In Bus und Bahn unterwegs: Im Hybridbus (Blog 285)

Hybridbus 1

Wären die verantwortlichen Manager der europäischen und amerikanischen Autoindustrie zu reflexivem Denken fähig, sie müssten hinsichtlich ihres Umgangs mit der Hybridtechnologie in den vergangenen Jahrzehnten in tiefe Scham versinken.

Eigentlich so entnehme ich meinen Quellen – ist der Hybrid – Antrieb nichts Neues. Schon 1899 wurde in Barcelona ein Fahrzeug mit Elektromotor und zusätzlichem 5 PS Verbrennungsmotor vorgestellt. Angesichts der Umweltbelastung amerikanischer Städte durch Autoabgase rüstete Victor Wouk schon 1972 – also noch vor der ersten Ölkrise 1973 – einen von General Motors zur Vefügung gestellten Buick in ein Hybridfahrzeug um. Daimler Benz beschäftigte sich seit 1982 mit Hybrid – Prototypen aus denen jedoch nie Serienfahrzeuge wurden.

An dieser Stelle kann ich der Versuchung nicht widerstehen vom Thema abzuweichen und darauf hinzuweisen, dass in den 80er Jahren Jaguar die Produktion von Modellen mit 12-Zylindermotoren einstellte während zunächst BMW seine 7er Modelle mit solchen nicht gerade sparsamen Motoren ausstattete und Daimler-Benz natürlich mit einem noch gigantischerem 12-Zylindermotor für die S-Klasse nachzog. Ein schon damals erkennbar verantwortungsloses Verhalten. Man ist versucht zu bedauern, dass sich einerseits serbische Generäle ( zurecht!) heute für ihre in den 90er Jahren begannen Kriegsverbrechen verantworten müssen während Verbrechen die die Umwelt und damit die Lebensgrundlagen aller Menschen betreffen mangels international anerkannter Rechtsgrundlage ungesühnt bleiben und die damals Verantwortlichen inzwischen möglicherweise uneinsichtig und unbehelligt ihre Pensionen verzehren.

Kehren wir zurück zum Hybrid-Antrieb. Während die Japaner längst erfolgreich Serienfahrzeuge bauen überwiegt in Europa immer noch die Skepsis. Ich war erstaunt darüber wie detailliert in den fachbezogenen Medien die Schwierigkeiten dieser Technik ( beispielsweise in Bezug auf die Batterien) beschrieben werden während die Chancen kaum der Erwähnung wert scheinen. Und Versuche den Hybrid – Antrieb weitere Gebiete zu erschließen geraten halbherzig bis marginal. So zum Beispiel wenn ein öffentliches Nahverkehrsunternehmen mit 255 Bussen versuchsweise einen (!) Hybrid – Bus einsetzt. Die Rede ist konkret von der Bochum – Gelsenkirchener – Straßenbahn AG :

www.bogestra.de siehe unter „Pressecenter“

Es fügt sich, das dieses Fahrzeug nun auch auf der Linie 383 mit der ich alltäglich vom Hauptbahnhof in den Stadtteil Ückendorf fahre verkehrt. Kürzlich hatte ich das Glück diesen Bus als Fahrgast nutzen zu können. Erster Eindruck: Es gibt ein Platzproblem. Grund dafür dürfte sein, das Teile des Antriebes in den Innenraum hineinreichen. Das sieht dann direkt hinter dem Fahrersitz so aus:

Hybridbus 2

Trotz der Verkleidung ist es erheblich lauter als in einem Bus mit konventionellem Antrieb. Ich glaube nicht, das dies sein muß. Eine entsprechende Dämmung dürfte kein Problem darstellen.. Die große Bucht für Kinderwagen und Rolatoren die sich im „Normalbus“ gegenüber dem mittleren Einstieg befindet ist verschwunden. Sie findet sich nun wesentlich verkleinert rechts von der Einstiegtür. Für mehr als einen Kinderwagen ist da kein Platz mehr. Die Falttüren des mittleren Einstieges sind durch auf Schienen laufende selbsttätig öffnenende Türen ersetzt worden. Das spart etwas Raum und ist weniger gefährlich. Ansonsten sind außer dem nur von außen sichtbaren etwas höheren Dachaufbau keine Unterschiede zum „Normalbus“ erkennbar.

Abgesehen von den sicher deutlich höheren Anschaffungskosten scheint der Nachteil dieses Busses darin zu liegen, das er weniger Raum und Komfort für die Menschen bietet, denen es schon jetzt schwerfällt den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen: Mütter mit Kinderwagen und alte Menschen die auf Rolatoren angewiesen sind. Würde man ihnen das gleiche Platzangebot wie bisher einräumen, böte der Bus noch weniger Plätze als und wäre noch unwirtschaftlicher zu betreiben.

Aber vielleicht löst sich dieses Problem auf andere Art und Weise. Die Nahverkehrsunternehmen im Ruhrgebiet melden steigende Fahrgastzahlen die wohl darauf zurückzuführen sind, dass viele Menschen denen das Auto zu teuer geworden ist auf Bus und Bahn umsteigen. Wenn diese Entwicklung anhält wird man auch wieder in kürzeren Abständen fahren können, ja müssen. Das Auto als individuelles Nahverkehrsmittel dürfte seine Zukunft jedenfalls hinter sich haben. Nicht zuletzt deswegen, weil deutsche Hersteller in den 80er-Jahren lieber 12-Zylindermotoren als Hybridfahrzeuge entwickelten.

Ein Gedanke zu „In Bus und Bahn unterwegs: Im Hybridbus (Blog 285)“

  1. Ich gebe Dir recht! Ich fürchte, da hat unsere Automobilindustrie ziemlich gemauert! Bei den Entwicklungsmannschaften hätte da mehr drin sein sollen!

    Habt noch einen schönen Sonntag.

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