Es wird Zeit….. (Blog 331)

Zettels Traum

…..für das letzte grosse literarische Abenteuer meines Lebens: Die Lektüre von Arno Schmidts Hauptwerk „Zettels Traum“: DIN A3 Format, 8,3kg schwer, 1330 Seiten (liegt unübersehbar auf meinem Schreibtisch). Gekauft habe ich es bereits in den 80er Jahren. Damals musste ich wirklich sparen und verzichten um es erwerben zu können. Ich wußte das es zu früh war, das ich es erst in Jahrzehnten würde lesen können aber ich hatte Sorge, das dieses Buch später nicht mehr verfügbar sein würde. Jetzt ist der richtige Moment. Ich habe geübt. Konkret: Zwischen 2004 und 2008 die Wollschläger-Übersetzung des „Ulysses“ gelesen. Ich bin jetzt in dem Alter in dem der Autor war als er das Buch schrieb und ich muss auch deshalb beginnen, weil es zehn bis fünfzehn Jahre dauern kann und ob ich jenseits der Siebzig noch in der Lage sein werde den Text zu entschlüsseln darf beweifelt werden.

Natürlich kann niemand ein solches Buch am Stück „durchlesen“. Es wird immer einmal Vierteljahre geben, in denen ich es leid sein werde. Ich werde es gelegentlich für aktuelle Werke „zurückstellen“ und die Lektüre soll auch mehr Vergrügen als Qual bereiten. Aber es wird dennoch immer im Hintergrund stehen, fordernd, hin und wieder schlechtes Gewissen verursachend.

Weshalb tue ich mir das an? Für ein Buch, dessen literarischer Rang umstritten ist; bei dem durchaus die Chance besteht, sich der Erkenntnis stellen zu müssen, dass es nicht gelohnt hat. Das man einem „verhinderten Voksschriftsteller“ (Heißenbüttel) mit elitärer Attitüde aufgesessen ist.

Ich tue es, weil der 16jährige Schüler der ich einmal war in einer nicht mehr existierenden Buchhandlung namens „Minerva“ auf ein Fischer Taschenbuch mit dem ansprechenden Titel „Nachrichten von Büchern und Menschen“ stiess, es aufschlug und von einem Text über das Werk des Hamburger Senators Barthold Hinrich Brockes sofort fasziniert war. Ich tue es auch aus Respekt und Verehrung einem Menschen gegenüber, der sein Leben wie kaum ein Zweiter der Literatur widmete, ja opferte. Weil ich hoffe, von so viel literarischer Kenntnis, soviel Hingabe profitieren zu dürfen. Weil ich für die vielen Stunden grossen Vergnügens die ich mit den „kleineren Werken“ des Autors hatte einen Gegendienst erbringen will, dazu beitragen möchte, das ein solch einmaliges Werk weiterlebt durch Menschen die es kennen und vermitteln können. Ich tue es weil ich will, das der 16Jährige der ich einmal war recht bekommt und sich gegen den resignierten Besserwisser zu dem ich geworden bin durchsetzt.

Es wird Zeit mit der Lektüre zu beginnen…..

29 Gedanken zu „Es wird Zeit….. (Blog 331)“

  1. Da wäre ja mal ein Tagebuch (blog?) des Lesens dieses sehr dicken Werkes richtig interessant.
    Ich lese ja gerade „Ein unauffälliger Mann“ (1000 Seiten) und muß es auch gerade mal zurück stellen, man kann es einfach nicht durchlesen, sonst wird’s langweilig.
    Dicke Bücher sind immer eine Herausforderung. Ich gebe zu, auch die „Jahrestage“ bisher noch nicht ganz geschafft zu haben. Hast du die mal gelesen? Ich wohne ja nicht weit von seiner Heimat und sehe es auch ein wenig als Pflichtlektüre an.
    Was ich übrigens jedem Vielleser wärmstens empfehlen würde wäre Kempowskis „Echolot“, wenn wir gerade schon bei Literatur aus MV sind.

    1. Schau her – da stehen sie im Regal:
      http://www.blog.de/media/photo/jahrestage/3471402
      Die Jahrestage habe ich gelesen und ich habe einen Freund der sich damit noch intensiver befasst hat. Ich habe seinerzeit gern im New York der 60er Jahre „mitgelebt“. Die
      Zeit lag ja noch nicht so weit zurück und war mir vertraut.
      Die Handlungsteile die im Mecklenburg zwischen den beiden Weltkriegen spielten mußte ich mir schwerer „erarbeiten“.

          1. Ja, das hab ich auch mal gelesen, wie einsam der gestorben ist. Der hatte irgendwie niemanden mehr zum Schluß. Traurig so was. ANsonsten kenne ich mich aber in seiner Biographie nicht so aus.

  2. Du hast es Dir gut überlegt, und Deine Motive sind stark. Ich vermute, Du bist jemand, der sich da hindurch „arbeitet“. oder kannst Du Dir vorstellen, mittendrin aufzuhören, wenn Dir die Lektüre aus dem einen oder anderen Grund zur Last wird?

    1. Zweimal bin ich bisher an einem Buch gescheitert. Einmal an „Gullivers Reisen“ – da hatte ich zu wenig Hintergrundwissen und zum anderen an „Kleiner Mann was nun ?“ von Hans Fallada. Ich habe es einfach nicht ertragen können – diesen ständigen Abstieg, diese Hoffnungslosigkeit. Dieses Buch erträgt nur, wer es mißversteht.

      1. Ich habe „Kleiner Mann was nun“ vor sehr langer Zeit gelesen. Davon abgesehen, dass Wahrnehmungen und Interpretationen des Inhalts verschieden sind, finde ich nicht, dass man es zwangsläufig miss- oder nicht versteht, wenn man es bis zu Ende liest. Es hat mich sehr berührt, ich war bestürzt und hatte Mitgefühl.

        1. Bei mir war es „Schullektüre“ und eigentlich hätte ich es mir nicht leisten können das Buch nicht zu Ende zu lesen. ich habe es aber wirklich nicht gekonnt. Möglicherweise liegt das Mißverständnis auch auf meiner Seite. Aber das Zadek seinerzeit eine 20er-Jahre-Revue daraus machte erschien mir geradezu blasphemisch.
          Ich habe mich auch gefragt, was aus diesem Johannes Pinneberg in einem realen Leben geworden wäre. Ergebnis: Er hätte sich den Nationalsozialisten zumindest angepaßt und er wäre später im 2. Weltkrieg gefallen. Keine Hoffnung. Nirgends.

          1. Dass Du Dich noch an den Namen erinnerst! Mit dem Namen entsteht vor meinem geistigen Auge die Geschichte. Und es fällt mir auch wieder ein: „Lämmchen“ war seine Frau. Der liebevolle Umgang der beiden, der Zusammenhalt, das war auch ein wesentlicher Aspekt der Geschichte. Das hat schon Hoffnung gemacht. Aber insgesamt war da viel Trauriges und Ausweglosigkeit.
            Vielleicht liest Du es doch noch irgendwann.
            Manchmal liest sich ein Buch Jahre später ganz anders, weil man mit ganz anderen Augen draufschaut.

    1. „Sitara und der Weg dorthin“. Das habe ich aber nicht gelesen, das werde ich auch nicht mehr schaffen. Karl May ist eine Welt für sich und eine faszinierende Gestalt. Ich hätte niemals gedacht, das die fünf Bände „Im Reiche des silbernen Löwen“ die ich als 12jähriger las mir alles wesentliche Wissen über den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten nebenbei vermitteln würde.

    2. Ja, das ist der literarische Katzenkalender. Hab ich schon seit Jahren. Ich mag Katzen. Habe nie eine gekauft aber mir sind immer wieder mal welche zugelaufen die sich dann auch dekorativ und selbstbewußt auf dem Schreibtisch niederließen. Im Moment habe ich leider keine. Wäre auch mit dem Beruf nicht zu vereinbaren. Aber ich werde wieder eine haben……

  3. Während der wiki-Recherche glitt ich von „Zettels Traum“ zu James Joyce zu Ulysses und begriff: ehe ich den versteh, muss ich noch mindestens die Odyssee gelesen haben…
    (Würden Bücher mit Links ausgestattet sein, würde ich wohl nicht ein Buch bis zum Ende lesen können.)

    Vergleicht man die wiki-Beiträge zu „Ulysses“ und „Zettels Traum“, sieht es für Arno Schmidt eher schlecht aus.
    Es ist eine Sache, von Personen/Dingen inspiriert zu werden, jedoch hab ich eine Abneigung gegen zum Beispiel Romane, die „als Antwort auf …“ geschrieben werden.
    Ich wünsche Deinem sechzehnjährigem Alter Ego, dass es zu Recht die Begeisterung über die Jahre am Köcheln gehalten hat.

    Ich tue es weil ich will, das der 16Jährige der ich einmal war recht bekommt und sich gegen den resignierten Besserwisser zu dem ich geworden bin durchsetzt.

    Ach komm, das meinst doch nicht ernst, oder? Zwar empfinde ich solche Koketterie als untypisch für Dich, aber was treibt den quasi-idealistischen Vielwisser, für den ich Dich halte 😉 zu dieser Aussage?

    Und by the way: wann kommt wieder das Sommer-Profilbild im weissen Jackett mit Notenheft?

    1. Siehste! Da ist der Grund, warum ich mit dem BamBam nach Gelsenkirchen fahren muss. Irgendwann. Ein neues Sommer-Ava muss geknipst werden. :))

      Ich hab die Edda gelesen. Bin ich auch stolz drauf. Aber was du da liest, davon hab ich keine Vorstellung. Ich lese auch am liebsten dicke Bücher. Wenn ich in die Buchhandlich gehe, rutschen mir immer die Dicken in die Hände. Aber ich glaub, an deinem tät ich mich verschlucken…

      1. @ icksy:

        Du hast recht. Ulysses geht nicht so richtig ohne die Odyssee. Ich habe sie seinezeit auch noch dazwischen geschoben. War trotz einiger archaischer Grausamkeiten ein zusätzliches Vergnügen.

        Und du hast auch recht damit, das ich den Schluß dieses Eintrages einfach dahergeschrieben und auch nicht mehr gegengelesen habe. Resigniert habe ich nicht, insofern ist der Vorwurf der Koketterie berechtigt (was für mich gaaanz schlimm ist). Ich gelobe Besserung.

        Das ich nun mit der Lektüre beginne hat alledings der 16jährige tatsächlich so geplant. Was mich auch reizt. Dieses Buch dürften nur Wenige (wohl unter 10.000, die erste Auflage betrug 3000 Exemplare, Arno Schmidt selbst schätzte seinerzeit die Zahl der potentiellen Leser auf 300) gelesen habe und vielleicht kann ich ja an dieser Stelle das eine oder andere Schöne aus einem weitgehend unbekannten Land berichten.

        Zum Foto: Das Jakett ist nicht weiß, sondern HELLBLAU. Das Bild ist fast genau 2 Jahre alt und es wird nicht wiederkommen (Bleibt aber noch unter der Rubrik „Profilbilder“ gespeichert.). Mein weblog soll möglichst authentisch sein und deshalb werde ich Frau wirrkopfs Angebot annehmen und ein aktuelles Foto machen lassen. Dieses Blog soll „authentisch“ sein und dazu gehört auch, das ich auf dem Profilbild so aussehe das man mich bei einer Begegnung im „real life“ wieder erkennt.

        Zum Schluss: Weshalb gehst du eigentlich mit meinem „Alter Ego“ so hart ins Gericht ? Liegt es möglicherweise daran, dass du mit der 16Jährigen die du einmal warst Probleme hast die bis in die Gegenwart reichen?

        @ wirrkopf

        Ja das machen wir. Wie sieht es mit Juni und Juli bei dir aus ? Ich ruf in de nächsten Woche mal an. Wir können dann auch über die „Edda“ plaudern.

        1. Bezüglich des Profilbildes muss ich gestehen, dass ich allein aus der Erinnerung heraus geschrieben habe – mir war nicht bewusst, dass Du es noch unter Deinen Bildern gespeichert hast. Und ich halte es genau so: es ist immer in aktuelles Bild meines Motorrades, was online ist. Das Foto ist nicht so einfach zu machen, weil es vor dem Haus der Schwiegereltern ist und ich immer die Gelegenheit nutzen muss, wenn wir „rauf“ reisen.

          Eigentlich war ich etwas fies Arno Schmidt gegenüber, dass ich dein Alter Ego angegriffen habe, war mir nicht bewusst und auch nicht beabsichtigt. Ich bitte um Entschuldigung.

          Ich mit sechzehn? Ganz bestimmt ein Haufen Probleme, aber ob die bis in die Gegenwart reichen? Da muss ich mal drüber nachdenken, danke für den Denkanstoss.

          1. Nein, nicht entschuldigen. Ich habe mich nicht angegriffen gefühlt und jemand der mit zwei nur etwas jüngeren Schwestern groß wurde, ist Schlimmeres gewohnt.

            Das Profilbild mit dem Motorrad kam mir schon gelegentlich etwas „fremd“ vor aber nach dem Motto ‚Du täuscht dich bestimmt‘ bin ich der Sache nicht auf den Grund gegangen.

            Die Profilseite wird häufig vernachlässigt. Ich habe den Eindruck von Manchen wird sie kaum wahrgenommen.

  4. Nachtrag: Ich bin an Hesses „Steppenwolf“ gescheitert. Während alle Welt in den 70ern davon schwärmte, hab ich Anläufe genommen und ihn mit 25, 35, 45 versucht zu lesen. Bin jedes Mal bis etwa Seite 60 gekommen. Es hat sich mir nie erschlossen.

    1. Ein guter Nachtrag: ich muss ihn noch mal lesen – ich kann mich nicht mehr daran erinnern *soifz*

      Andererseits kann ich mich an den Ulysses noch gut erinnern – hat das was zu bedeuten? 😉

      1. Wenn du dich nicht erinnern kannst, spricht das nicht für den Steppenwolf. Herr SP hat sich gerade kürzlich über Seite 60 hinweg bis zum Ende durchgequält und konnte ihm auch nichts abgewinnen. Ulysses hab ich nicht gelesen. Ich stell mir das ziemlich ausufernd und gewöhnungsbedürftig vor. Für sowas bin ich zu alt 😉

  5. das finde ich eine sehr interessante einstellung der literatur gegenüber, von wegen, man muss im richtigen alter sein für bestimmte bücher – und ehre erweisen einem autor gegenüber und ihn weitlerleben lassen durchs lesen. hochachtung. da schneide ich mir eine scheibe von ab. was wäre denn deines erachtens ein buch für die mittvierziger – und für eine frau, also ein buch, das deren erfahrungshorizont mit berücksichtigt (weil darum geht es doch auch, was das alter betrifft)?

      1. da hat sich der mittfünfziger ein paar gute gedanken gemacht, danke, das klingt interessant. vor allem der aspekt des wohl idealisierten „frauenbildes“, er in der inhaltsangabe anklingt. noch hardcover – da warte ich aufs taschenbuch 🙂

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