Gerade zu Ende gelesen: Das kurze Leben des Stuart Shorter (Blog 147)

Masters-Shorter

Obdachlose gehören in Gelsenkirchen zum Alltag. Das dies auch auf eine Stadt wie Cambridge zutrifft würde man eher nicht vermuten. Der Student (Physik , Mathematik) Alexander Masters arbeitete eine Zeit lang als Spendensammler und Pressesprecher in der Obdachlosenhilfe. In diesem Zusammenhang lernt der den Junkie, Exhäftling und zeitweise obdachlosen Stuart Shorter (Anfang 30) kennen. Zwischen den beiden entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung.

Masters versuchte herauszufinden, wie aus einem intelligenten, unbelasteten Jungen ein gewalttätiger , drogensüchtiger Chaot werden konnte. Er arbeitete die Lebensgeschichte Stuart Shorters von der Gegenwart ausgehend bis in die Kindheit auf, schrieb seine Biographie. Trotz aller Differenzen und Rückschläge gelqang es ihm, die Gründe herauszufinden.

Dabei liess er es an kritischer Distanz nicht mangeln. Spürbar ist jedoch immer das Interesse am Schicksal dieses einzelnen Menschen und ein ehrliches Mitgefühl. Stuart Shorter erlebt die Veröffentlichung des Buches nicht mehr. Er wird von einem Zug erfasst und stirbt an den Folgen seiner Verletzungen. Ob es ein Unfall war oder Selbstmord bleibt offen.

Wir neigen leicht dazu, den Menschen, die in ihrem Umfeld nicht klar kommen und scheitern die Verantwortung für ihr Unglück zuzuschreiben. Das zunehmend agressiver propagierte Postulat der der „Eigenverantwortlichkeit“ führt zu Ignoranz und Unbarmherzigkeit. Dieses Buch zeigt an einem exemplarischen Fall auf, das Eigenverantwortung ihre Grenzen hat und die Gesellschfaft sich ihrer Verantwortung stellen muss. Es verdient viele Leser zumal es auch lesbar gescchrieben ist, lesbarer jedenfalls als diese Besprechung.

Alexander Masters „Das kurze Leben des Stuart Shorter“ Verlag Antje Kunstmann München 2006
ISBN 3-88897-427-5

3 Gedanken zu „Gerade zu Ende gelesen: Das kurze Leben des Stuart Shorter (Blog 147)“

  1. „Das zunehmend agressiver propagierte Postulat der der „Eigenverantwortlichkeit“ führt zu Ignoranz und Unbarmherzigkeit.“

    Da bin ich mir nicht so sicher.
    Ich glaube, dass es immer eine Strömung in die eine oder andere Richtung gibt. Vielleicht ist die Ignoranz und Unbarmherzigkeit der Gegenpol zum weinerlichen Ausdiskutieren und Opfergejammer. Das Optimum liegt wohl von Fall zu Fall irgendwo dazwischen. Und wenn Stuart Shorter ein wenig Mitgefühl und Verständnis das Leben gerettet hätte, so gibt es sicher auch andere, die vereinfacht ausgedrückt einen Tritt und einen Schlag bräuchten, um ihr Leben wieder anzuschieben.

    Aber ich gebe Dir natürlich recht, dass die Gesellschaft eine Verantwortung für ihre Mitglieder hat und sich dieser stellen muss.

    Stell Dein Licht nicht unter den Scheffel: Deine Rezension ist durchaus lesbar geschrieben. Es scheint wirklich ein lesenswertes Buch zu sein.

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