Selbstversuche: Biertest: Newcastle Brown Ale (Blog 235)

„Tigges“ war einmal das Paradies der Biertrinker in Gelsenkirchen. Mehr als 20 Sorten gab es zu den besten Zeiten im Ausschank. Meine Erfahrungen und Kenntnisse dieses Getränk betreffend verdanke ich zu einem grossen Teil dieser Institution.

Laut Statistik haben Friedhofsfacharbeiter eines sehr hohe Lebenserwartungen, Gastwirte jedoch eine der niedrigsten. Leider traf das in diesem Fall zu. Herr Tigges erreichte nicht einmal das sechzigste Lebenssjahr. Nach seinem Tod ging es bergab mit der Gaststätte. Später stand sie Jahrelang leer.

Momentan wird versucht, sie wiederzubeleben. Es sind zwar nicht mehr so viele Biersorten im Programm, aber das Angebot ist immer noch umfangreich. Unter anderem stiess ich auf diese Gebräu:

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Newcastle upon Tyne ist eine der Partnerstädte Gelsenkirchen. Das dürfte der Grund sein weshalb dieses Bier in 550ml Flaschen bei uns angeboten wird. Ich nahm die Gelegenheit wahr, einmal ein englisches Bier zu probieren. Das irische Guinness ist mir zwar auf angenehme Weise vertraut aber die Getränke der grösseren britischen Insel hatte ich bis dahin gemieden. Menschen denen ich in dieser Hinsicht vertraue hatten mir englische Biere als schal und geschmacklos geschildert. Nun war die Gelegeheit gegeben das zu überpfüfen. Zuvor studierte ich das Etikett der Flasche. Als Indigrenzien waren angegeben:

4,7% Alkohol
Wasser, Gerste,Weizen,Mais
Glukose – Sirup
Karamel
E 150 oder möglicherweise Ei 50 ? Die Bezeichnung war nicht eindeutig zu erkennen.
Hopfen, Hefe

Die Flasche kostete stolze 4,20€. Das läßt sich auch nicht damit rechtfertigen, dass sie optisch einen guten Eindruck hinterlässt: Modisches Klarglas, altmodischen Form, wirkt gross, der blaue Stern des Etiketts kontrastiert mit dem hellorangenen Hintergrund. Der Flaschendesigner hat möglicherweise versucht sowohl die traditionelle Zielgruppe der „älteren Biertrinker“ als auch die „Becks Gold Generation“ anzusprechen.

Und wie hat es geschmeckt ? Leider hat man seitens der Brauer hier eindeutig die zweite Zielgruppe im Auge und leider bestätigten sich alle Vorurteile gegen englisches Bier. Positiv kann nur noch vermerkt werden, dass auch der ungeübte Biertrinker keine Sorge haben muss, dass diese Bier überschäumt: Ist es geöffnet , ist es auch schon verschalt. Am Hopfen ist gespart worden. Es hinterlässt einen wässerig-süsslichen Eindruck. Musste sofort nach dem letzten Schluck als Gegenngift ein gezapftes Guiness bestellen.

Fazit: Ein Bier das alle begeistern wird, die eigentlich kein Bier mögen.

16 Gedanken zu „Selbstversuche: Biertest: Newcastle Brown Ale (Blog 235)“

  1. Da ich gelegentlich gern ein Bier trinke, wäre dieses Bier dann wohl nichts für mich. Hopfen sollte man schon schmecken und ich bleibe dann wohl bei meinen altbewährten Sorten.
    Ein Guiness trinke ich aber auch gern, wir haben in unserem Dorf sogar einen Irish Pub :).

      1. In dem Pub haben wir schon mehrfach musiziert, das macht Spaß in dieser besonderen Atmosphäre.
        An Biersorten bevorzuge ich ein schönes K~rombacher, oder auch ein D~etmolderpils. Im Pub trinke ich gern ein Irish Stout.
        Vielleicht sollte ich heute Abend mal rausgehen! Habe jetzt richtig Durst bekommen.

        Schönes Wochenende wünsche ich dir!

        1. Oh! Ich sehe den Eintrag zu spät. Falls du rausgegangen bist und am Morgen danach Kopfschmerzen hast – ich kann nichts dafrü.

          Krombacher mag ich auch, Detmolder habe ich vor gut zwei Jahrzehnten mal bei einem Freund in Paderborn getrunken und keine Erinnerung mehr daran. Muss ich mal probieren.

          Einen schönen Sonntag dann

          Manulan

  2. Ich trinke auch gerne mal ein Bier. Hab aber keine Ahnung von Qualitäten. Entweder es schmeckt oder es schmeckt nich. Das von Aldi schmeckt mir. Weiß aber nicht mehr wie die heißen. Ein helles und ein dunkleres. Waren beide lecker. Und wenn ich mal den Tod des Ertrinkens erleiden müsste, würde ich vorziehen, das in Malzbier zu tun. :))

    Aber an deinem Gegengift würde ich sterben. *örgs*

  3. Oha, als Anhänger der neumodischen Bier-Misch-Getränke stehe ich wohl allein auf weiter Flur.

    Aber ohne ein gemurmeltes „bitte ein sehr helles Radler!“ zur ausschenkenden Person würde ich auf Motorradtreffen nicht sehr alt werden. Das mal als Entschuldigung.
    Und als dann das Radler mit Limetten-Geschmack auf den Markt kam – Hallelujah! Aber teuer. Seitdem trink ich mich munter durchs Sortiment. Stimmt nicht so ganz, ich komm selten dazu.
    Auch empfinde ich Scheu vor den blauen Mischungen namens „Energy“ und so.

    Kann halt nicht jeder ein Biertrinker sein. Ich hätt es wohl höchstens wegen der hübschen Flasche mal probiert – typisch Frau.

    1. Nun, du gehörst exakt zu der Zielgrupper, für die diese Bier-Mischgetränke hergestellt werden und nachdem du vor längerer Zeit einmal erwähnt hast, welche Weine du bevorzugst wundert mich nichts mehr. Aber wie formuliert es Wilhelm Busch: „Was beliebt ist auch erlaubt.“ Prost!

      1. (Ich glaube, es wird eine etwas andere Zielgruppe angepeilt als dreissigjährige Biker-Muttis.)

        Diese Entwicklung wurde ja von den Brauereien selbst initiiert, der Verbrauch ging einfach zurück. Die Jugend wollte eben nicht mehr nach alter Väter Sitte am Stammtisch sitzen und tun, was seit Jahrhunderten (seit wann gibt´s Bier?) alle taten.

        Komisch, dass, obwohl ja jede Jugend rebelliert, diese sich ausgerechnet das Bier ausgesuchte. Ist das der Gipfel der Politikverdrossenheit gewesen oder einfach Angst vor richtigen Feinden?

        icksy
        (aktuell einen halbtrockenen Spätburgunder aus einem Wasserglas trinkend und Tom Petty hörend)
        Na Sdarowje!

        1. Bier ist uralt. Die Ägypter kannten es schon. Der Gedanke, das die Abkehr vom Bier auch eine Abkehr von den „Stammtischen“ sei ist nicht uninteressant. Eine Rolle könnte gespielt haben, das Bier oft in Zusammenhang mit pöbelnden Fussballfans und anderen agressiven Männern wahrgenommen wird. Bier als Getränk der Verlierer. Vielleicht siieht eine relevante Zahl von Menschen das so.
          „Angst vor richtigen Feinden“ – das müsstest du näher erläutern.
          Wer oder was könnte da gemeint sein?
          Ansonsten lässt sich über Geschmack natürlich nicht streiten – aber halbtrockener Spätburgunder ist aus meiner subjektiven Sicht schon ein Fortschritt.

  4. wenn auch spät, sollte ich mich hier auch zu wort melden. 3 jahre lang habe ich bei der brauerei beck und co, damals noch in familienbeitz, meine miete verdient- pr und gästeführungen neben dem studium, war eine hervoragende zeit: beer for free!!!!!

    ich habe tatsächlich bier gebraut und habe viel über bier gelernt, die braumeister hatten einen narren an mir gefressen und ich hatte viele kollegen die brauer und mälzer gelernt haben und dann lebensmitteltechnologie studiert haben und eben nebenbei wie ich bei beck gearbeitet haben, alle aus tiefer überzeugung.

    nun zum testbier. diese Ingridienzen schreien einem entgegen trinke mich nicht!
    Mais
    Glukose – Sirup
    Karamel
    E 150

    selber schuld wer es dennoch tut!

    LG freifrau zuagroast!

      1. Das „klassische“ Becks in der grünen Flasche mag ich auch. Becks „Gold“ und die neuen Biermischgetränke habe ich aus Neugier probiert aber da kann ich halt auch gleich Limonade trinken.
        In Deutschland verkaufen sich halt Getränke die entweder süss oder völlig geschmacklos sind. Ich vermute, es gibt auch Menschen die Cola in den Champager schütten oder einen Löffel Zucker in den Rotwein rühren.

  5. Da sieht man es mal wieder. Der deutsche Biertrinker weiß nicht was gut ist. Das Newcastle ist ein sehr gutes englisches Bier. Aber versuche mal, Old Speckeldhen, JCB, Greenking, Spitefire, etc. Es gibt in England gutes und schlechtes Bier, genau wie hier in Deutschland.

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