Stuttgart 21 (Blog 384)

Das ist schon eigenartig. Plötzlich werden die Schwaben wild. Aus der Sicht des neutralen aber interessierten Beobachters scheinen mir die Argumente der Befürworter stichhaltiger zu sein: http://tinyurl.com/33e7vk8

Wo liegt der Grund für diesen emotionalen Ausbruch einer eher biederen Volksgruppe?
Ich habe da einen Verdacht: Als ich in den Nachrichtensendungen der Fernsehens die Bilder des Bahnhofs sah wurde ich unruhig. Das Gebäude kam mir bekannt vor. Es dauerte eine Zeit bis die Erinnerung zurück kam. Diesen Bahnhof gab es vor langer Zeit einmal als Zubehör zur Märklin Modellbahn: http://tinyurl.com/34dcozc und ich habe als Kind mit diesem Bahnhof gespielt.

Der Hintergrund: Mein Vater hatte in den 30er-Jahren eine Märklin Bahn. Die ging in den Kriegswirren verloren. Der Bahnhof aber blieb erhalten. Er diente mir als eine Art „Fort“ das ich mit Cowboy- und Indianerfiguren bevölkerte die imaginäre Kämpfe austrugen.

Und ich vermute das – wenn es dieser Bahnhof bis in kleinbürgerliche Familien des Ruhrgebiets hinein geschafft hat wird er in Schwaben erst recht verbreitet gewesen sein und so mancher der dort heute auf die Barrikaden steigt kennt ihn auch als Spielzeug und
sieht die Pläne die einen Teilabriß vorsehen auch als Angriff auf die eigene Identität.

Mir wäre es auch lieb, wenn schonender mit ihm umgegangen würde.

Noch einmal: Loveparade (Blog 383)

Über die Loveparade in Duisburg und die damit verbundenen Geschehnisse ist in den vergangenen Wochen viel gesagt und geschrieben worden. Sicher haben die von Augenzeugen ins Netz gestellten Videos verhindert das den Opfern voreilig eine Mitschuld zugewiesen werden konnte. Versuche dahingehend gab es ja schon am Tag des Geschehens. Oberbürgermeister Sauerland sprach ohne nähere Kenntniss der Umstände von „individuellen Schwächen“ als Ursache.

Ich will heute auf einen eher unbedeutenden aber bezeichnenden Nebenaspekt eingehen: Der Plakatierung des Duisburger Hauptbahnhofes und seines Umfeldes durch den Veranstalter.

Es begann mit diesem Plakat das die Besucher – soweit sie mit dem Zug eintrafen – vor der Veranstaltung unübersehbar empfing:

loveparade 1

Mir fiel gleich die fragwürdige Formulierung „Loveparade dankt McFit“ auf. Ein Dank im voraus? Wofür? Und wer dankt hier wem? Da die Rechte an der Loveparade von McFit erworben wurden dankt hier entweder der Veranstalter letztlich sich selbst (Was Psychologen tief blicken ließe) oder aber man geht ohne Nachfrage oder andere Legitimation davon aus, das die Teilnehmer den Wunsch hätten dem Veranstalter zu danken. Angesichts der späteren Ereignisse wirkt ein solcher „Dank“ im nachhinein höhnisch und selbstgefällig.

Es dauerte dennoch drei Tage bis die Plakate durch dieses hier ersetzt wurden:

Loveparade 2

Da heißt es: „Wir sind zutiefst erschüttert. Wir trauern mit den Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit medizinisch versorgt werden. Seit dem 24. Juli ist nichts mehr, wie es war.“

Ein „Meisterstück“ der Formulierkunst! Trauer ausdrücken ohne auch nur die leiseste Andeutung eigener Verantwortlichkeit durchscheinen zu lassen – das ist nicht einfach.Da sind die Worte sehr sorgfältig und gewiss nicht unter emotionalem Einfluß gewählt worden.

Ein Fehler wurde aber doch gemacht: Man ließ zuviel Weißraum und das führte dazu das die Menschen diese freie Fläche nutzten um ihre Meinung sowohl über den kommerzielle Veransntalter als auch über die politisch Verantwortlichen teilweise drastisch zu äußern. Die Duisburger wollen nicht das die Ereignisse totgeschwiegen werden. Das ist nun die unbeabsichtigte Botschaft dieser Plakatierung:

Loveparade 3

Loveparade 4
Loveparade 5
Loveparade 6

An education (Blog 382)

Wie bereits im April erwähnt ( http://tinyurl.com/3yswgvn ) helfe ich bei der Etablierung des kommunalen Kinos im Süden unserer Stadt mit. Nachdem ein gemeinsam benutzbarer Terminkalender und eine Kommunikationsbasis eingerichtet sind bleibt mir im Moment nur der Kartenverkauf (Irgendwann lande ich immmer beim „Verkauf“). Die Filme schaue ich mir ebenfalls an. Manch sehenswerter ist dabei der seinen Weg in die Provinz mit Verspätung findet.

So auch „An education“ dessen Kinostart schon einige Monate zurückliegt. Er handelt von einem klugen Mädchen das die Chance hat in Oxford zu studieren, das sich danach sehnt der kleinbürgerlichen Welt der Eltern zu entfliehen und sich in einen fast dopelt so alten Mann verliebt der ihr ein faszinierendes Leben bieten zu können scheint. Er macht ihr einen Heiratsantrag, sie gibt die Schule auf…..

Der Film zeigt exemplarisch, das „erwachsen werden“ im wesentlichen aus dem Verarbeiten großer Enttäuschungen besteht. Man hat sich verloren, weiß es und geht trotzdem nicht zugrunde; kann es schließlich auch akzeptieren und Distanz zu den Geschehnissen gewinnen. Danach ist man nicht glücklicher aber besser gegen späteres Unglück gewappnet.

Hier geht es zum Trailer: http://tinyurl.com/365p4gv und wer den schönen Bildern nicht traut kann sich bei Tante wiki kundig machen die den Film auch kennt: http://tinyurl.com/36favur Aber vielleicht sollte man damit warten bis man ihn gesehen hat denn wie immer weiß sie viel und verrät zuviel vorab.

Sonst noch was berichtenswertes? Es ist auch ein „Kostümfilm“ mit jeder Menge sehenswerten Kleidungsstücken für beiderlei Geschlecht sowie allerlei zeitgenössischen motorisierten Fahrzeugen und hörenswerter Musik: http://tinyurl.com/377upa8 . Ich habe es nicht bedauert ihm 95 Minuten Lebenszeit geopfert zu haben.