Freuden der Statistik (Blog 220)

Fussball interessiert mich nur am Rande – aber Statistiken finde ich toll und so kaufte ich mir auch dieses Jahr wieder das Bundesliga-Sonderheft eines führenden Sportmagazins. Eine sentimentale Gewohnheit, denn das Objekt meiner Begierde kann man heute auch mühelos im Web finden: Die „ewige Tabelle“ der Bundesliga. Die Addition aller Siege, Niederlagen und Unentschieden der letzten 44 Jahre. Ich will nicht übertreiben, aber eine bis zwei Stunden kann ich schon mit der Betrachtung dieser Daten verbringen. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

In 44 Jahren gehörten der 1. Bundeslliga, in der in den ersten Jahren sechzehn, später achtzehn Mannschaften spielten insgesamt 49 Vereine an. Sowohl am ersten wie am letzten Platz wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern. Es führt Bayern München mit 2744 Punkten vor Werder Bremen mit 2275 Punkten. Wenn man bedenkt, das pro Saison im Höchstfall noch nie erreichte 102 Punkte vergeben werden könnten, würden die Bremer selbst wenn Bayern München in der kommenden Saison kein Spiel gewinnen und absteigen würde mindestens 5 Jahre brauchen um an die Spitze der ewigen Tabelle zu gelangen. Ebenso aussichtslos ist es für Tasmania Berlin, den letzten Platz los zu werden. Es müsste dazu eine Mannschaft, die bisher noch nie in der Bundesliga gespielt hat, aufsteigen und in der ganzen Saison weniger als 10 Punkte (Sieg = 3 Punkte, Unentschieden = 1 Punkt) erreichen.

Die einzige Mannschaft, die noch nie abgestiegen ist und von Anfang an immer dabei war ist der Hamburger Sportverein (2265 Punkte Platz 3). Den Hamburgern gebührt allerdings auch der zweifelhafte Titel der Unentschiedenkönige (402 mal). Die meisten Siege hat wieder Bayern München vorzuweisen (803 Siege, das sind 164 Siege mehr als der Zweitplazierte). Eintracht Frankfurt ist die Mannschaft mit den meisten Niederlagen (493) dicht gefolgt von Schalke 04 (484).

Damit sind wir unvermeidlich bei der Mannschaft meiner Heimatstadt angelangt . Immerhin haben die Schalker in der ewigen Tabelle dieses Jahr einen Platz gut gemacht und die Frankfurter Eintracht überholt . Sie liegen nun auf Platz 9, aber damit aber immer noch hinter schon länger abgestiegenen Vereinen wie dem 1.FC Köln (Platz 8) und dem 1.FC Kaiserslautern (Platz 6).

Die Stadt mit den meisten Vereinen in der ewigen Tabelle ist – das hat mich auch überrascht – Berlin. Außer Hetha BSC haben schon Tennis Borussia, Blau-Weiß 90 und Tasmania in er ersten Liga gespielt.

Auf den lezten Plätzen findet man viele vergessene Namen. Wer erinnert sich noch an Preußen Münster (abgestiegen in der allerersten Saison), Darmstadt 98 und den SSV Ulm ?

Bester Verein aus den neuen Bundesländern ist Hansa Rostock (Platz 23). Insgsamt haben bisher 4 Mannschaften aus dem Osten unseres Landes in der ersten Liga gespielt (Hansa Rostock, Energie Cottbus, Dynamo Dresden und der VfB Leipzig.

Wer jetzt neugierig geworden ist und selber einen Blick auf die ewige Tabelle werfen will, sei auf folgenden Link verwiesen: http://www.dfb.de/index.php?id=82907

Und noch eine Nachricht für Remo, falls er – vielleicht des schlechten Wetters wegen – im Urlaub doch einmal einen Blick auf dieses weblog werfen sollte: Hannover 96 liegt auf Platz 20, unglaublicherweise ausgerechnet hinter Eintracht Braunschweig. Wenn sie sich anstrengen, können sie in zwei Jahren an denen vorbeiziehen.

15 Gedanken zu „Freuden der Statistik (Blog 220)“

    1. Nein, du wirst nicht geächtet. Vielmehr gratuliere ich etwas verspätet zur Deutschen Meisterschaft. Der VfB hat es verdient.

      Ich werde auch nicht mit dem Schalker Vereinslied (Blau und Weiss) kontern, obwohl dieses eine bemerkenswerte Geschichte hat. Lange Zeit war über dessen Herkunft kaum etwas bekannt, bis Lokalredakteure einer hiesigen Zeitung recherchierten, das es Ende der 50er Jahre ausgerechnet von einem Kölner(!) Komponisten in einer Kölner Kneipe verfasst wurde. Es ist ähnlich sinnfrei wie das schwäbische Pedant, spart aber in grammatischh fragwürdiger Form große Themen nicht aus. Beispiel: „Mohammed war ein Prophet, der vom Fussballspielen nichts versteht“

      Allerdings hatte ich dich bisher in Bayern verortet (Verzeihung!). Nach nochmaliger Lektüre der mundartlichen Teile deines Wespenblogs und deinem Outing als VFB-Fan musst Du wohl doch eher Schwäbin sein. Falls ja verrate mir eines: Aus Württemberg oder dem bairischen Bezirk Schwaben?

        1. Jetzt hast du mich. Schachmatt. Zu diesem Film fehlen mir die
          Worte.

          Trotzdem muss ich noch mal wegen der bairischen Schwaben insistieren. Es muss sie geben. Es gab mal einen Fussballverein der „Schwaben Augsburg“ hiess und Augsburg liegt in Bayern. Sind das Abtrünnige ?

          Habe übrigens gerade der Fernsehzeitschrift entnommen, das Schalke kommenden Freitag in Stuttgart gegen den VfB spielt und dieses Spiel ab 20.30 im ersten Programm übertragen wird. Ich werde dann mit einer Flasche Veltins vor dem Bildschirm sitzen und du könntest ja deinerseits mit einer Flasche…..sagen wir: Dinkelacker ebenfalls das Spiel verfolgen. Möge die bessere Mannschaft gewinnen.

          1. Da habe ich dich verblüfft… *gg*

            TSV Schwaben Augsburg – die spielen in der Landesliga Bayern Süd, so sagt mir zumindest deren HP.
            Müssten wir mal den Don Caramellino fragen, der ist aus dieser Gegend.

            Hier noch eine Info zu Schwaben
            http://de.wikipedia.org/wiki/Schwaben

            Schalke – VfB Stuttgart – Freitag 20.30 haben wir zwei ein Fernsehdate.
            Ich werde am Bier nippen und entsprechend kommentieren,
            das wird ein Spaß.

  1. Bremen als kleinstes Bundesland (nur ca. 660.000 Einwohner) an zweiter Stelle ist doch sehr beachtlich.
    Und der Grund für die häufigen Unentschieden des HSV ist natürlich einzig und allein das typisch hanseatische Understatement…(„Wir“ können auch anders, aber hat der Dino der Bundesliga das nötig??) ;))
    Gruß SP

    1. In der ersten Hälfte der letzten Spielzeit habt ihr das mit dem Understatement aber etwas übertrieben. Hätte ins Auge gehen können. Für die kommende Saison traue ich dem Hamburger SV einiges zu. Auch wegen Huub Stevens der ja auch in Schalke und Köln als Trainer gute Arbeit geleistet hat. Obwohl: Der schafft sich immer ein heimisches Umfeld. In Schalke spielten zeitweilig sieben Niederländer, in Hamburg sind es jetzt auch schon fünf.

      1. Ja, sehe ich auch so: Stevens lässt z. B. den guten Trochowski links liegen und setzt verstärkt seine Landsleute ein. Egal, der Erfolg gibt ihm letztendlich recht.
        Und ich werde mich jetzt nicht weiter über Holland in Sachen Fußball äußern – da verlier ich jede political correctness 😉 und pflege schreckliche Vorurteile, die ihre Wurzeln in elenden Abseitsfallen und einer fiesen Spuckattacke von Frank Rijkart (oder so) auf unsere geschätzte, liebe Tante Käthe haben… 😉

  2. Ich habe leider gar keine Ahnung von Fußball, ich schaue mir allerdings Länderspiele gelegentlich an. Montags informiere ich mich darüber, wie Arminia Bielefeld gespielt hat, weil ich einen Schüler habe, der der absolute Arminen-Fan ist und der stark beeindruckt ist, dass ich immer weiß, wie seine Mannschaft gespielt hat.

  3. Hallo Manfred, das Wetter im Urlaub war einfach nur traumhaft und so muss ich noch einiges nachlesen. Das Hannover 96 ausgerechnet einen Platz hinter Eintracht Braunschweig liegt muss natürlich schnellstens geändert werden.Ich hoffe das 96 in der neuen Saison einen einstelligen Tabellenplatz belegen wird.

    Viele liebe Grüße
    Remo

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