Das Mittwochsbild (7)

Reklame Julia

Keine gute Bildqualität. Im Frühdunkel des Winternachmittags auf einem Bahnsteig des Duisburger Hauptbahnhofs aufgenommen.

Ich habe nur eine vage Vorstellung davon was ein Julia-Roman ist. Ein Titel wie „Die Rache des spanischen Millionärs“ weckt auch kein Verlangen, sich näher mit diesem Genre zu befassen. Obwohl: Ich will die Trivialliteratur nicht verdammen; hat mir doch schon so mancher Kriminalroman in den Schlaf geholfen.

Die Idee auf diese Art und Weise für Bücher zu werben beeindruckt mich. Weshalb denn nicht an einem Ort an dem man nicht selten ungewollt lange verweilt auf einer großen Plakatwand die ersten Seiten eines Romans abbilden und dem Wartenden Gelegenheit geben, sich eine Vorstellung von dem Werk zu verschaffen? Weshalb auf diese Art nicht auch Herta Müllers „Atemschaukel“ bewerben oder ( im konkreten Fall zur Abschreckung ) ein „Sachbuch“ wie Schirrmachers „Payback“ ?

Mit der „Rache des spanischen Millionärs“ habe ich mich leider nicht mehr intensiver auseinandersetzen können. Der Zug war pünktlich.

27 Gedanken zu „Das Mittwochsbild (7)“

    1. An „Die Päpstin“ traue ich mich als Protestant nicht heran. Aber ich nutze die Gelegenheit um eine Geschichte zu erzählen in welcher sowohl ein Papst als auch ein Haustier vorkommen.
      Als der Papst im 16. Jahrhundert die Scheidungen des englichen Königs Heinrich VIII nicht mehr akzeptieren wollte schickte dieser einen Diplomaten zum Papst um eine Lösung zu finden. Dieser konnte auch zunächst die Akzeptanz einer weiteren Scheidung erreichen. Der Papst verlangte jedoch vom englischen Gesandten, das dieser ihm als Zeichen des Respekts den Fuß Küsse. Der Gesandte war dazu bereit und beugte sich. Als der Papst ihm seinen Fuß entgegenstreckte deutete der Hund des Gesandten dies als Angriff auf seinen Herrn und biß in die päpstliche Wade um ihn zu schützen.
      Danach war der Papst nicht mehr kompromissbereit und Heinrich VIII mußte seine eigene Kirche gründen.

  1. Der Zug war pünktlich. Der gute alte Heinrich (Böll) ist ja nicht mehr ganz zeit gemäss und des halb die lese Probe eines Julia Romans. Der Julia ist es ziemlich schnurz piep und egal, wer wann welche Wörter Sätze Zeilen und Seiten an welchen bahn Steigen Stegen und Stiegen auch immer lesen mag, weil die Gute ein gutes Stück, wenn nicht zur ganzen Gänze aus Virtualität be steht, so wie ihr Romeo, pardon, wie ihr Roman, der aus den un Tiefen heutiger computer Ei aus zu fälligen buch Staben und Worten wahl los und hirn rissig zusammen geschustert wurde wie dieser kommen Tar des Ösi.

    1. Ich erinnere mich vor langer Zeit mal eine Anzeige gelesen zu haben in der Verfasser für Trivialromane gesucht wurden.
      Die werden ja meist von mehreren Verfassern in einer Art „Schreibschicht“ verfertigt. ich bedauere bis heute meiner ursprünglichen Intention mich zu bewerben nicht gefolgt zu sein. Wahrscheinlich hätte ich etwas lernen können.

      Respekt übrigens, das dir der eingeschmuggelte Böll-Titel aufgefallen ist. Sieht wirklich so aus fiele er der Vergessenheit anheim. Das ist auch schon anderen aufgefallen:
      http://www.zeit.de/2007/32/Boell?page=all

      1. Die ur sprüngliche Intention ist nicht immer die richtige. Oder doch?

        Wahrscheinlich hat das Wörtchen „…schicht“ ich von deinem vor Haben ab gehalten, viel leicht war’s das ge Fühl, dabei nicht wirklich frei zu sein oder der daraus resultierende zeit Aufwand. Oder eine Mischkulanz aus allem.

    1. Der Gedanke gefällt mir. Da stünde dann etwas: Fortsetzung in Düsseldorf, Bahnsteig 7.
      Denkbar wäre im lokalen Bereich auch eine „literarische Straßenbahn“ die Samstag oder Sonntag wenn die Takte eh länger sind einige Minuten länger an den Haltestellen verweilen könnte. Idealerweise sitzt dann der Autor selber am Ende der Strecke in einem geeigneten Raum (etwa ein über der Innenstadt gelegenes Schloß) und liest aus dem Werk vor; signiert dann vielleicht auch in der Straßenbahn gekaufte Bücher. Weshalb nicht?

  2. ist das nicht son frauen-schmöker seichter natur, der sich in kitschromantik ergiesst, bis es auf den boden tropft? nicht zu vergleichen mit den krimi-schmökern, die du meinst Manulan.

    der absatz muss zurück gegangen sein, wenn sie so eine form von guerilla-marketing betreiben.. *pruuuuuust*

    1. Vielleicht sollten wir uns als Autoren anbieten. Ich denke da an die Geschichte einer Frau die in einer Großstadt lebt, auf eine nicht ungefährliche Art und Weise mit dem Fahrrad fährt und mit dem Traumprinzen zusammenstößt…

      1. Ey! ich glaub, dass ist eine anspielung! 😀

        in deinem kurzen abriss versteckt sich ja ein happy end und von solchen stories lebt die szene ja wirklich, aber dann darf das ganze nicht auf einer wahren geschichte beruhen.. 😉 vielleicht sollten wir in 10 jahren noch mal über das schreiben dieser rührenden kleinen geschichte sprechen. 😉

        ich befürchte fast, die frau aus der grossstadt wird nur eine billige china-kopie ihres traumprinzens treffen.

  3. Hallo Manfred
    Diese Hefte sind doch ein Begriff,habe aber auch noch keine
    gelesen. Meine Muter und unsere Oma haben diese Romane
    mit wachsender Begeisterung verschlungen,der gesamte Freundeskreis der beiden tauschten untereinander die Hefte
    auch mit wachsender Begeisterung.War mir immer ein Rätsel.
    Ein schönes Wochenende euch beiden,wir werden uns so Langsam
    für den Einkauf Rüsten Annegret und Peter kommen heute Abend.
    Viele Grüße und alles Gute
    Angela,Daniel und Theo

    1. Ist doch schön wenn es Ihnen gefallen hat. So ein Roman ist ein bisschen auch eine Droge. Ein eEintauchen in eine Traumwelt. Der 12-Jährige der ich einmal war hat wohl mit einer ähnlichen Begeisterung Karl-May-Bücher gelesen. Ich kann es verstehen.

  4. du armer, man hätte dir doch ein paar minuten lesegenuss gegönnt —- ich muss gestehen, ich hatte als fast-teenager eine phase, da las ich diese romane sehr gerne, wobei ich mich nicht mehr erinnere, was bitte meine quelle war. ich lese aktuelle „trivialliteratur“ immer wieder gerne, sagt sie doch immer auch etwas über unsere gegenwart aus.

    naja, dui sagst es, die atemschaukel hätte wahrscheinlich noch viel schlechtere karten als „julia“ … aber max goldt könnte ich mir da ganz gut vorstellen, z. B.

  5. Ich bin unsicher, ob ich mich jetzt nicht völlig entblösse, aber ich teile Karin Henjes Erfahrung. Meine Mutter war auch in so einem „Tauschring“. Und weil ich mit Begeisterung alles lese, dessen ich habhaft werden kann (mangels Alternativen im Badezimmer habe ich schon Beipackzettel rückwärts gelesen, nur um was zu tun), habe ich also auch dieses rezipiert.
    Vielleicht bin ich deswegen im tiefsten Herzen ein Romantiker und stehe auf schweigsame Männer mit dunkler Aura (dem Rockerpendant zum Spanier, sozusagen)…

      1. @ icksy
        @ Karin_Henjes

        Ich will ja gar nicht lästern. „Unter Trivialliteratur versteht man jene Literatur, die als einfach, für jedermann verständlich und leicht zu erfassen angesehen wird“ weiß Tante wiki zu berichten. Daran ist nichts verwerfliches.
        Trivialliteratur ist aber auch ein bisschen „Droge“. Da wird häufig ein exemplarisches Leben geschildert wie ich es mir zumindest in manchen Momenten erträume. Allerdings bin ich eher anfällig für die männlichen Helden der Kriminalromane.
        Wenn beispielsweise „Spenser“ (einer meiner Lieblingshelden über den ich unbedingt einmal schreiben muß) detailiert schildert wie er einen Bösewicht verprügelt lege ich das Buch danach zur Seite, lösche das Licht und kann gut schlafen. Trivialliteratur ist gutes Sedativum.

        1. das klingt nach einem helden im raymond-chandler-stil —- hab grad mal nachgeschaut, ja, die biographie passt. immerhin hat er den poe-award bekommen, so trivial wie victoria holts romane (die ich aber heute nicht mehr lese!!!!!!)sind sie nicht. also, dein spenser ist dann eher sowas wie hochprozentiger schnaps, während holt eher abgestandener sekt wäre. soso, da liest du von prügeleien und schläfst dann gut —– ich war ehrlich gesagt aber auch sehr beruhigt, als lisbeth salander sich (stieg larsson, du weißt schon) sich an ihrem vormund rächte.

          1. Der Autor ist Literaturwissenschaftler, sah in seinen besten Tagen aber aus wie der „Rausschmeißer“ einer Disco. Es sind eindeutig „Trivialromane“ in denen gängige Klischees bedient werden. Das muß aber so sein. Autoren berichten ja immer wieder das gerade Leser von Trivialromanen kleinste Änderungen (beispielsweise am Charakter der Hauptfigur) sofort registrieren und meist nicht schätzen. Spensers Lebensgefährtin ist Psychologin und er selber kennt sich auch mit Shakespearsonetten aus. Andererseits ist er ein „Mann der Faust“ der „körperbewußt“ agiert. Das macht den Reiz dieser Figur aus.

          2. Ich neige zu Verharmlosungen. Übrigens: Jahrelang habe ich nicht mehr an Spenser gedacht. Erst im Zusammenhang mit dieser Diskussion fiel er mir wieder ein. Bei dieser Gelegenheit hab ich natürlich die gängigen Quellen „angezapft“ und erfahren das der Autor „Robert B. Parker“ vergangenen Monat 77jährig am Schreibtisch sitzend gestorben ist. Beim Verfassen eines neuen Romans natürlich. So einen Tod würde ich mir auch wünschen.

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