von den Unternehmern zu unrecht viel geschmäht. Hier fände sie ein sinnvolles Betätigungsfeld: Wäre der Gedanke, das Spediteure die europaweit tätig sind, verpflichtet würden, ihren Fahrern einen Grundkurs in Englischer Sprache zu finanzierenso abwegig? Vielleicht sinnvollerweise einen Kurs, der das Fachvokabular des Transportwesens berücksichtigt. Würde das nicht allen helfen? Die Fahrer würden die meistverbreitete Sprache der Welt lernen. Sie könnten sich leichter verständigen. Unnötiges Suchen würde vermieden und dadurch Zeit gespart und schliesslich würden die Menschen konkret erfahren, dass Europa ihnen auch Vorteile bringen kann. Was spräche dagegen ?

2 Gedanken zu „Globalisierung im Alltag: Sprachlos in Duisburg (Blog 119)“

  1. Hallo Manfred
    Habe deinen Artikel gelesen, leider müßtes du auch
    einen großen Teil der Arbeiter des Baugewerbes zu
    solchen Kursen schicken.
    An den meisten Großbaustellen wird ausser Deutsch
    fast jede Sprache gesprochen. (meist Osteuropäisch )

    Alles Gute
    Theo

  2. Ich habe das bisher stets anders erlebt und es fast als Wunder eingestuft: alle Truckerund sonstigen Menschen können deutsch, ob sie nun aus Tschecheien, der Slowakei, aus dem Baltikum, aus Rußland oder aus Slowenien kommen: sie können sich deutsch verständlich machen. Erstaunlich – ich dagegen kenne all diese Sprachen nicht..bis auf Brocken.

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