Das Mittwochsbild (43)

2011-01-29 11.23.29

Dieser Grabstein gefällt mir. Er enthält eine geometrische Figur, meine Lieblingsfarbe grün und außerdem reflektiert er das Sonnenlicht. Darunter ließe es sich gut liegen.

35 Gedanken zu „Das Mittwochsbild (43)“

    1. Nein, auf keinen Fall. Ich erfülle einen Vertrag.
      Als ich 13 Jahre alt war wurde mir zum ersten Mal bewußt das mein Leben irgendwann enden würde – auch eine Folge des erwachsen werdens. Das führte zu Angstzuständen und Magengeschwüren. Ich habe mir damit geholfen das ich mir den Tod als Dialogpartner vorstellte. Ich stellte mir vor das der Tod einsam und unglücklich sei weil niemand etwas mit ihm zu tuen haben wollte, weil er ignoriert- und in die Sterbezimmer verbannt wurde. Ich stellte mir auch vor das er sich rächen würde. Ich habe ihm dann folgendes vorgeschlagen: Er gibt mir die Zeit die ich brauche und macht es mir leicht, wenn es soweit ist das ich ihm folgen muß und im Gegenzug widme ich ihm Zeit und weiche nicht aus, wenn er mir begegnet. Hin und wieder schreibe ich auch etwas das zeigt, das er mir vertraut ist.
      Er hat sich nicht verbindlich geäußert aber es sieht so aus als sei er einverstanden. Ich habe schon lange keine Angst mehr, habe seinerzeit neben meinem sterbenden Grossvater geschlafen und habe eine Freundin begleitet, die an Magenkrebs erkrankt war. Ich kann mit dem Sterben leben, kann die Schönheit eines Grabsteines würdigen und
      ein Bild das diese Freundin, die in dem Alter starb in dem ich heute bin hängt in meinem Zimmer.

      1. Ich liebe diesen Kommentar. 😉

        Ich habe meine Eltern in den Tod begleitet, er ist mir also nicht fremd und ich habe keine Angst vor ihm.
        Ab und zu rede ich mit ihm, wie du es tust.
        Manchmal habe ich das Gefühl, er lässt mich sehr, sehr alt werden … mal schaun was kommt.

  1. Hmmm … würde sagen, es ist die Miniaturausgabe von einem Pharaonengrab. Der schimmelgrüne Aufsatz, der exakt zur Sommersonnenwende zum Sternbild Orion ausgerichtet ist, soll dem Verblichenen transzentale Ausflüge retour zur Erde gestatten.

    1. Der Orion ist zur Zeit der Sommersonnenwende nicht sichtbar. Die Ausrichtung müsste durch die Erde hindurch gedacht werden aber gut – das passt ja.
      Trotzdem mag ich dieses Grab. Jedenfalls lieber als diesen Ort an dem einige Ösis ihre letzte Ruhe gefunden haben:
      http://tinyurl.com/6ephnel

      1. Das hab ich jetzt davon. Leichtfertig über Orion dahin geplappert, obwohl ich wissen musste, dass du weisst … na ja.

        Die Kapuzinergruft ist auch nicht meins. Alt, verstaubt und so wie’s aussieht ohne Tageslicht. Aber den Herrschaften ist es anscheinend ganz recht. 2008 mit Carl Ludwig Habsburg-Lothringen die vorerst letzte Beisetzung. Da schau her, so lebendig wie in dieser Gruft, geht’s nicht überall in Wien zu.

        1. Während meine Schulfreunde seinerzeit von ihrem Konfirmationsgeld ein MOFA kauften investierte der 14jährige der ich damals war in ein astronomisches Fernrohr.

          Der Orion war eines meiner Lieblingsobjekte. Die arabischen Namen der Hauptsterne (Beteigeuze, Rigel), der Gürtel, das Schwertgehänge mit dem Nebel – ist schon ein imposanter Bursche, der grosse Jäger

          Die Habsburger haben einen morbiden Charme. Der wohl noch lebende Karl von Habsburg-Lothringen hat seiner späteren Frau an diesem Ort einen Heiratsantrag gemacht. Dessen Wortlaut: „Wie würde es dir gefallen, hier einmal begraben zu sein?“

          1. Meine Kenntnisse sind da viel bescheidener. Ich hatte mich darauf spezialisiert, den großen Wagen zu erkennen. Früher hat das ja ausgereicht, um die Damenwelt bei einem nächtlichen Spaziergang zu beeindrucken ….

          2. Da sind meine Erfahrungen leider andere. Trotz passabler Kenntnis des Sternenhimmels und häufiger Versuche Frauen damit zu beeindrucken (nebst vorsichtiger Umfassung der zu Unterrichtenden und zärtlichen verrücken des Kopfes in die richtige Blickrichtung) traf ich immer nur auf Desinteresse. So richtig habe ich das nie verwunden.

          3. Vielleicht lag’s daran, dass du einfach zu viel wusstest. Die einen Damen überfordert das, den anderen erscheinst du damit als besser wisserischer Angeber.

            Vielleicht hättest du ihnen, so wie ich, einfach nur den gossen Wagen zeigen sollen. Weibliche Geschöpfe assoziieren ihn sofort mit einer romatisch-kuscheligen Autofahrt auf dem Heimweg …

      1. Sag mal – mir ist gerade dein Spruch noch einmal bewusst ins Auge gestochen: „Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein“ der ist sehr schön und sinnig, nur – mal ganz doof gefragt – was ist nochmal „F. von G.“???

        1. (G)oethe läßt das den (F)aust in der zweiten Studierzimmerszene des 1. Teils sagen. Faust hat
          gerade die „midlife crisis“, ist unzufrieden, sieht
          keine Perspektive mehr.
          In dieser Stimmung sagt man so was.
          Mephisto macht ihm daraufhin ein Angebot…

        1. So ein Grabstein verrät vieles. Die Frau ist 1933 geboren worden. Ihr Vorname lautete „Elfryde“. Das war auch damals schon eine altertümliche Schreibweise. Die Eltern waren also sehr konserativ. Ich schätze eher kleinbürgerliches Millieu. Sie hat in Kindheit und früher Jugend den Krieg erlebt. In meinem Geburtstjahr (1953) war sie 20 Jahre alt.
          Die Zeitspanne Mitte der 50er bis Anfang der 60er Jahre war eine Zeit des wachsenden Wohlstandes in der man für die Moderne aufgeschlossen war. Dies und ein generationsspezifischer Widerstand gegen die Werte der Eltern deuten darauf hin, dass sie diesen Stein selber ausgewählt hat. Sie dürfte in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit traditionellen Werten gemacht haben.

        1. Die Friedhofsordnung setzt enge Grenzen. Mir würde ein aufgeschlagenes Buch gefallen. In Mode sind zur Zeit schlanke Stelen.
          Ein weiterer Trend sind Püschtiere(!)und Kunststoffengel als Grabbeigaben. Die sind zwar meist verboten, werden aber immer häufiger von den Verwaltungen toleriert.

  2. Gruß vom FRIEDHOF …

    Trauer IV

    … mir gefiel dieser Stein anlässlich unseres Friedhofsspazierganges am Totensonntag …
    Nur darunterliegen möchte ich derzeit noch nicht …

    Lebensbejahender Gruß … von … PachT

  3. Darunter ließe es sich gut liegen„… (?)… Wie meinst’n ditte?

    … erinnert mich bisschen an die Grabsteine in „Firefly“…

    (… ich möchte auf meinem Grab eine Schwelle mit der Inschrift „Er hat es immer wieder versucht“…)

  4. oh ja, ich bin ganz deiner meinung, er hat etwas sehr freundliches, helles, dieser grabstein mit dem grünen stein. udn so ein ganz besonders schönes grün. was sind das für ablagerungen in dem grünen? oder sind das nur die blumen dahinter? also, so einen fände ich auch schön … ich finde es aber auch sehr sensibel, dass du den namen rausgemacht hast

    1. Es wird auf diesem Foto nicht so deutlich. Der „Stein“ ist farbiges Glas und kann geöffnet und als Lampe verwandt werden. Die „Ablagerungen “ sind Herbstlaub das sich darin wohl verfangen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*