Aus dem Urlaubstagebuch 3 Marzipan und Denkmalschutz (Blog 210)

Natürlich mussten wir Lübeck besuchen. Wieder einmal das Buddenbrook-Haus besuchen , zum wiederholten Mal die Hafenrundfahrt machen, Rotspon kaufen und – einer Empfehlung des graphodino folgend – Marzipankaffee trinken. Bei letzterem habe ich es – wie das Foto unten zeigt – nicht belassen sondern die Gelegenheit wahrgenommen und gleich auch noch Marzipaneiskaffee und Marzipantorte probiert. So versüüst man sich einen tropisch warmen Tag. Ich kann diese Produkte nur weiterempfehlen:

Marzipankaffee

Wir sassen im Freien und hatten Gelegenheit einen Teil des Rathauses zu betrachten. Ein Gebäude, dessen ältesten Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Im Laufe der Zeit hat man immer wieder angebaut, umgebaut und wieder aufgebaut. Ein Gebäude das gerade dazu anregt sich mit dem Thema Denkmalschutz zu befassen.

Ich habe die 70er und Teile der 60er Jahre bewusst erlebt. Habe wie viele anderen Menschen meiner Genneration zunächst hilflos mit ansehen müssen wie in fast allen grösseren Städten eine Allianz von korrupten Lokalpolitikern, gierigen Immobilienhändlern und verantwortungslosen Architekten deren Erscheinungsbild zum Negativen hin veränderte. Der damalige Frankfurter Bürgermeister hätte die Reste der Oper am liebsten weggesprengt. In Gelsenkirchen wurden das alte Rathaus und der Hauptbahnhof abgerissen. Betonwüsten machten sich breit. Die Städte wurden „unwirtlich“.

Erst in der 70er Jahre begann organisierter Widerstand. So wehrten sich die Bewohner von Arbeitersiedlungen gegen den Abriss ihrer Häuser. In den grossen Städten wurden leerstehende Altbauten besetzt. Denkmalschutzgesetze sorgten dafür, dass es schwerer wurde Gebäude die in der Geschichte eines Ortes eine Rolle gespielt hatten einfach abgerissen.

Dabei ist man aber über das Ziel hinausgeschossen, ja man könnte sagen, man ist von einem Extrem ins andere gefallen. Hiessen die Gleichungen in der Nachkriegszeit „modern = gut“ und „alt = wertlos“ machte sich nun eine restaurative Stimmung breit. Es wurde zur Todsünde erklärt, den Charakter eines Gebäudes nachhaltig zu verändern. Bestimmte Baustoffe, Fenster und Gebäudenutzungen wurden vorgeschrieben. Denkmalschutz führte dazu, das Wohnungen, die in der frühen Nachkriegszeit gebaut wurden und in denen die Sanitärräume nur durch provisorische Wände von der Küche getrennt worden waren nicht renoviert werden durften, weil es sich um beispielhaften frühen sozialen Wohnungsbau handelte dessen Charakteristika erhalten werden sollten. Der möglichst originalgetreue Erhalt des Gebäudes hatte absoluten Vorrang vor den Bedürfnissen der Bewohner.

Was das mit dem Lübecker Rathaus zu tun hat ? Schaut es Euch an:

Rathaus Front

Da hat man im 13. Jahrhundert zunächst Backsteingotik gebaut mit spitzen Türmen und (später hinzugefügten) Windlöchern und dann im 16. Jahrhundert eine helle Sandsteinfasade im Renaissance-Stil davor gebaut. Das zweite Bild zeigt deutlich, dass es sich nicht um ein Gebäude, sondern um einen vorgebaute Fassade mit Laubengang handelt:

Rathaus Lübeck seitlich

Aus Sicht heutiger Denkmalschützer eine Sache, die nicht sein dürfte. Undenkbar wie ein kubischer Glasbau vor den Portalen des Kölner Doms. Aber sieht es nicht trotzdem gut aus ? Wird hier nicht deutlich, dass der Mensch in seiner jeweiligen Zeit das Recht und den Willen hat, seine Vorstellung von Weltsicht und ästhetischem Empfinden Ausdruck auch in seinen Gebäuden – seien sie repräsentativer oder privater Natur Ausdruck zu geben ? Muss wo einmal Gotik gebaut wurde immer Gotik sein ? Ich plädiere in diesem Bereich für mehr Vertrauen in den Menschen und weniger Reglemenntierung. Ein wirklich „bedeutendes“ Denkmal schützt sich selbst durch seine Ausstrahlung. Niemand wird auf den Gedanken kommen, den Eifelturm, das Taj Mahal oder die Pyramiden abzureissen. Aber nicht jedes expressionistische Wohnhaus aus den Zwanziger Jahren muss auf ewig bleiben wie es ist. Wir haben auch ein Recht, unsere Räume in unserer Zeit selber zu gestalten.

Aus dem Urlaubstagebuch 2 : Der zweite Schöpfungstag (Blog 209)

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„Und Gott sprach: Es werde eine Feste Zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.“
(1. Buch Mose/Genesis Kapitel 1 Vers 6 bis 8 Lutherübersetzung).

Auf dem Foto oben sieht man die Ostsee bei Haffkrug an einem sehr trüben Junitag. Ein Bild das auf den ersten Blick wenig aussagt. Mich jedoch hat dieser Anblick fasziniert.

In der Zeit aus der die oben zitierte Schöpfungsgeschichte stammt glaubten die Menschen dieses Kulturkreises der Himmel über uns bestehe aus Wasser.
Durch ein Himmelsgewölbe oder – wie es Luther formulierte – eine „Feste“ die Gott am zweiten Schöpfungstag errichtet habe würden diese Wassermassen davon abgehalten auf die Erde zu stürzen. Das es hin und wieder regnete stützte diese Vorstellung.

Wie kann man auf so eine Idee überhaupt kommen? Johann Gottfried Herder hat die Auffassung vertreten, der biblische Schöpfungsbericht habe seine Wurzeln in der Naturbeobachtung der damals lebenden Menschen. Dieser Blick auf die Ostsee zeigte mir, daß hier die Antwort liegen könnte: Kein klar abgegrenzter Horizont ist sichtbar. Wasser und Himmel gehen ineinander über. Weshalb sollte man aus einem solchen Anblick nicht schliessen, das sie eins sind, sich über uns ein Himmelsozean erstreckt, der eine Verbindung zu den Meeren auf der Erde hat ? Vielleicht hatte der Verfasser der Schöpfungsgeschichte solch ein Bild vor Augen als er diesen Text schrieb.

Aus dem Urlaubstagebuch 1 (Blog 208)

Selbst auf der Toilette verschont uns die Werbung nicht mehr. „Vorher daran denken“ lautet die auf dem Kondomautomaten angebrachte Mahnung und über den einzelnen Urinalen sind in Augenhöhe Wechselrahmen befestigt in denen sich Werbung für Kamine und Kachelöfen befindet. Wie kommen Werbetreibende eigentlich auf die Idee, daß man just im Moment des Wasserlassens den Gedanken fassen könne, einen Kachelofen zu erwerben? Wie gelingt es Ihnen einen Hersteller davon zu überzeugen, dass eine solche Werbung sinnvoll sein könne ? Wahrscheinlich eines jener nicht fassbaren Geheimnisse der Marktwirtschaft die wir gezwungen sind als gegeben hinzunehmen.

Ich verlasse die Herrentoilette der Autobahnraststätte Oyten (kurz hinter Bremen gelegen). Es ist ein kleiner Rasthof, 50er-Jahre-Backstein und im Gastraum helle Buchentische die deutliche Gebrauchsspuren aufweisen. Das könnten sie sein, die Tische, an denen ich schon vor mehr als dreißig Jahren gesessen habe. Heute bin ich unterwegs in den Urlaub, damals war ich mit mehreren Leidensgenossen auf dem Weg zur Kaserne in Stade. Das viel zu kurze Wochenende war vorbei und bevor es zurück in die Sklaverei ging, machten wir halt in dieser Raststätte, aßen Schinkenbrote mit Spiegeleiern, ließen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren um danach schweren Herzens zu fünft in den VW-Käfer zu steige und das letzte Stück des Weges hinter uns zu bringen.

Ich habe hier angehalten um diesen Ort noch einmal zu sehen der von Oktober bis Dezember 1974 in meinem Leben eine Rolle gespielt hat. Da stehe ich unter Zwang. Ich bin den Orten treu an denen ich mich einmal aufgehalten habe. Ich kann nicht zwei Tage in derselben Stadt sein, ohne mir einen Plan zu kaufen, etwas über ihre Geschichte erfahren zu wollen, mir Menschen, Gebäude, Gerüche einzuprägen und es mag lange dauern, aber irgendwann kehre ich an diesen Ort zurück.

Das gilt auch für unseren Urlaubsort. Es handelt sich um die 17.000 Einwohner zählende Kleinstadt Eutin in Schleswig-Holstein. 1965 bin ich dort eher zufällig zum ersten Mal gewesen. Als ich erfuhr, das meiner Frau diese Gegend auch nicht fremd war verbrachten wir hier 1995 unseren ersten gemeinsamen Urlaub. 1999 waren wir noch einmal dort. Dann folgten die Jahre in denen es mir gesundheitlich und durch die zeitweilige Arbeitslosigkeit bedingt auch finanziell nicht so gut ging. Irgendwann in dieser Zeit fragte meine Frau: „Ob wir wohl noch einmal nach Eutin kommen werden?“ Das hat mich angespornt. Dieses Ziel lag mir vor Augen. Ich wollte noch einmal mit meiner Frau in Eutin Urlaub machen. Eine gute Stunde noch, dann ist es geschafft.

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Von dem gemieteten Haus sind wir angenehm überrascht. Große Küche, neue Möbel, keine durchgelegenen Matratzen. Häufig bringen die Vermieter in den Ferienwohnungen
die Möbel unter, in denen sie selber die letzten beiden vorausgegangenen Jahrzehnte gewohnt haben. Unsere Vermieterin scheitert daran, uns die Bedienung des Fernsehgerätes (Satellitenschüssel, zwei Fernbedienungen) zu erklären. Früher habe sie das gekonnt, aber der letzte Gast, ein katholischer Pfarrer nebst Haushälterin, habe da wohl etwas verstellt. Sie habe bereits 14 € für einen Mechaniker zahlen müssen, wir sollten es selber mal versuchen. Machen wir, klappt auch reibungslos.

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Am Abend des ersten Urlaubstages gehen wir in ein Restaurant. Das hat Tradition. Wir erinnern uns, daß es vor acht Jahren gegenüber dem Bahnhof ein kleines Steakhaus mit einer opulent ausgestatteten Salatbar gegeben hat. Das existiert leider nicht mehr. Da wir müde von der Fahrt sind und nicht lange suchen wollen gehen wir in die ehemalige Bahnhofgaststätte die den wenig verheissungsvollen Namen „Köpi-Stuben“ trägt. Am ersten Urlaubsabend eine Gaststätte besuchen die nach einem Bier benannt ist, das in der Stadt gebraut wird in der ich arbeite – das gefällt mir nicht. Die Bedenken erweisen sich jedoch als unbegründet. Es gibt Weizenbier vom Fass und das Essen ist auch passabel. Wir sind glücklich und müde.

Da bin ich wieder ! (Blog 207)

Vierzehn Tage Urlaub im östlichen Schleswig – Holstein sind schnell vergangen. War schön, hat Spass gemacht und da es neben den acht schönen auch sechs graue Tage gab, blieb etwas Zeit für Einträge in ein Reisetagebuch. Dies wiederum wird Grundlage einiger künftiger Blogeinträge sein. Ich hoffe – bin wohl auch zuversichtlich – das der Inhalt nicht nur für mich interessant sein wird.

Es waren vierzehn Tage ohne Internetanschluss. Ich wollte mal sehen ob ich das durchhalte.
Es war nicht einfach. Einige Male war ich versucht, ein Internetcafe aufzusuchen um wenigstens die E-Mails zu lesen. Ich habe widerstanden! Bin also doch nicht „süchtig“

Aber nun bin ich doch froh, dass ich wieder „bloggen“ darf. Aber vorher wollen wir mal schauen, was die Freundinen und Freunde zwischenzeitich geschrieben haben.