Dies und das (Blog 229)

HERBST

Gestern war es soweit. Zum ersten Mal seit Mai holte ich ein langärmeliges Baumwollhemd aus den Tiefen des Kleiderschrankes hervor. Ergiebige Regenfälle, eine Temperatur die bei 8 Grad im Schatten liegt. Die T-Shirts dürften für dieses Jahr ausgedient haben.

WORTSCHÖPFUNGEN

Die Deutsche Sprache bietet viele Möglichkeiten kreativ zu werden. Nachdem meine Blogfreundin ?zuagroast? vor kurzem eher beiläufig den BLONDIERMEISTER kreiert hatte (siehe ihren Blogeintrag vom ) und ich bei einem Arztbesuch Bekanntschaft mit der ÄRZTEROLLE machen durfte (Das ist keine gymnastische Übung für Ärzte sondern…..ratet mal) flatterte mir nun das Schreiben eines hiesigen Schuhgeschäft ins Haus in welchem darauf hingewiesen wird, dass sich an einem bestimmten, nicht mehr allzufernen Tag die BEQUEMSCHUHBERATERIN der Firma XXX einfinden werde um „Fragen rund um das bequeme Gehen“ zu beantworten.

Das wäre ein Beruf für mich. Den Frauen die Pumps und Stilletos ausreden und sie für Mephisto oder Finn Comfort Schuhe gewinnen ? dieser Aufgabe würde ich mich gern stellen. Wenn die Buddhisten – was ich nicht hoffe – recht mit ihrer Vorstellung von einer Wiedergeburt haben sollten würde ich in einem künftigen Leben gern Bequemschuhberater sein wollen. Da aber alle mir bekannten Religionen Ironie hassen , Rachsucht aber schätzen würden wohl allein die letzten Sätze zur Folge haben, dass ich dieses künftige Leben als eine Art Al Bundy verbringen müsste.

BIER TRINKEN

„Alkohol lernte ich in der harmlosen Form von Bitterbier schätzen: Lubbock, mein Reitlehrer , war der erste, der mir Bier anbot, als ich ihn an einem Sommerabend besuchte. Es schmeckte abscheulich, und ich trank es herunter in dem Bemühen, meine Männlichkeit zu beweisen, doch einige Tage später, auf einem langen Spaziergang querfeldein… spürte ich den Geschmack auf der Zunge, wie zum Hohn, denn ich war sehr durstig. Wir kehrten in ein Gasthaus ein, aßen Brot und Käse, und ich trank zu zweitenmal Bitterbier, daß mir köstlich mundete und das bis heute nie aufgehört hat, herrlich zu schmecken …“

Das las ich vorgestern Abend in meiner momentanen Bettlektüre: ?Eine Art Leben?. Das ist die Autobiographie des englischen Schriftstellers Graham Greene (Der graphodino ist schuld, das ich dieses Buch hervorholte, aber das ist eine andere Geschichte). Von ganz geringen, zu vernachlässigenden Details abgesehen ist es mir genau so ergangen. De javu! De javu! Es zeigt sich: So unterschiedlich sind unsere Leben nicht. Das Individuum als solches wird vielleicht überschätzt. Aber es gibt den einen oder anderen Menschen, der eine Erfahrung die viele machen allgemein gültig beschreiben kann. Dessen Leben dadurch exemplarisch wird. Ist das vielleicht der eigentliche Grund weshalb wir ein weblog schreiben ? Ist es das, was wir wollen ?

17 Gedanken zu „Dies und das (Blog 229)“

    1. Das Lob freut mich, ich weiß es zu schätzen.

      Dem Graphen ist es gegeben auf zu Unrecht vergessene oder nicht mehr beachtete Werke und Autoren auf eine Art hinzuweisen, die dazu führt, dass man in papierhaltigen und virtuellen Archiven zu suchen beginnt und sich mit der angesprochenen Thematik befasst. Da ist er in guter Geselschaft: Arno Schmidt konnte das, Peter Handke hat sich in dieser Hinsicht um Hermann Lenz verdient gemacht und ich habe mich auch gern von dir im literaturzeitschrift.blog.de an Heinrich Bölls Roman Billard um halb zehn und Thomas Bernhard
      erinnern lassen. Dafür an dieser Stelle einmal herzlichen Dank.

    1. Das wundert mich nicht. Bürokratische Institutionen wie Amtsgerichte, Ämter und Heimverwaltungen sind mir vertraut.
      Wichtig für den Umgang mit ihnen ist: Unbedingt sachlich bleiben (auch wenn es schwer fällt), hartnäckig sein, sich gut informieren (was Dank dem web viel leichter geworden ist) und sich auch einmal in die Rolle des Beamten versetzen mit dem man es zu tun hat. Der steht oft auch mächtig unter Druck und momentan ist es tatsächlich so, das eher der Papst evangelisch wird als das die Verantwortlichen im Öffentlichen Dienst eine Vollzeitstelle neu besetzen. Vom da her kannes wirklich mal etwas länger mt der Entscheidungsfindung dauern.

      1. Ja, aber nicht, wenn diese schon Wochen überfällig war. Naja, Schwamm drüber. Inzwischen hat man sich ja herab gelassen…
        Einzig deine genannten „Tugenden“ im Umgang mit selbigen Leuten hat ja nun letztendlich auch zum Ziel geführt. Aber war schon ein Ding…

  1. Ja, auch bei uns ist der Herbst eingekehrt. Aber noch kann ich ohne Handschuhe radeln 😉

    „Bequemschuhberater“ klingt als Beruf jedenfalls nicht schlecht. Das könnte ich mir auch als Beruf vorstellen. Es gibt einfach immer mal wieder ganz tolle Wortschöpfungen.

    Bier – was soll ich dazu sagen? Es löscht unseren Durst auf eine angenehme Art 🙂

    Graham Greene kenne ich bisher nur in Form von „Dr. Fischer aus Genf“.

    Und nein, ich will einfach nicht vergessen!

    1. „Dr. Fischer aus Genf“ habe ich noch nicht gelesen. Kommt auf die Merkliste.
      Graham Greene ist ein Beispiel dafür, wie schnell ein zu Lebzeiten sehr populärer Autor sehr schnell in Vergessenheit geraten kann. In diesem Fall liegt es vielleicht daran, das seine existentiellen Probleme wie Langeweile, Leben trotz Verzweifelung und Schuldgefühlen oder das Suchen nach Herausforderungen um einem öden Leben zu entgehen heute nur noch schwer vermittelbar sind. Dass der graphodino sich von dieser Lektüre angezogen fühlt wundert mich nicht aber ich weiss nicht, ob sie ihm gut tut.

      1. Deine Beschreibung passt auch ganz gut auf „Dr. Fischer aus Genf“. Sind dies nicht alles Themen, die gerade heute aktuell sein sollten? Und zum Grafen: glaubst Du, dass Literatur schaden kann?

        1. Zur Frage nach der Aktualität der Themen: Sie sind aktuell , müssen aber immer wieder neu formuliert werden. Trotz aller seiner Kritik war Greene ein Mann des alten Empire dessen Niedergang und zunehmende Bedeutungslosigkeit ihn wohl auch geprägt hat. Einem heute 20Jährigen müssen seine Bücher – so er sie überhaupt lesen würde – sehr fremd erscheinen. Ich wüsste allerdings spontan nicht welcher lebende und noch schreibende Schriftsteller sich mit dieser Thematik befasst, werde nachdenken.

          Zur zweiten Frage: kommt darauf an, wie man Schaden definiert. Ein junger Mann in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts der sich nach der Lektüre von Goethes Wether erschießt – was ja häufiger vorgekommen ist – kann man Autor und Werk dafür (mit)verantwortlich machen ? Auch hier habe ich spontan keine Antwort.

          1. Eine schwere Frage! Bin ich verantwortlich, wenn ich einem Selbstmörder sage „spring!“ – und er springt? Was ist, wenn ich sage „spring nicht!“ – und er springt doch?

            Ja, die Themen sind brandaktuell! Aber ich sehe es wie Du: wer will sich damit noch auseinandersetzen? Unsere heutige Spaß- und Brot-und-Spiele-Gesellschaft?

  2. Glaub es mir oder auch nicht: Erst jetzt wird mir klar, wer der M.Konradt beim Dino ist. :)) 😳

    Ich hab diese Woche die Gore-Tex-Regenjacke rausgeholt. Das Nasswerden wird mir jetzt zu kalt. Und die Schnupfenviren wohnen ja auch noch in mir….

    Ich tät niemals Bequemschuhe beraten wollen. Woher soll ich wissen, was die wissen wollen? Aber anziehen tu ich sie gerne. 🙂

    Und Bier? Bitterbier? Ist das Guinness? *örgs*
    ’n Altbierchen ab und zu. Jooo. 🙂 Auch mal ein Pilschen. 🙂 Aber bitterer brauch das nicht zu werden.

    1. Ha! Ich bin entdeckt. Freue mich über deinen Besuch.

      Zu deiner Frage „Woher soll ich wissen, was die wissen wollen?“
      Das ist es ja gerade, was den Beruf des Verkäufers innteresant macht – und die Produkte auch. Eine zeitlang habe ich Küchenarbeits platten verkauft. Häufig gestellte Fragen waren: „Kann ich da auch mit dem Beil ‚draufschlagen‘? – ist diese Platte wirklich säurefest? – Kann ich eine Zigarette darauf ausdrücken?“ In deutschen Küchen müssen furchtbare Dinge geschehen.
      Interessant auch, daß Küchenarbeitsplatten häufig von Paaren gemeinsam einngekauft werden und das wenn die Frau sich für eine entschieden hat der Mann in der Regel eine andere vorschlägt.
      Und einmal war ich erstaunt, das einer Frau eine Arbeitsplatte sehr gut gefiel, sie dann aber entsetzt zurückwich, als ich ihr erläuterte, das der graue Schleier auf dem weissen Untergrund ein Text aus Shakespeares „Romeo und Julia“ sei.

      Du siehst, verkaufen ist keine uninteressante Tätigkeit die zu Blogeinträgen und Kommentaren anregt.

      Zu deiner Frage nach dem Bitterbier: Guinness hat natürlich diesen bitteren Geschmack aber ich vermute, das im angelsächsischen Raum „Bitterbier“ etwas anderes meint.
      Wikipedia weiss auch nicht viel, aber ich bin sicher, dass Remo uns da weiterhelfen kann. Du erhälst auf jeden Fall eine kompetente Antwort.

      Wünsche ein erträgliches Wochenende – und lass dich von den Schnupfenviren nicht unterkriegen.

        1. Vielen Dank Remo! Ich wußte, das du in diesem Fall helfen kannst. Unter „Bitter“ habe ich natürlich nicht nachgeschaut.
          Ich nehme an, Frau wirrkopf ist nun ausreichend informiert.

          Wünsche einen schönen Restsonntag

          Manfred

      1. Lustigerweise hätte meine Arbeitsplatte einen Zigarettenanschlag überlebt, versagte jedoch bei einer Espressokanne. Die hat ein wunderprächtiges Loch erzeugt…

        Ich schmeiss meine Dauerkarte fürs Freibad noch nicht weg! Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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