Was aus den guten Vorsätzen wurde (Blog 130)

Ende letzten Jahres habe ich meine guten Vorsätze für dieses Jahr als Blogeintrag veröffentlicht (Blog 83) . Mindestens hundert Blogeinträge wollte ich schreiben. Bisher sind es – diesen mitgezählt – sechsunddreissig. Sieht übel aus. Kann aber noch klappen.
Dreihundert Seiten des ‚“Ulysses“ wollte ich dieses Jahr lesen. Dreihundertachtzen sind es jetzt schon – und ich wäre bereits weiter, hätte ich nicht in den letzten vier Wochen eine – wie ich meine notwendige Lektüre – dazwischen schieben müssen. Je mehr ich im „Ulysses“ las und je mehr ich über das Buch aus anderen Quellen erfuhr, desto notwendiger schien es mir, das antike „Vorbild“, die „Odyssee“ zu kennen. Joyce hatte ursprünglich den einzelnen Kapiteln Überschriften gegeben, die sich auf die „Odyssee“ bezogen. Und wenn man weiss, das Leopold Boom den Odysseus verkörpert, Stephen Dedalus den Telemachos, die Gäste in Burtons Restaurant die Lästrygonen und die Bardamen im Ormond Hotel die Sirenen, dann ist man einen Schritt weiter.

Nun habe ich irgendwann mit zehn oder elf Jahren eine Prosafassung der Odyssee gelesen. In groben Züge war mit die Handlung geläufig und was ich wusste, machte mir nicht Lust auf mehr. Ich fürchtete die Pein der Hexameter und erwartete ein schwer lesbares Werk, einen sauren Apfel, in den ich beissen musste, um den Roman, den ich eigentlich lesen wollte, besser zu verstehen.

Doch die „Odyssee“ erwies sich als süsse Frucht, die ich geradezu gierig in nur vier Wochen verschlang. In zehn – bis 15 minütigen Bissen auf Fahrten hin zur und zurück von der Arbeit in U-Bahn und Regionalexpress, teilweise stehend. Odysseus wurde mir bald zum Bruder mit dem ich mich freute und litt. Der formaleAufbau des Werkes, der Anfang in der Mitte der Handlung, die Rückblenden, der Einblick ins Leben der Antike zogen mich in den Bann. Man erfährt nebenher Einiges über Schiffbau, Körperpflege und Essgewohnheiten. Die Welt der Entstehungszeit des Werkes (Möglicherweise das achte vorchristliche Jahrhundert) wird wieder lebendig. Anhand dieses Werkes kann nun erst nachvollziehen, was ich seinerzeit in der Schule lernte: Hier liegt der Anfang unserer Kultur. Die Griechen waren die ersten, die empfanden wie wir. Hier liegen unsere Wurzeln.Wer wissen möchte woher wir kommen und weshalb wir so sind wie wir sind: Lest die Odyssee !

Anmerkung: Die Odyssee gibt es bereit für 6,60 € als Band 280 der Reclam Univerrsalbibliothek.
ISBN 3-15-000280-X

Ein Gedanke zu „Was aus den guten Vorsätzen wurde (Blog 130)“

  1. Ich bin ja kein großer Leser, aber das Buch hört sich ganz interessant an. Was Deinen Vorsatz von der Menge von Blogeinträgen anbelangt muß ich Dir sagen, habe ich gar keinen. Ich schreibe, wenn ich meine das ich Lust zum Schreiben habe, oder ein Thema habe, ansonsten eben nicht.

    Jetzt habe ich ein neues Thema gefunden über das ich schreiben möchte, daß aber irgendwie nicht in meine beiden bisherigen blogs passt. Das Thema heißt, „sieh die Welt mit anderen Augen“. Den neuen blog findest Du unter http://remopuls.blogspot.com/

    Viele Grüße
    Remo

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