Über Engländer und Pommes Frites Teil 2 (Blog 280)

…..es wird Zeit, auf die Pommes Frites zurückzukommen. Wie schon erwähnt konnte sich mein Vater während seiner Kriegsgefangenschaft zumindest zeitweise so frei bewegen, dass auch Kontakte zu den „Einheimischen“ möglich waren und so schloss er Freundschaft mit einem jungen Belgier und seiner Frau. Ein Kontakt, der noch bis in die 60er Jahre hinein bestehen blieb. Man besuchte sich später auch gegenseitig und bei einem dieser Besuche brachten die Belgier ein Geschenk mit: Einen (schweren) Topf mit einem gitterförmigen Metalleinsatz – ein Topf in dem man Pommes Frites zubereiten konnte.

Nun habe ich an anderer Stelle :

http://manulan.blog.de/2005/03/30/kartoffeltrauma_teil_1_blog_10

bereits kundgetan, das die in der deutschen Küche der 50er und 60er Jahre gern gereichte mehlige, damals schon geschmackarme in der Regel mit dickflüssigen, pampigen Soßen aufgepeppte gekochte Kartoffel das kulinarische Trauma meiner Kindheit war. Nun entdeckte ich, das In der Form von Pommes Frites mochte ich sie jedoch und so drängte ich die Herrscherinnen der Küche (Mutter und Großmutter) , Kartoffeln auf diese Art zuzubereiten – leider nur selten mit Erfolg. Pommes Frites passten nicht in die „gutbürgerliche Küche“ und waren darüberhinaus aufwendig zuzubereiten (Fett erhitzen, Kartoffeln in lange Streifen schneiden). Der belgische Topf wurde viel zu selten eingesetzt.

„Pommes Frites“ waren damals etwas „Exotisches“. Allein der französische Name und der Umstand, dass sie damals noch weitgehend unbekannt waren. Man konnte damit allen ernstes Schulfreunde (die ich gelegentlich zum Essen mit nach Hause brachte) beeindrucken.
Die Imbiß-Stuben (umgangssprachlich „Pommes-Buden“ genannt) begannen ihren Siegeszug erst Mitte der 60er Jahre . Von fremdländischen Genüssen wie Pizza, Gyros oder Döner ahnte damals kaum jemand etwas.

Ich bin den Fritten bis heute treu geblieben. Jetzt sind es zwar meist die fettarmen vom Backblech aber ein bis zweimal im Monat müssen es doch die fetten, ungesunden unglaublich gut schmeckenden vom Grill an der Ecke sein. Ich hoffe, der Magen macht es noch eine Zeit lang mit.

In England bin ich bisher noch nicht gewesen. Weiß nicht weshalb. Hat sich nicht gefügt obwohl ich zu einer Generation gehöre, die von der britischen Pop-Musik geprägt wurde und mich mit der Sprache gern beschäftige. Aber 2006 sind die Engländer zu mir gekommen. Sie spielten bei der Fussball WM in Gelsenkirchen gegen Portugal, verloren unglücklich und blieben trotzdem friedlich. Vielleicht weil man gut mit Ihnen umging, den vielen, die ohne Eintrittskarte gekommen waren kurzfristig und ungeplant einen Park zur Verfügung stellte, ein „public viewing“ mit englischem Kommentar organisierte , sie auch auf den Grünflächen kampieren ließ. Drei Tage Englische Polizisten und englische Zeitungsverkäufer auf der Bahnhofstrasse – sie müssen sich wie zu Hause gefühlt haben. Ich wünschte mir damals, der zu Anfang erwähnte bigotte Englischlehrer meines Vaters hätte diese Tage miterleben dürfen. Natürlich habe ich seinerzeit auch einen Blogeintrag zu diesem Thema geschrieben:

http://manulan.blog.de/2006/07/02/footsballas_going_home_oder_end_of_the_w~927840

und ich bedauere natürlich, das die Engländer bei dieser Europameisterschaft nicht dabei sind aber das hält mich nicht davon ab, nun zum Ende zu kommen und den Fernseher anzumachen. Das Eröffnungsspiel läuft schon…..

7 Gedanken zu „Über Engländer und Pommes Frites Teil 2 (Blog 280)“

    1. Die, die es in den 50er Jahren gab waren aber wirklich furchtbar. In der Nachkriegszeit war „Gutes Essen“ gleichbedeutend mit „Viel Essen“ . Die Generationen, die den Hunger nach dem zweiten Weltkrieg miterlebt hatten waren dadurch geprägt. Es war fast ein Sakrileg, etwas nicht zu mögen. Essen war immer gut – zwangsläufig. Mir fällt kein passender Vergleich ein aber Kritik an der gekochten Kartoffel wurde als erstes Anzeichen dafür gewertet, das da eine verwöhnte, verweichlichte Generation ihr Haupt bedrohlich erhob. Da mußte man einfach gegensteuern.

  1. Meine Mutter hatte auch so ein Teufelsding, das viel zu selten eingesetzt wurde! Es hat sogar einmal gebrannt!

    Die Pommes vom Blech kenne ich auch, aber am liebsten mag ich die von MCD! 😉

    1. Du hast recht. Die werden von notorischen Fastfood-Gegnern zu unrecht verdammt. Ich weiß sie gelegentlich auch zu schätzen.

      Wünsche euch noch einen angenehmen Sonntag!

      Manfred

  2. Ich mag auch Kartoffeln. Vor allem die mehligen mit irgendwelcher Pampe die sich Soße nennt. Und dann noch bisschen Salat dabei…. Lääääcker!

    Pomm de Tärr kann man auf 100fache Weise zubereiten, ohne sich wiederholen zu müssen. :))

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