Das Mittwochsbild (21)

Kaugummiautomat

Ein Bild des Jammers, dieser Kaugummiautomat. Seit langem scheint sich niemand mehr um ihn gekümmert zu haben. Immerhin wurde er noch auf Euro Münzen umgestellt. Könnte sein das er 2002 zum letzten Mal Aufmerksamkeit erfuhr. Die Kaugummikugel kostet 20 Cent; „Phantastische Ringe“ wären für 50 Cent zu haben – wenn der Mechanismus funktionieren würde. Dies ist aber nicht der Fall. Zwar hat er den sichtbaren Spuren nach zu schließen etliche Attacken überstanden ohne seinen Inhalt preis zu geben aber legal durch den Einwurf von Münzen ist nun auch nichts mehr zu machen.

Automaten begegnen uns heute überall: Im Parkhaus, in der Bankfilliale, auf Bahnsteigen. Man nimmt sie kaum noch bewußt wahr. Dabei waren Sie einmal Vorboten der Moderne, konkret: Der Automatisierung. In ihrer Anfangszeit gab es die üblichen
Übertreibungen. Das Blumengeschäft in der Innenstadt gab den Versuch in Cellophanhüllen verpakte Sträuße per Automat zu verkaufen jedenfalls bald wieder auf.

In dem niederrheinsichen Dorf in dem meine Mutter groß geworden
war machte der erste Zigarettenautomat Furore, gefüllt mit den
Marken Güldenring, Eckstein, Overstolz, Juno, HB und Ernte 23.
LiebhaberInnen von Doris Day Filmen werden sich erinnern, das in „Ein Hauch von Nerz“ ein Automatenrestaurant eine wichtige Rolle spielte.

Als Kind faszinierte mich besonders ein Automat in den Niederlanden der Fritten und Kroketten vorrätig hielt – auch diese Variante schein sich nicht durchgesetzt zu haben. Meine Aufmerksamkeit galt auch dem Pez-Automaten: http://tinyurl.com/32fkkpv
und natürlich dem auf den Photo abgebildeten Kaugummiautomaten. Ihm gilt mein Mitgefühl und ich erweise ihm deshalb die Ehre ihn als Allegorie auf mein Leben zu betrachten: Da galt es Angriffe zu überstehen, Verletzungen zu ertragen aber letztlich habe ich die substantiellen Dinge bis heute bewahrt und sie mir nicht nehmen lassen und so bin ich – wie dieser Automat – zwar ein Gezeichneter aber trotz allem noch erkennbar. Ich glaube (fürchte, hoffe) eine wesentlich bessere Lebensbilanz ist nicht erreichbar. Wie das gemeint ist? Positiv natürlich – und optimistisch…

32 Gedanken zu „Das Mittwochsbild (21)“

  1. Ich finde sie auch sehr faszinierend, die Kaugummiautomaten.
    Den Unterschied zwischen deinem und meinem Lebensumfeld kann man vielleicht an diesem Exemplar in einem mecklenburgischen Dörflein, unweit meines eigenen, bestens erkennen.
    Kaugummiautomat 2
    Kaugummiautomat
    Die Allegorie gefällt mir.

  2. Jo, ürgend wie traurig, der zu Stand des auto Maten. Wir dürfen hier nicht den Fehler be gehen, uns mit dieser blech kräh Arthur zu ver gleichen. Früher hatte ich mal einen Pez Spender mit Donald Duck Kopf. Wo ist das Ding bloß hin? Dieser, dein ar Tikel be drückt mich. Warum das so ist, weiss ich nicht. Des 1/2 geh‘ ich besser mal nach draussen …

    1. Genau so einen Pez-Spender hatte ich auch und auch er ist irgendwann abhanden gekommen. Das Schicksal vieler Spielzeuge.

      Das dich dieser Text bedrückt tut mir leid. Die „Allegorie“ ist natürlich auch ein wenig ironisch gemeint aber wir beseelen auch die leblosen Dinge mit denen wir Umgang haben, Plüschtiere zum Beispiel. Weshalb soll das nicht auch für einen Automaten gelten?

      1. Danke für die an Teil nahme. Es geht schon wieder. Viel leicht liegt es auch daran, dass mir auto Maten (abgesehen von den modernen park schein und u-bahn Dingern) immer etwas unheimlich waren. Zu erst die Angst, er könnte mein Geld ohne gegen Leistung ein behalten und dann die Furcht, eine mechanische fehl Funktion könne meine Finger ab bzw ein klemmen. Also, gewisser massen Furcht und ehr Furcht vor der Technik. Des 1/2 hab ich auch nie diese Gummi über Streifer aus dem auto Maten ge zogen, aber ich denke, dass geht jetzt zu weit …

          1. Alle 8 Tung: du er weist dich als wahrer Ösi Spezi Alist.

            Nun, wir sind ein relativ kleines Land und des 1/2 be schäftigen wir uns mit relativ kleinen pro Blemen, für die ein grösseres Land im all täglichen Tohu Wa Bohu keine Zeit mehr findet.

            Und so haben wir schon immer Lösungen für be stimmte sit Uationen geh schaffen, für die es noch gar kein pro Blem gibt.

  3. Ach was, HB!!! F 6! Cabinet! Hüstel!

    (… ich weiß, ich weiß – ich war schon besser… angefangen hat damals alles mit „DS“… – „Durres Spezial“… für zwei komma fuffzich Mark Alu-Chip… so mit 12…)

    So lange noch Leute so nette Artikel über solche Ikonen des Alltags schreiben, sind die auch nicht vergessen!!!

      1. Irgendwie ist ja Bloggen doch gut – zum Beispiel, weil es Einen immer wieder aus der Miesepetrigkeit holt; die Frage nämlich, wo der Tabak herkam, hat mich nicht nur wieder Grienen machen: ich fürchte vielmehr, eine weitere Frage könnte nicht völlig unangebracht sein, nämlich die, ob es sich bei der Füllung der genannten Lust-Stäbchen überhaupt immer ausschließlich um Tabak handelte… Chch. Da waren oft so Ästchen drin – und manchmal haben sich die Lullen quasi von selbst weg geraucht…

        Auf die Gefahr hin, der Dinostalgie zu frönen, muss ich aber sagen, dass ich „Cabinet“ und „Club“ immer ganz gern gequalmt habe…

        Die Tabakmoschee kenne ich nur vom flüchtig drüber lesen – ich finde die aber voll cool…

          1. Ha – jetzt geht die Kommentar-Funktion wieder – gestern ging sie nicht… Bei mir. Bei blog.de hasst mich jemand!

            Jetzt habe ich aber vergessen, was ich gestern „sagen“ wollte… – Das Alter ist furchtbar, aber das sagte ich, glaube ich, auch schon…

            Taback??? Habe ich schon wieder was verpasst???

  4. Nach der Wende schossen diese Automaten bei uns wie Pilze aus dem Boden. Fast an jeder Ecke konnten Kinder ihr Taschengeld für die bunten Spielsachen und Kaugummis ausgeben.

    Inzwischen muß man die Automaten suchen. Ich weiß gar nicht, wann ich den letzten hier mal gesehen habe. Müßte man beim nächsten Spaziergang direkt mal drauf achten…

      1. Möglicherweise ist es bereits vertont worden. Der große „Weimaraner“ hat ja einige Musiker inspiriert. Zelter, Schubert und Hugo Wolf fallen mir spontan ein. Aber ich weiß zuwenig über das klassische und romantische Lied.

        Es freut mich das du einen etwas zerknitterten Manulan zu schätzen weist. Man lebt mit seinen „Prägungen“. Einige Stirnfalten habe ich nach ihren Verursachern benannt.

  5. ein nettes innehalten, dein mittwochsbild. Stell dir vor, wir hatten sogar einmal einen Pommes-Frites-Automaten gleich bei uns um die ecke —- ja, da ist heute nur noch schmunzeln angesagt 😉

    zu deiner letzten nachdenklichen passage fiel mir gleich ein satz aus einem portrait über die Gponcourt-Preisträgerin Marie Ndiaye ein, das ich gestern las — sie glaubt, dass der innere kern eines menschen unzerstörbar ist, egal, was passiert — unzerstörbar wie ein kaugummiautomat?

    1. Ja, wenn auch etwas zaghaft. Ich verute dieser Automat gehörte ursprünglich zu der Lotto-Annahmestelle die es hier einmal gegeben hat und ist einfach vergessen worden.

          1. aber der Automat ist noch gefüllt? wer weiß wie alt das Zeuchs da drin ist. Gekaut hätteste den nicht mehr, wäre da son Gummi raus gekommen, nee? :))

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