Feuerwerk sah man nur vereinzelt….. (Blog 283)

…..aber zumindest in der Gelsenkirchener Innenstadt war es gestern nach dem Spiel Deutschland – Türkei wesentlich lauter als zum Jahreswechsel und so richtig schlafen haben wir wegen der noch lange nach Mitternacht anhaltenden Hupkonzerte nicht können. Dafür war es heute in der S-Bahn – hier wurden diese Zeilen ursprünglich geschrieben – umso ruhiger. Auf den Sitzen flezten sich deutlich mehr Schläfer als sonst, manche noch mit schwarz-rot-goldenem Schal und entsprechender Kappe.

Natürlich freue ich mich, dass die deutsche Nationalmannschaft das Endspiel um die Fußball-Europameisterschaft erreicht hat aber um die Türken tut es mir leid. Mit ihnen scheidet die Mannschaft aus, die bei dieser EM für Spannung und Dramatik gesorgt hat und sich wohltuend von den „Defensivkünstlern“ aus Griechenland, Rumänien oder auch Italien abhob. So viele Tore in den letzten Minuten – das hat mich beindruckt – auch deshalb, weil es zu den Charakteristika der hiesigen Bundesligamsnnschaft (Schalke 04)gehört, sich nach jeder 1:0 Führung selbstgefällig „zurückzulehnen“. Nicht zuletzt deshalb ist die deutsche Meisterschaft in diesem Jahrzehnt mindestens zweimal knapp verpasst worden.

Kein Wunder, das jemand wie Hamit Altintop bei Schalke nichts werden konnte und frustriert zu den Bayern floh; das er bei dieser Europameisterschaft groß herauskam freut mich für ihn der in Gelsenkirchen aufwuchs und nicht weit von hier zur (Gesamt)schule ging. Leider ist er auch ein Beispiel dafür, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt.

Eigentlich habe ich ja Urlaub….. (Blog 281)

…..aber meine Frau und ich hatten schon vorher geplant, einige notwendige Investitionen nebst dem damit verbundenen Aufwand in diese Zeit zu legen, da sie in den normalen Alltag kaum „einzubauen“ sind . Und so schafften wir in der vergangenen Woche einen neuen Kühlschrank, einen neuen Gefrierschrank und ein Induktionskochfeld an. Bis Anfang letzter Woche war mir noch nicht bekannt, was ein „Induktionskochfeld“ ist, aber meine Frau war bestens informiert, wollte es haben und da sie gerne und gut kocht und sie sich in diesem Bereich sicher besser auskennt als ich wurde es natürlich angeschafft. Im Moment experimentiere ich gern damit (besonders eindrucksvoll: Man kann ein Blatt Papier zwischen Kochfeld und heißem Topf legen ohne das etwas passiert) fürchte aber, bald aus der Küche gewiesen zu werden.

Zweite Baustelle: Neues EDV – Gerät gekauft. Durch Umstände, die ich nicht im Detail schildern will habe ich wohl bis kommenden Mittwoch keinen Zugriff auf meinen Breitbandanschluss und muß mich mit einer UMTS/HSDPA-Card begnügen (seufz!) – furchtbar, aber mir ist bei dieser Gelegenheit deutlich geworden, das es unumgänglich ist , eine alternative Möglichkeit ins Netz zu gelangen zur Verfügung zu haben.

Um Mutmaßungen zuvorzukommen, bei uns sei der Wohlstand ausgebrochen: Die alten Elektrogeräte waren deutlich älter als ein Jahrzehnt, verbrauchten viel Strom und natürlich haben wir schon längere Zeit darauf hin gespart. Man muss halt Schwerpunkte setzen.

Letzte ungeplante wenn auch nicht ganz unerwartete Entwicklung: Nach 12 Jahren und 170.000km will das Auto nicht mehr. Eine Reparatur ist möglich, aber teuer und angesichts der Unterhaltskosten, die ich für das vergangene Jahr ausgerechnet habe:

2007
1551,00 € Benzin
462,31 € Versicherungen
117,00 € KFZ-Steuer
1067,21 € Werkstatt
508,00 € Garage

Zusammengerechnet :

3708,52 € Gesamtkosten pro Jahr

gleich: 309,04 € Kosten pro Monat

haben wir uns entschlossen, es künftig einmal ohne Auto zu versuchen. Meinen eigenen Wagen habe ich bereits 1994 abgeschafft (Nicht aus wirtschaftlichen Gründen!) und wenn dieser Schritt möglich ist, dann wenn man wie in unserem Fall in einem großen Ballungsraum mit gut ausgebautem Nahverkehr wohnt. Wir könnten einen neuen Wagen anschaffen und unterhalten (noch), aber die Entwicklung läuft dahin, dass ein Auto künftig nicht mehr zu einem guten Leben gehören, sondern eher einem guten Leben hinderlich sein wird. Mir ist klar, das dies in Lebensräumen mit eher ländlichen Strukturen nicht möglich ist. Ich bin auch keinesfalls ein fanatischer Gegner der motorisierten Fortbewegung aber ich glaube, die Zeiten des Individualverkehrs gehören der Vergangenheit an. Ich bin mir sicher , das ich sein Ende noch miterleben werde. Zu gefährlich, zu viele Opfer, zu ungesund, zu teuer, zu ineffizient, zu wenig zukunfts- und änderungswillig – das sind heute die Kennzeichen der auto“mobilen“ Gesellschaft und sicher ist es sowohl spannender als auch lohnender, seine Fortbewegung so zu organisieren, das weder die Lebensqualität (etwa durch zusätzlichen Zeitaufwand) noch die menschlichen Kontakte leiden. Das geht! Daran wird nun gearbeitet und Fortschritte werden natürlich per Blogeintrag vermeldet werden.

Das bisherige wurde natürlich in erster Linie geschrieben um zu erklären, weshalb seit gut einer Woche meinerseits weder etwas geschrieben noch kommentiert wurde. Die Zeit war halt knapp. Das ändert sich nun wieder und nicht nur das: Alles muss sich ändern. Alles muss besser werden…

Über Engländer und Pommes Frites Teil 2 (Blog 280)

…..es wird Zeit, auf die Pommes Frites zurückzukommen. Wie schon erwähnt konnte sich mein Vater während seiner Kriegsgefangenschaft zumindest zeitweise so frei bewegen, dass auch Kontakte zu den „Einheimischen“ möglich waren und so schloss er Freundschaft mit einem jungen Belgier und seiner Frau. Ein Kontakt, der noch bis in die 60er Jahre hinein bestehen blieb. Man besuchte sich später auch gegenseitig und bei einem dieser Besuche brachten die Belgier ein Geschenk mit: Einen (schweren) Topf mit einem gitterförmigen Metalleinsatz – ein Topf in dem man Pommes Frites zubereiten konnte.

Nun habe ich an anderer Stelle :

http://manulan.blog.de/2005/03/30/kartoffeltrauma_teil_1_blog_10

bereits kundgetan, das die in der deutschen Küche der 50er und 60er Jahre gern gereichte mehlige, damals schon geschmackarme in der Regel mit dickflüssigen, pampigen Soßen aufgepeppte gekochte Kartoffel das kulinarische Trauma meiner Kindheit war. Nun entdeckte ich, das In der Form von Pommes Frites mochte ich sie jedoch und so drängte ich die Herrscherinnen der Küche (Mutter und Großmutter) , Kartoffeln auf diese Art zuzubereiten – leider nur selten mit Erfolg. Pommes Frites passten nicht in die „gutbürgerliche Küche“ und waren darüberhinaus aufwendig zuzubereiten (Fett erhitzen, Kartoffeln in lange Streifen schneiden). Der belgische Topf wurde viel zu selten eingesetzt.

„Pommes Frites“ waren damals etwas „Exotisches“. Allein der französische Name und der Umstand, dass sie damals noch weitgehend unbekannt waren. Man konnte damit allen ernstes Schulfreunde (die ich gelegentlich zum Essen mit nach Hause brachte) beeindrucken.
Die Imbiß-Stuben (umgangssprachlich „Pommes-Buden“ genannt) begannen ihren Siegeszug erst Mitte der 60er Jahre . Von fremdländischen Genüssen wie Pizza, Gyros oder Döner ahnte damals kaum jemand etwas.

Ich bin den Fritten bis heute treu geblieben. Jetzt sind es zwar meist die fettarmen vom Backblech aber ein bis zweimal im Monat müssen es doch die fetten, ungesunden unglaublich gut schmeckenden vom Grill an der Ecke sein. Ich hoffe, der Magen macht es noch eine Zeit lang mit.

In England bin ich bisher noch nicht gewesen. Weiß nicht weshalb. Hat sich nicht gefügt obwohl ich zu einer Generation gehöre, die von der britischen Pop-Musik geprägt wurde und mich mit der Sprache gern beschäftige. Aber 2006 sind die Engländer zu mir gekommen. Sie spielten bei der Fussball WM in Gelsenkirchen gegen Portugal, verloren unglücklich und blieben trotzdem friedlich. Vielleicht weil man gut mit Ihnen umging, den vielen, die ohne Eintrittskarte gekommen waren kurzfristig und ungeplant einen Park zur Verfügung stellte, ein „public viewing“ mit englischem Kommentar organisierte , sie auch auf den Grünflächen kampieren ließ. Drei Tage Englische Polizisten und englische Zeitungsverkäufer auf der Bahnhofstrasse – sie müssen sich wie zu Hause gefühlt haben. Ich wünschte mir damals, der zu Anfang erwähnte bigotte Englischlehrer meines Vaters hätte diese Tage miterleben dürfen. Natürlich habe ich seinerzeit auch einen Blogeintrag zu diesem Thema geschrieben:

http://manulan.blog.de/2006/07/02/footsballas_going_home_oder_end_of_the_w~927840

und ich bedauere natürlich, das die Engländer bei dieser Europameisterschaft nicht dabei sind aber das hält mich nicht davon ab, nun zum Ende zu kommen und den Fernseher anzumachen. Das Eröffnungsspiel läuft schon…..