Über Schnee und Seekabel (Blog 252)

Kurz nach 7.00 Uhr werde ich von meiner Frau geweckt. Es hat geschneit. So stark, dass ich zum ersten Mal in diesem Winter früh aus den Federn muss um den Bürgersteig zu räumen. Und so ziehe ich Jeans und Anorak über den Schlafanzug und werfe einen Blick auf das Thermometer bevor es hinaus in die Kälte geht. So ein Innen-Aussen Thermometer ist eines der Instrumente bei denen man sich fragt, wie man früher ohne sie hat leben können. Es zeigt + 1,4 Grad Celsius an.

Der Schnee taut auch bereits wieder. Er ist schwer und matschig, lässt sich gar nicht so leicht fort fegen. Wir wohnen in einer ruhigen kleinen Straße. Reihenhaus, erster Stock, unter uns wohnen die Vermieter. Altes Ehepaar, Kinder längst aus dem Haus. Nicht mehr ganz gesund. Nette Leute. Deshalb räume ich den Schnee freiwillig. Eine Arbeit, die ich selten tun muss. In den vergangenen 10 Jahren keine 20mal. Sie kommt aber heute morgen unerwartet auf mich zu und lässt mich ins Schwitzen geraten – und das am Wochenende.

Aber als ich in die Wohnung zurückkehre steigt mir bereits der Kaffeeduft in die Nase und die Brötchen sind auch bereits aufgebacken. Schön. Noch schöner, wenn es danach noch einmal zurück ins Bett geht…..

Später greife ich mir dann, immer noch im Bett liegend die Süddeutsche Zeitung vom Vortag. Mein Blick fällt auf einen Artikel im unteren Bereich der ersten Seite: „Asien offline“ . Da heißt es: „Gut acht Kilometer vor der ägyptischen Küstenstadt Alexandria hat ein Schiff mit seinem Anker unterseeische Internet-Hauptleitungen abgerissen. In Ägypten sank daraufhin die Kapazität des Internets auf auf 30%…..an der Börse musste der Handel eingestellt werden…Auch in der aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien war die Leistung des Internets stark beeinträchtigt. Betroffen waren auch Firmen, die als Dienstleister für westliche Firmen arbeiten. Großkonzerne lassen beispielsweise ihre Buchhaltung in Indien erledigen oder…..Software schreiben.“

Auf andere Routen kann kaum ausgewichen werden, weil gleich zwei Hauptleitungen gekappt wurden und eine dritte schon vorher überlastet war. „Die Internetanbieter kämpfen nun darum, ihren verärgerten Kunden auf alternativen Strecken wieder Zugang zum Netz zu verschaffen“ (Satelit, anmieten von Ausweichstrecken um Afrika herum). Bis die Schäden behoben sind kann es eine Woche oder länger dauern.

Da war ich doch erschrocken. Mir wurde bewusst, wie sehr wir inzwischen vom „Netz“ abhängig sind und wie selbstverständlich wir davon ausgehen, dass es funktioniert. Dabei kann ein Schiffsanker weite Teile der auf Kommunikationsmittel angewiesenen Wirtschaft des nahen und mittleren Ostens lahm legen. Nicht gerade beruhigend.

Quelle: „Asien offline“ von Helmut Martin-Jung, SüddeutscheZeitung vom 1.2.2008 Seite 1

12 Gedanken zu „Über Schnee und Seekabel (Blog 252)“

  1. Bei uns kam heute Nachmittag etwas Schnee vom Himmel, der aber sofort wieder wegtaute. Ja Internet gehört heute schon zu unserem Leben und es ist selbstverständlich geworden,genau wie der Strom aus der Steckdose. Wir Menschen sind halt doch Gewohnheitstiere.

    Liebe Grüße aus Hannover
    Remo

  2. Ist mir bei der Lektüre ebenso ergangen. Da hängen ganze Wirtschaftsräume am sprichwörtlichen seidenen Faden (wenn ein Unterssekabel mal so genannt werden darf). Verrückte Vorstellung!

    1. Es hiess ja immer einer der Vorteile des Netzes sei es, nicht von einer Zentrale abhängig zu sein. Es könne sich bei Ausfall eines Teils selber neu organisieren. Da war wohl auch mal so. Aber wer hätte sich noch vor einigen Jahren vorstellen können, dass einmal solch gigantische Datenmengen transportiert werden würden – und so ist das web momentan wohl manchmal so verstaut wie das Autobahn-Netz.

  3. Das klingt nach einem tollen Samstagmorgen. Nein, Schnee haben wir hier keinen. Nur die Berge sind leicht angehaucht.

    Ja, wir hängen am Draht. Weltweit und im Kleinen. Ich habe in 2006 an einem Adventssamstag mal den kurzzeitigen Zusammenbruch des Netzes erlebt: die Stadt war voller Menschen, die Geld ausgeben wollten – und dies nicht konnten, weil keine Kartenlesegeräte funktionieren – Stadtweit.

    Und wenn ich mir so überlege, was ich inzwischen alles über das Netz abwickle: Urlaub, Bücher, Bestellungen, Blog, Mails, Fotos, Musik, Fernsehn, Radio, …

    Don´t panic!

    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

    1. Es reicht schon wenn – wie vor einiger Zeit geschehen – die Firmensoftware ausfällt. Man hat keinen Zugriff auf die Preise mehr, muss Lieferscheine und Rechnungen provisorisch mit der Hand schreiben, schlägt Kundenadressen in den „Gelben Seiten“ nach. Ich habe damit begonnen, unsere Preisliste auf „google“ zu übertragen. Da habe ich zur Not alles über den Laptop greifbar.

      Eine angenehme Woche auch euch. Wir feiern noch ein wenig aber spätestens am Aschermittwoch ist alles vorbei.

      1. Karneval ist bisher ziemlich spurlos an mir vorbei gegangen ( außer, dass es im Südwesten ziemlich ruhig ist 😉 ).

        „Firmensoftware“ ist ein ganz schlechtes Stichwort: da kämpfe ich auch gerade an zwei Fronten 🙁

  4. Hallo schneeschippender Manulan.

    Erst durch deinen Beitrag hier ist mir Bewusst geworden,
    wie stark das Internet in der Wirtschaft weltweit mit eingebunden ist.

    Als ich die Nachricht von Indien so beiläufig im Radio gehört habe, dachte ich noch, ja und, können sie halt eine Weile nicht ins Netz, davon geht die Welt nicht unter.

    Weit gefehlt, warte nur darauf, dass so ein Erpresser-Idiot
    seinen Anker ins Meer wirft.

  5. Das ist schon verrückt, ja. Da zeigt und ein einfacher Schiffsanker mal eben de Grenzen auf, wer hätte das gedacht?!

    Schnee hat es hier auch gegeben, es hat aber auch gleich wieder getaut. Der Rest ist bretthart geworden, für eine kleine Rodelpartie heute hat es immerhin gereicht.
    Morgen soll wieder 9 Grad werden, kaum vorstellbar.

    Viele Grüße

  6. Ich hatte gestern meinen Monitor falsch gestöpselt. Es gibt 2 Stecker, den 2. hatte ich nicht gesehen, weil er unter eine Kante im unteren Bereich des Rechners lag.

    Alles da, Strom, Internet, Saft auf dem Monitor, aber kein Bild. Kein Bild heißt: Kein Internet, kein PC. Warten, bis meine „Absturzhelferin“ wieder zu Hause war und mich aufklärte.

    Komisches Gefühl, plötzlich ohne alle diese Kontakte zu sein. Von meinen Foris hab ich alle Telefonnummern. Hier geht es nur mit dem Internet.

    Komisches Gefühl auch, nichts lesen zu können, kein Banking machen zu können, etc.

    Das ist ganz klar Abhängigkeit. Aber will man da unabhängig sein? Ich nicht mehr. 😀

  7. Guten Morgen,

    es ist sechs Uhr und ich geistere bereits im Internet herum, lese hier bei dir und nicke zustimmend. Mir wird klar, wie sehr mir das Internet fehlen würde, gäbe es da einen Defekt. Oh je, hoffentlich passiert es nicht.
    Andererseits war ich mal eine Woche lang ohne Netz, am ersten Tag mächtig verdreht, doch dann gewöhnte ich mich dran und stellte sogar fest, dass ich viel mehr Zeit für andere Dinge hatte. Das Netz ist bei all seinen Vorteilen eben auch ein Zeiträuber.

    Schnee gab es hier nicht und ich hoffe, dass es so bleibt.

    Ich wünsche dir eine schöne neue Woche
    Regina

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