Noch ein Mondblog (Blog 302)

 

Den Text am Montag in „mondgelb“ zu setzen war wohl kein guter Gedanke. Nicht nur das er schwer lesbar war; wie ich heute morgen eher zufällig entdeckte wurde der gelbe Text zwar auf dem Firefox angezeigt, auf google Chrome und dem aktuellen Internet-Explorer herrschte dagegen gähnende Leere – und so wurde er nun flugs auf das traditionelle „schwarz“ umgestellt.

Heute also Vollmond; vielleicht ein Grund dem Mond einige Zeilen zu widmen. Es scheint so, als habe er – seit die Menschen ihn betraten – viel von seinem Zauber eingebüßt. Nur naturkundige Frauen befassen sich noch mit ihm, ansonsten wird er ignoriert. Dabei war er mal ein guter Freund

dem man sich nahe fühlen konnten. Zwei lyrische Texte aus der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts – die deutsche Sprache strebte damals seitdem nicht wieder erreichten Höhen zu – zeugen davon:


Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah schläfrig aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch tausendfacher war mein Mut:
Mein Geist war ein verzehrend Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloss in Glut.

Oder hier:

Willkommen, o silberner Mond,
Schöner, stiller Gefährt der Nacht!
Du entfliehst? Eile nicht, bleib, Gedankenfreund!
Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin.

Goethe und Klopstock wußten noch, was sie an ihrem Mond hatten; sie sprachen mit ihm, waren sich seiner Anwesenheit bewußt, schrieben für und über ihn Gedichte.

Leider ist der Vollmond heute unsichtbar. Habe gerade noch kurz den Tokyo Tea Room verlassen und bin hinaus auf den Marktplatz. Nichts zu sehen. Irgendwo hinter den Wolken muß er sein, zeigt sich nicht. Ob er uns nicht mehr mag ?



18 Gedanken zu „Noch ein Mondblog (Blog 302)“

    1. Aber irgendwann wird er wieder da sein; vielleicht steht er dann über dieser von den Römern gegründeten Stadt, die man von deiner Wohnung aus so gut sehen kann. Könnte ein schönes Fotomotiv sein.

    1. Ich erinnere mich das die Chinesische Regierung 1969 die Mondlandung verschwieg. Die gelenkten Medien berichteten einfach nicht. Auch die Legende, die Mondlandung sei nur vorgepielt worden und habe garnicht stattgefunden hat ja immer noch ihre Anhänger. Aus welchen Gründen auch immer – es gibt Widerstand gegen Entzauberungen.

  1. „Tokyo tea room“? Mein lieber Scholli! Na ja, ich bin jetzt doch bisschen am Rand und so…

    Ich habe in der letzten Zeit des Öfteren daran gedacht (der Herbst fördert derlei Schlendern durch etwas abgelegene Gedankengänge), wie das gewesen sein muss: ohne Radio, Fernsehen, PC, Kino usw. usf.

    Man ahnt schon, worauf das hinaus läuft: man müsste das mal ausprobieren (ich sage nur: Hof in Masuren usw.)…

    Interessant ist, dass Du John Wulf Goethes Gedicht im Zusammenhang mit dem Mond bringst: das ist doch bloss der, hä-ähümm, „Aufmacher“, es geht doch um ganz was Annersch…

      1. Peinlich! Das mit dem „tearoom“ habe ich schon mal gefragt, und Du hast es mir schon mal erklärt, wie mir immerhin nachher eingefallen ist: ich bin Kontakt- und Bindungsspezialist, sagte ich es schon…

          1. Das ist nicht peinlich. Ich habe mich auch nicht daran erinnert, das du schon einmal gefragt hattest und ich bin umgekehrt auch schon darauf aufmerksam gemacht worden, das ich mich in meinen Einträgen wiederhole. Ich nahm es erstaunt zur Kenntnis; freute mich dann, das so etwas von einigen Lesern offenbar registriert wird. Zeugt von einer gewissen, sicher unverdienten Aufmerksamkeit unseren Texten gegenüber.

          2. Das mit dem „unverdient“ könnte ich jetzt schon wieder retournieren (boah: ich kann lateigiesisch oder so), dass für Selbstverkleinerung nämlich ich zuständig wäre; das ist so abgesprochen mit dem da oben mit dem großem Klassenbuch…

            Diese, igitt, „Rückmeldung“, betreffend: siehe oben, habe ich aber schon des durchaus sehr Öfteren im, igitt, analytischem Rahmen vernommen…

            Schmerzlich beschämt

            Der Dino

  2. Schöne Gedichte. Und ich habe ihn im Laufe des Abends schon mehrfach gesehen … ( Frischluft-Fanatiker halt 😉 )

    Ich ignoriere ihn nicht! Ich finde ihn immer wieder faszinierend :yes:

  3. Wie schön, besonders das zweite Gedicht – ist das von Klopstock?
    Auf meinem blog ist gerade ein Bild vom Mond – hab ihn eingefangen per Kamera – naja, eigentlich ist es mehr ein Ei am Himmel geworden, wegen der Belichtung, vermute ich.

    1. Ja, du hast recht. Klopstock war in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts sagenhaft populär und hatte wahrscheinlich die größte Beerdigung (in Altona), die je einem deutschspachigen Dichter zuteil wurde. Er hat sehr schöne Sachen geschrieben, oft aber furchtbar übertrieben. Siehe die Ode an den Rheinwein:

      http://hor.de/gedichte/friedrich_g_klopstock/der_rheinwein.htm

      Anstrengend bis amüsant. Zumindest der zweitgenannte Eindruck war vom Autor wohl nicht beabsichtigt.

  4. *lach* die Ode an den Rheinwein klingt, als hätte er beim Reimen „der Traube Sohn“ heftig zugesprochen…
    Ich gestehe, ich habe nicht bis zu Ende gelesen, aus Furcht, es hätte mich womöglich erschlagen.

    1. Er hat eben alles überhöht und es ist wohl kaum möglich, solche Texte vollständig zu lesen. Das Problem war schon zu seinen Lebzeiten nicht unbekannt. Lessing reimte:
      Wer wird nicht einen Klopstock loben
      Doch wird ihn jeder lesen ? Nein.
      Wir wollen weniger erhoben
      und etwas mehr gelesen sein.

      Das ist viel verlangt

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