Das Mittwochsbild (59) NF21

Champagnerkorken

Dies sind verspätete Neujahrswünsche an euch alle. Ich bin aus dem Krankenhaus zurück. Die kleine Operation ist – soweit ich das beurteilen kann – erfolgreich verlaufen. Ich kann mich zumindest in der Wohnung mühelos und schmerzfrei bewegen.

Vergangenen Dienstag fuhr meine Frau mit mir zum Krankenhaus. Ich konnte nicht mehr schmerzfrei gehen und kaum noch sitzen. Um die Vorverlegung der Operation musste ich trotzdem kämpfen aber da Tante wiki bei einem Leistenbruch eine rasche Operation empfiehlt blieb ich hartnäckig. Der Arzt – es war derselbe der mit dem ich einige Tage zuvor gesprochen hatte erklärte sich schließlich bereit die Operation auf den
30. Dezember vor zu verlegen. Wie bei der Besprechung zuvor hatte er einige Fragen und erst als er erneut begehrte, eine ältere Operationsnarbe im Bauchbereich zu sehen erkannte er mich wieder (“Ach ja, Sie sind das”). Ich war beeindruckt.

Drei Tage verbrachte ich überwiegend liegend zu Hause. Am Freitag um 7.00 Uhr erschien ich nüchtern auf der Station. Gegen 11.30 erwachte ich wieder. Die Operation war minimalinvasiv erfolgt.

So kam es das ich den Silvesterabend zusammen mit einem älteren Herrn der das neue Jahr mit alkoholfreiem Sekt begrüsste im Krankenhauszimmer verbrachte. Der Anblick des Feuerwerks – man hatte sowohl die Gelsenkirchener als auch die Essener Innenstadt vom dem 6. Stock aus im Blickfeld – entschädigte allerdings ein wenig für die einsamen Stunden.

Digitales Equipment hatte ich bewußt nicht mit ins Krankenhaus genommen. Dieser Text wurde überwiegend mit dem Bleistift vorgeschrieben. Ich wollte diese Tage bewusst zum Nachdenken nutzten. Wie gesagt – es war keine schwere Krankheit – dennoch empfand ich sie als “Memento Mori”.

Zweierlei ist dabei herausgekommen: Zum einen wurde mir klar das – sollte ich unverhofft sterben – meine Frau Schwierigkeitenh aben würde mit allen Verträgen und Versicherungen klar zu kommen. Ich werde dies alles neu ordnen, erläuterndes schreiben, versuchen, alles algorithmisch aufzubauen. Anders gesagt: Ich schreibe ein neues Programm das eine leichtere Organisation meines Ablebens möglich macht.

Zum anderen musste ich beim Anblick meines aus einem Kunststoffbecher alkoholfreien Sekt trinkenden Zimmergenossen an die letzten Worte des Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes denken: “Ich hätte mehr Champagner trinken sollen”.
Er starb 62jährig, zermürbt von jahrelangen Verhandlungen bei denen es um die Gestaltung der Weltwirtschaftsordnung nach dem 2. Weltkrieg ging.

Ich rate euch allen: Trinkt mehr Champagner! Das soll heißen: Widmet euch mehr und intensiver dem, was euch wirklich wichtig ist: Schreibt weblogs, besucht Freunde, heiratet endlich,nehmt an Kursen teil, versöhnt euch, schiebt nichts auf! Der Sensenmann kann ein tückischer Bursche sein.

Genug davon! Ich danke allen die einen Kommentar zu meinem letzten Eintrag geschrieben haben. Ich bin wieder da.

Mehr zum Thema: http://de.wikipedia.org/wiki/Leistenbruch
http://de.wikipedia.org/wiki/Memento_mori
http://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes

23 Gedanken zu „Das Mittwochsbild (59) NF21“

  1. Sehr guter Text. Da sieht man mal wieder:
    Friseure erkennen Menschen an der Frisur, Zahnärzte an den Zähnen, Hundehalter an den Hunden und „Metzger“ an den hinterlassenen Narben. *lol*

    Schön, dass du wieder da bist. 🙂

      1. Du hättest uns sehen sollen, eben um ca. 9 Uhr. Er meldete ganz, ganz dringend rauszumüssen. Hab ich mich wasserdicht angezogen und dann wusste er draußen nicht, wo er pinkeln sollte. Es stürmte, hagelte und schüttete nur so das Wasser auf ihn herunter. Hat er das schnell unter einem Baum erledigt und dann wieder rein. :))

          1. Rubbeln mag er gerne. Und das Frauchen regt sich über Feuchtigkeit nicht mehr auf. Das Hundi trocknet auch schnell. Nicht wie andere, die dann stundenlang mit nassem Fell liegen und müffeln. Sand ist unangenehmer.

  2. Herrlich, das Foto und erst dein „Mach es jetzt!“-Appell. Mein liebster Spruch ist der von Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ und passt wunderbar zu deinem Aufruf.
    In diesem Sinne welcome back und auf ein gutes Neues!

        1. Hier ist es sogar sonnig. Das zweite Tief hintereinander bei dem vorher unnötig Panik gemacht wird. Wetterbericht als Entertainment hat wohl auch seine Nachte

  3. Wenn man zur Ruhe kommt macht man sich über Dinge Gedanken die man sonst verdrängt. Oftmals bleibt es aber bei den guten Vorsätzen. Mein Vater hat immer gesagt „Lebe hier und heute sonst lebst Du nie“. Der Satz ist wirklich gut, doch oftmals genießt man nicht den Augenblick, weil man schon wieder an Morgen denkt. LG. Remo

          1. Das läuft ja immer. Wenn ich darüber nachdenke: Es hat wohl seit Jahrzehnten kaum einen Tag gegeben an dem ich nicht gelesen hätte…..

  4. „… eine leichtere Organisation meines Ablebens möglich macht“

    ogott … Manulan … das klingt ja erschreckend!
    Aber die lästignotwendigen Lebensdinge ordnen, ist immer ein guter Vorsatz! 🙂

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