Der Tod geht um….. (Blog 298)

 

…..unter den Menschen die mir nah sind und denen ich wohlgesonnen bin. Innerhalb von 10 Tagen starben der Vater eines Freundes, ein Cousin und die Frau meines Deutschlehrers. Letztere hat mich zu einer Zeit in der ich mir über die Zukunft meines weblogs und die Art und Weise es zu führen nicht im Klaren war ermutigt weiter zu machen. Sie selber hat auch im Netz publiziert.

Und so kam es , das ich in letzter Zeit anstelle von Blogeinträgen Beileidsschreiben verfasste. Keine im klassischen Sinne. Es geht mir in solchen Fällen darum, den Hinterbliebenen die Ernsthaftigkeit meines Mit-Leidens glaubwürdig zu machen, gleichzeitig aber auch zu trösten und zu ermutigen. Da braucht man für eine DIN A – 4 Seite schon einmal zwei Stunden. Die Gefahr ist groß, das Gegenteil von dem zu erreichen was man beabsichtigt und so streicht man immer wieder, formuliert neu und hofft, das der Text letztlich recht verstanden wird.

Natürlich wird den Menschen meiner Generation bei solchen Anlässen deutlich, das wir den größten Teil unseres Lebens schon hinter uns haben, das vielleicht noch zwei – , mit Glück drei Jahrzehnte bleiben. Da macht man sich sich auch Gedanken, wie und unter welchen Umständen man selber sterben will. In der Malerei kennt man den Begriff der Ideallandschaft. Weshalb nicht einmal – ohne blasphemische Absicht – das Bild eines „idealen Todes“ zeichnen?

Die Menschen die ich bisher habe sterben sehen waren in ihren letzten Wochen kaum noch an Kontakten mit den Angehörigen interessiert. Sie wussten eher als ihre Mitmenschen, das es zu Ende ging, wiesen Versuche, sie zu trösten zurück, reagierten teilweise agressiv auf gut gemeinte Versuche ihnen zu helfen. Sie waren schon nicht mehr von dieser Welt, hatten mit ihr bereits abgeschlossen. Wenn es bei mir ans Sterben geht hoffe iche ich, das mir diese Bitterkeit erspart bleibt. Da es mir vergönnt ist, diese Situation akzeptieren zu können.

Darüber hinaus hätte ich folgende Wünsche: Ich möchte im Sommer sterben, wenn es warm und hell ist ; am liebsten in einem bequemen Bett und keinesfalls – wie in einem alten Lied von Reinhard Mey beschrieben „Im Stehen“ – drei Reclam – Hefte und eine Bibel auf dem Nachttisch ; in dieser aufgeschlagen das Buch des Zweiflers Kohelet und einen Laptop in den Händen der noch einige, letzte Sätze festhält. So würde ich den Tod ertragen können.


15 Gedanken zu „Der Tod geht um….. (Blog 298)“

  1. Ein Thema das nun auch mich berührt dieser Tage, denn tatsächlich ist auch H. am vergangenen Wochenende gestorben.
    Niemand will sterben, natürlich nicht, aber wenn wollte ich sterben wie sie. 92 Jahre gesund alt werden, kurz krank (dann aber dement) sein, in Frieden einschlafen, fertig.

    Mach Dir nicht allzu viele Gedanken darum!

    1. Die Gedanken kommen halt und es ist besser, Sie eine Zeit lang gewähren zu lassen. Das eurer Nachbarin ein längeres Siechtum erspart geblieben ist, darüber könnte man sich fast freuen.

      1. Allerdings,ja. Wenn du manche Menschen sterben siehst- wochen.- teils monatelang- schrecklich sowas.

        Aber die unschönen Begleiterscheinungen waren auch hier zu beobachten: Keine 24 Std später, und schon stand die buckelige Verwandschaft in der Tür und beginnt ihre Habseeligkeiten zu zerfleddern.

        1. So etwas hört man immer wieder einmal. Aber darüber mache ich mir keinen Kopf. Mir ist schon klar, das vermutlich einige meine Bücher die mir viel bedeuten (und die teilweise auch einen materiellen Wert haben) achtlos ins Altpapier wandern werden. Aber das sind dann eben nicht mehr meine Sachen.

  2. Es ist traurig, wenn man den Tod eines einem nahe stehenden Menschen zu beklagen hat, und es tut mir Leid, dass du drei Menschen verloren hast, die dir etwas bedeutet haben – und denen du ebenfalls wichtig warst.
    Ein Beileidsschreiben, das von Herzen kommt, bedeutet den Angehörigen sehr viel. Für die meisten ist es tröstlich zu erfahren, dass auch anderen den Verstorbenen gern hatten, und dass der Verlust mitempfunden wird. Es hilft beim Trauern.
    Schön, dass du uns an deinem Idealbild vom Sterben teilhaben lässt. Möge es dir vergönnt sein, aber erst zu gegebener Zeit ;).
    Ich wünschte, jeder Mensch könnte in Frieden sterben (ich hoffe, dass es in Frieden geschieht, dann ist es egal, ob im Stehen oder Liegen…).

    1. „…..zu gegebener Zeit“ schreibst du. Das ist von Bedeutung. „Und Abraham verschied und starb in einem guten Alter, als er alt und lebenssatt war“ heißt es in der Lutherübersetzung des 1. Buch Mose (Kapitel 25 Vers 8). Jemand der mit 50 Jahren krank wird und nur noch wenig Zeit hat kann das kaum akzeptieren. Menschen jenseits der 80 gehen oft sehr gelassen mit dem Tod um, haben oft Vorbereitungen getroffen, wollen angesichts fehlender Perspektiven und Möglichkeiten manchmal wirklich nicht mehr leben. „Ich bete jeden Tag zu Gott und bitte darum, dass ich nicht mehr lange bleiben muss“ sagte mir einmal eine über 90jährige Katholikin.

      Aber keine Sorge. „Lebenssatt“ bin ich noch lange nicht.

      1. Den Eindruck machst du zum Glück auch nicht. Gerade fiel mir dazu Pete Seegers “Turn! Turn! Turn” ein, gesungen von den Byrds. Habe eben gegoogelt und finde, dass der Text die Adaption eines alttestamentlichen Bibeltextes aus dem Buch Koholet ist, das du dir auf dem Nachttisch aufgeschlagen wünscht. Meinst du speziell jene Zeilen? Ich habe gerade einen Text zum Thema “Sterben” fertig und blogge ihn gleich mal.

  3. Ich erinnere mich gut daran, wie tröstlich die persönlichen Beileidsschreiben für uns waren, als mein Vater ganz plötzlich mit erst 62 Jahren gestorben war. Meine Mutter liest sie, auch wenn sie sich mittlerweile (nach 18 Jahren) ganz gut gefangen hat, immer wieder mal und ich erinnere jedes Wort. Ich selbst schreibe auch Briefe seitdem.

    Das Lied von Reinhard Mey gehört zu meinen Lieblingsliedern, am Montag nächster Woche gehe ich in ein Mey-Konzert in Bielefeld, darauf freue ich mich schon seit Monaten!

    Alles Liebe
    Regina

    1. Das macht mir Hoffnung. Eigentlich müsste auch erkennbar sein, das es mir Ernst ist.
      Schön das du das Lied kennst. Ich mag es auch obwohl ich ungern im Stehen sterben würde. Wobei mir gerade bewußt wird, das mir die frühen Lieder von Reinhard Mey immer noch im Ohr klingen ich aber kaum weiß, was er seit den 80ern produziert hat. Dir wünsche ich viel Freude beim Konzert.

  4. Wie und wann ich diese Welt verlasse, ist mir wenniger wichtig. Wichtig ist dass ich den Weg zu Gott aus den Augen nicht verliere, um nach dem Tode meines Leibes bei IHM zu sein, das ist mein größter Wunsch bezüglich des “Todes”

    Das Leben währt ewig …

  5. Ich fürchte, dieser “Effekt”: “Sie wussten eher als ihre Mitmenschen, das es zu Ende ging, wiesen Versuche, sie zu trösten zurück, reagierten teilweise agressiv auf gut gemeinte Versuche ihnen zu helfen. Sie waren schon nicht mehr von dieser Welt, hatten mit ihr bereits abgeschlossen.” könnte womöglich darauf zurück zu führen sein, dass in dieser entscheidenden Zeit vielen klar wird, wie weit sie das (mögliche) Idealbild (von sich selbst) verfehlt haben, aber womöglich ist das auch wieder Projektion…

  6. Das ist ein Thema mit dem man sich ungern beschäftigt, das aber auch zum Leben dazu gehört. Ich möchte einmal sagen können, ich hatte ein erfülltes Leben. Im letzten Jahr ist meine Tante gestorben und die sagte dieses und war auf den Abschied gefasst. Ich ärgere mich immer über meine Eltern, daß sie sich nach wie vor nichts gönnen, obwohl sie schon 77 und 78 Jahre alt sind. Da haben sie immer noch eine Uraltkiste von Fernseher der so dunkel ist, das man keine DVDs abspielen kann. Ein neuer Fernseher soll aber erst ins Haus, wenn der alte seinen Geist aufgegeben hat, also nie.
    Lebe lieber hier und Heute, sonst lebst Du nie !
    http://remopuls.blogspot.com/2007/01/gedanken-ber-das-leben.html

  7. Nach meinem schönen Wochenende in einer malerischen Landschaft fällt es mir schwer, mich auf diese schweren Artikel bei dir und SP einzustellen, wie ich gerade merke. Ich hatte für ein paar Tage allen Tod und alle Krankheit der letzten Wochen vergessen. Kaum zuhause geht es weiter damit.

    Darum nur so viel: Ich möchte im Schlaf sterben, aber erst wenn meine Mutter und mein Hund auch schon tot sind. Dann wär mir der Zeitpunkt egal.

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