Eigentlich wollte ich nur ein Muster anfordern….. (Blog 243)

….. und zwar bei einem österreichischen Hersteller von Dekorplatten. Das kann man in der Regel über die website erledigen. Aber man ist auf diese Art und Weise auch der Wissbegierde seiner Geschäftspartner ausgesetzt. Muster gibt es zwar ohne Berechnung, zuerst muss jedoch ein „Registrierungsformular“ ausgefüllt werden. Die üblichen Fragen: Name, Firma, Funktion etc .

Auch eine Spalte „Titel“ gab es, gedacht für die korrekte Anrede. Normalerweise wird da nur zwischen „Dr.“ und „Professor“ unterschieden. Nicht so im Land an der Donau. Österreicher sind da wohl so , wie es ihnen nachgesagt wird: Sie legen auf Titel grossen Wert und so konnte man zwischen 20 (!) verschiedenen wählen. Darunter Bezeichnungen wie „Dir.Dipl.Ing“, „Meister“ und „MBA“. Lezteres läßt vermuten, dass man gedenkt neuere Entwicklungen aufzugreifen und ins System zu integrieren. Andererseits wird auch tatsächlich noch der „Kommerzialrat“ aufgeführt. Ich hätte nie vermutet dass es den wirklich gibt, hielt ihn bisher eher für eine Erfindung österreichischer Filmkomödienschreiber. Scheint nicht so zu sein.

Mir fiel dazu ein, dass ich mir ein mal im Leben einen Titel „angemaßt“ habe und da es ein Scherz sein sollte, griff ich beherzt gleich in die höheren Ränge: Es war zu Anfang meiner Zeit bei der Bundeswehr. Einige hundert Kilometer von Zuhause entfernt, in einer Zeit in der Mobiltelefone, SMS und Email noch unvorstellbare Kommunikationsmöglichkeiten waren. Aber man schrieb sich Briefe. Beim Bier kamen ein Freund und ich auf die Idee, er solle mir einen Brief schicken, an mich adressiert, allerdings an einen fiktiven „General“ meines Namens adressiert.

Der Brief erreichte die Kaserne und ich machte die Erfahrung, dass diese Art Humor bei der Bundeswehr nicht goutiert, andererseits aber auch nicht überbewertet wurde. Bei der Briefausgabe brüllte der Leutnant mich an, drohte für den Wiederholungsfall nicht näher definierte Unbilll an und erwog keinen Moment die Möglichkeit, dass ich das Opfer eines Scherzes geworden sein könnte. Gut, war ja auch nicht so. Von weiteren Strafen (Wochenendwachen waren gefürchtet) sah man ab.

In den folgenden 15 Monaten brachte ich es nicht zum General jedoch wurde mir zu meiner nicht geringen Überraschung kurz vor meiner Entlassung eine Urkunde für gute Leistungen als „Nachschubbuchführer“ verliehen. Nun ja, besser als ein Tapferkeitsorden.

19 Gedanken zu „Eigentlich wollte ich nur ein Muster anfordern….. (Blog 243)“

    1. Würde ich diese „Urkunde“ einer Bewerbung beifügen hätte das eher negative Folgen. Ein Personalchef hätte wohl den Eindruck, dass sich da jemand an die Vergangenheit klammert und die Gegenwart nicht wahrnimmt. Es gibt Kenntnisse und Fähigkeiten, die irgendwann nicht mehr gefragt sind und ehrlich gesagt: Verkaufen macht mir mehr Spass.

  1. Das hätte aber auch ziemlich in´s Auge gehen können (und viele Wochenend-Dienste bringen können).

    Wochenend-Dienste habe ich öfters freiwillig gemacht, da ich ziemlich heimatnah meinen Dienst verrichtet habe. Dafür konnten dann Kameraden am Wochenende nach Hamburg oder München fahren. Ich war ja zwischendurch am Wochenende auch zu Hause und hatte dafür in der Woche noch Dienstausgleich 🙂 Und nach 12 Monaten war Schluss!

    Ich wünsch´ Dir und Deiner Gattin ein schönes Wochenende (fast hätten wir mit Tochter am Samstag einen Ausflug nach Mülheim gemacht, aber ihre Verabredung ist geplatzt)

    1. Ich glaube, heute würde es ins Auge gehen. Aber ich war zu einer Zeit bei der Bundeswehr, in der alle Autoritäten in Frage gestellt wurden was bei deren Vertretern zu einer beträchtlichen Verunsicherung führte. Gerade bei den jüngeren Offizieren gab es damals ein ausgeprägtes Bedürfnis sich für die Wahl dieses Berufes zu rechtfertigen. In meiner Kompanie wurden bekennende Mitgliedr von K-Gruppen zu Vertrauensleuten gewählt. Der damalige Zeitgeist (den ich sehr vermisse) erklärt, weshalb ich einen derartigen „Scherz“ überhaupt erwog. Autoritäten und Titel hatten halt etwas lächerliches an sich – heute leider unvorstellbar.

      In Bezug auf lange Wege zum Standort war ich ein spätes Opfer preußischer Innenpolitik. Dem Kaiser war das Ruhrgebiet unheimlich. Zu viele ihm kritisch gesinnte Menschen, zuviel wirtschaftliche Macht. Deshalb gab es im Ruhrgebiet nur wenige Kasernen und keine Universitäten. Vereinfacht formuliert: Die Menschen sollten dumm bleiben und keine Waffen verfügbar haben, um sich zu wehren. Erst in den 60er Jahren wurde die erste Universität gebaut (Bochum). Kaserenen gibt es mittlerweile gar keine mehr.

        1. Oh, das ist nicht so gut gelaufen. Muss noch einige Weihnachtsbesuche bei Kunden machen (was ich eigentlich gern tue) und einige Male schellte auch das Telefon weil es noch Abstimmungsbedarf gab. Das Problem ist halt, daß meine Frau darüber nicht so glücklich ist und mich das auch spüren lässt.
          Muß mir etwas einfallen lassen.

          1. Meine Gattin mag das auch nicht, wenn ich im Urlaub arbeite. Aber manchmal muss ein Mann halt tun, was ein Mann tun muss :>>

            Bestell´ Deiner lieben Frau einen schönen Gruß und verwöhne sie
            mal ordentlich.

          2. Du hast recht. Es muss getan werden. Man weiss es im Grunde aber in diesem Moment war es hilfreich, es noch einmal zu bekommen.
            War hilfreich. Danke.

      1. Einen Titel der sich auf diese Tätigkeit bezieht, kann ich nicht mehr verwenden. Das ist die Welt von gestern.

        Aber wie in Blog 178 (Januar 2007) geschildert erwäge ich, die Bezeichnung „senior millenial“ auf meine nächste Visitenkarte drucken zu lassen.

  2. also am meisten gefällt mir der Titel: wirklicher Hofrat, ich frage mich, was ein unwirklicher ist. aber wir haben schon tolle Titel. Nur keinen Geheimrat. Ich möchte ungemein gerne Geheimrätin werden. Wie wird man das in Deutschland?

    1. Wenn Eure Exzellenz ( so wird der geheime Rat angeredet) geruhen würden, diesen wikipedia Artikel zur Kenntnis zu nehmen:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimer_Rat

      wird Sie aufs beste informiert sein.

      Spontan fällt mir dazu noch ein, dass der Vater des Geheimen Rates Goethe sich für eine nicht unbeträchtliche Summe den Titel eines „Kaiserlichen Rates“ kaufte. Hintergrund: Goethes Großvater war ein nach Frankreich ausgewanderter Schneider der es dort zu Reichtum brachte, aber als Protestant das Land nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes verlassen musste. Er besass einen großen Gasthof vor den Toren der Stadt Frankfurt. Sein Sohn, J. W. Goethes Vater, heiratete die Tochter des Bürgermeisters Textor und hätte gern in der Frankfurter Politik mitgemischt. Dies wurde ihm als neureichen Zugereisten verweigert. Aus Enttäuschung kaufte er sich beim Habsburger Kaiser (Ha, jetzt haben wir wieder den Bogen nach Österreich hin „gekriegt“) den besagten Titel und widmete sich der Erziehung seiner Kinder.

        1. Gern geschehen. Bin mit dem Weimaraner bestens vertraut und stehe für weitere Auskünfte gern zur Verfügung.

          Und noch mal zu den Titeln: Strebst du da wirklich was aus dem technischen Bereich an ? Hatte dich bisher eher auf der Seite der Geisteswissenschaftler vermutet. Aber weshalb nicht?

          Wünsche ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest.

          Manulan

          1. danke für die Weihnachtswünsche, hoffe sie waren auch bei dir ganz nett!

            nein, ich bin nicht auf der Technikerseite. Gehöre eh dorthin, wo du mich vermutest! 😉

            Der Ing. Titel kann man sich nach einer höheren abgeschlossen Schule und ich glaube 3 jahren Berufserfahrung kaufen. Z.B. meine alte Schule war nicht technisch. So genau weiß ich es aber auch nicht.

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