Antwort auf eine Kritik (Blog 351)

Der Oesi ( www.oesiblog.blog.de ) hat zu meinen letzten Blogeintrag ( http://www.manfredkonradt.de/2009/09/20/sieht-bog-7003138/ ) folgenden Kommentar geschrieben:

„Also Yokohama Bonbons geteilt durch Birkenscheibe ergibt laut Adam Riese einen “so genannten” Verlegenheits Blog Text.

Geht mir übrigens auch oft so. Da weisst du nicht, was du schreiben sollst und fängst halt mit irgend was an. Und dieses irgend was geht dann irgend wie weiter und jetzt die Gleichung: je un zusammen hängender der Text = um so mystischer das Ganze.“

Da in seinem Text und in meiner noch folgenden Antwort eine Problematik angesprochen wird die nicht wenigen Bloggern geläufig sein dürften, also ein „allgemeines“ Interesse vorausgesetzt werden kann mache ich aus Kommentar und Antwort einen eigenen Blogeintrag. Hier meine Antwort:

Lieber Ösi,

dur hast recht. Ich ziehe mir diesen Schuh an, will und kann nicht widersprechen aber ich kann auch keine Besserung geloben. Ich blogge nun seit vier Jahren – im Zeitalter der „Digitalen Revolution“ eine Ewigkeit – und habe – unvermeidlich – einige Erfahrungen mit diesem von mir nach wie vor geliebten Medium „weblog“ gemacht. Die will ich hier wiedergeben:

Es ist in der Regel besser einen „Verlegenheits Blog Text“ als gar keinen Text zu schreiben. Das hat zwei Gründe: Wer ernsthaft bloggt muß „bei der Stange bleiben“ So bereitet es mir Unbehagen, das ich in diesem Jahr bisher nicht mehr als 3-5 Einträge pro Monat schaffe. Das ist aber das Minimum . Weniger kann ich nicht ertragen. Das Zirkuspferd muß traben. Es kommen Zeiten, die einen für diese Leiden entschädigen.

Darüberhinaus habe ich die Erfahrung gemacht, das Einträge mit denen ich mir Mühe gegeben habe, auf die ich stolz war oft eine geringe Resonanz fanden wogegen gerade die Verlegenheitslösungen oft einen erstaunlichen Widerhall fanden. So ist dieser „Verlegenheitsblog“ – wenn ich der Statistik trauen darf – mein bisher meistbeachteter Eintrag:
http://www.manfredkonradt.de/2007/12/18/fragen_die_mich_umtreiben_warum_tragen_f~3462937/

Das bedeutet: Bloggen macht demütig. Ich schreibe um Resonanz zu bekommen und nicht etwa weil ich meine, Grossartiges mitteilen zu können. Bloggen ist kommunizieren. Wäre keine Resonanz da – ich würde damit aufhören. Ich habe mittlerweile gelernt mich über Resonanz zu freuen die eher überraschend kommt.

Es ist auch nicht so, daß ich keine Themen hätte. Mindestens ein Dutzend wunderbarer Texte liegen in meinem Kopf abrufbereit. Aber ich habe unglücklicherweise auch noch diesen Brotjob ( der zu einem nicht unwesentlichen Teil aus dem Verkauf österreichischer Produkte besteht ) den ich brauche um Nahrung, Kleidung und Wohnen zu finanzieren – der ist zeitaufwendig – und so ein Verlegenheitsblog schreibt sich halt auch schneller als etwas Substantielles. So muß die Substanz eben manchmal warten.

Dennoch: Deine Kritik hat Folgen. Allerdings weniger für mich als für dich. Shakespeare (Wer immer er gewesen sein mag ) läßt seine Julias Caesar sagen: “Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein, mit glatten Köpfen und die nachts gut schlafen.“ Er hoffte, diese seien „gemütlich“ und er könne sich unter ihnen sicher fühlen.. Wie das ausging ist bekannt. Deshalb habe ich lieber kritische Männer (und natürlich auch Frauen) in meiner Nähe und deshalb hätte ich dich gerne auf der Liste meiner Blogfreundinnen und -freunde. Dies ist ein Antrag über dessen Annahme ich mich freuen würde.

11 Gedanken zu „Antwort auf eine Kritik (Blog 351)“

  1. Lieber Manfred,

    als Kritik war mein Kommentar gar nicht gedacht sondern eher als Kommentar oder wenn schon Kritik, dann Kritik ausschliesslich im positiven Sinn. (Also bitte keine Besserung geloben, denn dein Beitrag war spitzenmäßig)

    Jetzt muss ich anmerken, dass ich ein Fan des Abstrakten bin. Z.B. in der Malerei, weil eine Landschaft oder ein Stilleben kann ich auch mit der Kamera fotografieren. Im Abstrakten entsteht aber was neues, das es so meist/oft in der freien Natur gar nicht gibt.

    Dein Blog “Was sieht man hier?” hat auch etwas Abstraktes aber darüber hinaus hat er uns nicht nur zum nachdenken sondern auch zum aktiven mitmachen und mitraten angeregt wobei ich dem toll gemachten Foto eine nicht ganz unbedeutende Rolle ein räumen möchte…

    Erstaunlich auch, welche unterschiedliche Reaktionen ein Beitrag hervor rufen kann, die man als Schreiber niemals erwartet hätte. Dann scheint es, als würde eine Billardkugel plötzlich sämtliche physikalischen Gesetze missachten und ihr Eigen Leben führen.

    Zu guter Letzt: dein Antrag zur Blogfreundschaft ehrt mir sehr und ich nehme ihn mit Freuden an. Danke.

    1. Herzich willkommen! Freue mich dein Profilfoto zu sehen.
      Vielleicht habe ich ja auch eine etwas weitgefasste Vorstellung davon was “kritik” ist. Ich ertrag sie aber (in der Regel) auch.
      Tja, obwohl meine Frau ein Kadinsky-Poster mit in die Ehe gebracht hat mußte ich nun doch bei Tante Wiki nachschauen, was man unter “abstrakt” versteht. Mir scheint Abstraktion ist für den “gemeinen Blogger” ein untentbehrliches Hilfsmittel.

      Wir lesen voneinander.

  2. Hallo manulan, ich weiß es zu würdigen, daß überhaupt mal ein Blogger zugibt, worum es ihm geht: um Resonanz. Die meisten behaupten ja: “ich schreibe nur für mich, die Zaheln interessieren mich nicht” usw.

    Das Phänomen, daß man gerade mit Spontan-texten die Aufmerksamkeit erregt und vermeintlich “hochwertige” Texte total verpuffen, kann ich direkt bestätigen. Komisch, aber wahr.

    Und mit einem Job hat das Bloggen so gut wie keine Chance mehr. man unterschätzt eigentlich immer, wieviel Zeit das alles kostet. Ergo sind die meisten Blogger ja auh arbeitslos, selbstständig oder sitzen beruflich immer am PC.

    1. Es gibt anscheinend tatsächlich Blogger die allein für sich schreiben. In den ersten Monaten war ich auch so einer. Im Sommer 2004 las ich – im Zusammenhang mit dem damals gerade beginnenden amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf (der “vor Obama”) von dieser neuen Möglichkeit zu publizieren. Im März 2005 legte ich mein eigenes weblog an (dieses hier), schrieb und erwartete Resonanz, freute mich über Kommentare, dachte aber nicht daran, selber welche zu schreiben. Die Blogsphäre sollte sich an meinen Texten freuen und mich loben. Als mir dann mit der Zeit klar wurde das ich mit einem Riesezeitaufwand kaum Wirkung erzielte kam ich ins Grübeln und begann, das “System” zu begreifen.

      Job und Bloggen – da sprichst du das Thema an, das mich momentan umtreibt. In meiner Branche zieht die Tätigkeit im Herbst traditionell an und fordert mehr Zeit und halt auch Nachdenken. Ich kämpfe aber. Versuche, mit dem Verlassen der Firma die Arbeit aus dem Kopf zu verbannen. Habe mir gerade einen “Stick” angeschafft, um auch auf der Heim- und Hinfahrt lesen und kommentieren zu können. Oder ich nutze – wie in diesem Moment den Umstand – das man mit einem Laptop – wen auch mit Einschränkunken – im Bett arbeiten kann – während die Frau das Frühstück richtet.

      Mal schauen was ich dir jetzt wünsche…
      ah ja!: Entspannende Tage” und “ausreichend Ideen”

  3. netter wortwexxel über deinen “verlegenheitsblog”, den ich nie als solchen empfunden hätte – ein schöner eingefangener moment mit drei dingen, die dich berühren – sehr bloggerecht, finde ich — und mich entzückt die kombination auch ästhetisch! wie ich sehe, hat oesiblog die einladung eingenommen. alles bestens

      1. @ Karin Henjes
        @ stadtpomeranze

        Danke für eure – so empfinde ich es – Ermutigung.
        Mich freut es wenn mir das Gefühl gegeben wird, das ich vielleicht etwas zu selbstkritsch mit den eigenen Texten
        umgehe.

        Habt schöne Feiertage

        Manulan

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