Schwedenstahl (Blog 227)

Von welchem Auto träumte der heute 80jährige Mann als er Anfang der 60er Jahre ein aufstrebender technik- und zukunftsgläubiger Mitdreißiger war? Von diesem:

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Das war der Lieblingswagen meines Vaters. Einen Volvo sah man damals noch seltener als heute, aber wenn er eines solchen Autos ansichtig wurde war ihm die Begeisterung anzumerken. Er erzählte dann von der soliden Bauweise (wegen der harten schwedischen Winter), der mehrjährigen Garantie auf den Lack und den extra dicken Stahlblechen. Mich begeisterte der Wagen nicht. Ich fand die Form schon damals altmodisch und im Autoquartet war er auch nicht zu finden. Aber als ich vor einigen Tagen auf dem Weg vom Bahnhof zum Gesundheitsamt (wollte meine Frau von der Arbeit abholen) durch das Essener Bankenviertel ging zückte ich, plötzlich angefallen von dieser Kindheitserinnerung doch spontan die Kamera und habe auch verstohlen an das Blech geklopft: Klang wirklich stark.

Einige Jahre später hätte mein Vater sich diese Auto kaufen können. Aber er zog es dann doch vor, einer dieser BMW-Mittelklasse-Raser zu werden, die seinerzeit die Strassen unsicher machten. Schade, dass er seinem Traum nicht treu geblieben ist. Das Ding hätte ewig gehalten und vielleicht würde ich ihn heute noch fahren. Mittlerweile fnde ich ihn auch optisch schön.

Mehr Bilder von diesem Auto gibt es hier: http://de.sevenload.com/alben/vgZ6WEb

15 Gedanken zu „Schwedenstahl (Blog 227)“

  1. Ich fand die Form schon damals altmodisch und im Autoquartet war er auch nicht zu finden.

    Herrlich! Exakte Kinderlogik, ich seh Dich förmlich in der Lederlatzhose, Hände in den Hosentaschen und mit nöligem Gesicht gegen den Reifen treten…

  2. Ich seh´ das schon: wir haben doch ziemlich ähnliche Faible. Da hast Du ein richtiges Prachtexemplar erwischt!
    Hier mein Beitrag zum Thema Auto (als diese noch Autos waren!). Nicht so alt wie Dein Exemplar (und leider extrem schlecht beleuchtet), aber ein Individuum. Nicht diese stromlinienförmige Masse von heute! Was auch ein bisschen für die Menschen heute gilt.

    Ich freu´ mich auf den 15ten und wünsche Euch schon mal ein schönes Wochenende.

          1. Vielleicht keine schlechte Idee – eine Seite nach dem Motto: Wer kennt den Gegenstand auf diesem Bild. Wahrscheinlich gibt es das längst und wir kennen es nur nicht.

    1. Die Farbe ist mir auch aufgefallen. Da steckt beige, grün und ein Cremeton drin. Es gibt aus dieser Zeit auch ein eigentümlich schönes Volvo-Blau, eine Art dunkeltürkis.

      Mein Vater ist vor vier Jahren gestorben. Er war bis ins Alter hinein ein dem technischen Fortschritt wohlwollend zugeneigter Mensch, der zeitweilig einen Apple-Computerclub leitete. Ich bedaure, daß er die Entwicklung der weblogs nicht mehr miterlebt hat. Das hätte ihm gefallen. Möglich, dass er einen Weg findet mir einen Kommentar aus der Welt jenseits unserer Vorstellungskraft zu senden.

      1. Es ist schön, wenn Menschen sich für Fortschritte interessieren.

        Da ich eh der Auffassung bin, dass man in den Kindern weiterlebt, sie mitgeprägt hat schreibt auch ein Stückchen von deinem Vater in deinen Postings mit.

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