Sonntagnachmittag NF 38

Spät aufgestanden
Prokastiniert
Viel Tee getrunken
Dann doch den Brief geschrieben
der lange fällig war.

Danach zum Friedhof
Die Gräber der Grosseltern
und Eltern
vom Laub befreit

Weiter zum Grab der Schwester
die mir fehlt
Nicht die Zwanzigjährige
die lange tot ist
sondern die Mittfünfzigerin
die sie nicht werden durfte

Wie es wohl wäre
säße sie mit mir hier
auf dieser Friedhofsbank?

17 Gedanken zu „Sonntagnachmittag NF 38“

    1. Ich stelle mir vor sie hätte weitergelebt und wir würden gemeinsam die Gräber der Eltern besuchen. Je länger ihr Tod zurück liegt, desto häufiger versuche ich mir vorzustellen wie ihr Leben verlaufen wäre. Hätte sie Kinder gehabt? Hätte sie sich scheiden lassen? Wäre sie fortgezogen? Es ist nach so langer Zeit nicht so das ich emotional ergriffen bin. Diese Gedanken helfen mir und ich stelle mir vor sie ist für mich unzugänglich noch da, weiß mehr als ich und lächelt.

      1. Ja, so ähnlich geht mir das mit meinen Hunden und mit meinem Vater. Die Hunde „treffe“ ich oft unterwegs und sie laufen ein Stück mit uns. Für mich sind sie Schutzengelhunde für BamBam.

        Und mein Vater… zu ihm hatte ich ja nie ein gutes Verhältnis. Aber ich denke mir, dass er inzwischen gemerkt hat, dass seine Tochter auch was taugt und dass er schon mal an meinem Schicksal „dreht“. :))

  1. Ich habe das Gedicht oder Notat jetzt über Wochen paar Mal gelesen (keineswegs ist mein Geltungsdrang derart rasend, dass ich immer und überall meinen Senf abdrücken muss) – die zweite Hälfte hat was… wieder einmal habe ich gefragt, was besser wäre, „so was“ oder gar keine Kontakte mehr mit der Mischpoche… und ich musste heute, als ich die Zeilen oben las, an diesen Film denken… ist nur so ’ne Assoziation…

      1. Das wird immer mehr Thema – soll man sagen: zum Glück? Das wird noch was mit den massenhaften Alten, die „was nachholen“ wollen (ohne je was von Ammon gehört zu haben). ich sachs Dir…

        Kommunales Kino“ ist cool…

          1. Erstens ist das nicht mein Ammon, zweitens ist das Schnee von vorgestern, drittens will ich die Züchos nicht schon wieder verteidigen, viertens ist das wieder ein Beispiel dafür, dass professionelle Journalisten, milde formuliert, manchmal nicht sauber recherchieren (wirklich sehr milde formuliert, und das sage ich als „Zynist„) und fünftens müsste sich Old Dino nun aber wirklich mal aus dem Dunstkreis der Couch trennen, weil sechstens eh‘ nicht mehr viel zu machen ist, ich bin eben so und basta…

            Ph.

            Holzfreies Sonntägchen (schneefrei is‘ ja wohl nich‘!)

          2. Ist krass! Innerhalb von 48 Stunden 20 Grad runter…

            (… ich bin jetzt doch auch in dem Alter, da man über das Wetter reden können sollen müsste…)

  2. Heute habe ich mir einen freien Nachmittag erkämpft und endlich mal ein wenig gestöbert, gesucht, gelesen und gefunden, dass du das Bloggen auch wieder aufgenommen hast. Bei diesem Text verweile ich nun schon seit einer halben Stunde, habe mitgefühlt, mir meine eigenen Gedanken dazu gemacht und festgestellt, dass sich vieles verändert hat. Auch bei mir gibt es Menschen, die ich noch immer vermisse, über die ich oft nachdenke und mich frage, wie wäre es weitergegangen, wenn sie noch da wären. Glücklicherweise sind meine Geschwister da und das ist für mich besonders wertvoll, denn auf die beiden kann ich immer zählen, ganz egal, welche Lebensstürme gerade toben. Ich kann also sehr gut verstehen, dass du deine Schwester vermisst – auch wenn das ja alles lange her ist.

    Ich freue mich, dich hier wiederzulesen. Es ist schön, dass wir uns nicht aus den Augen verloren haben. Das Bloggen hat sich für mich auch verändert. Vielleicht war ich niemals eine „richtige“ Bloggerin. Ich erzähle Geschichten und die sind ja oft erfunden (mit wahrem Kern, denn ich kann ja nur über das schreiben, was ich kenne oder erlebt habe). Ich habe also verschiene Formen ausprobiert, bin bei wordpress gelandet und meine Geschichten habe ich zu Blogger „umgelagert“. Wahrscheinlich ist das auch noch nicht die richtige Form, ich probiere also weiter. Mein Blog hier werde ich aber immer bestehen lassen, weil es mein allererster Schritt nach draußen war und weil hier die Menschen sind, mit denen ich zuerst Kontakte geknüpft habe.
    Ich werde nun also wieder regelmäßiger hier vorbei schauen und lesen!
    Viele Grüße
    Regina

    1. Du widmest dem Schreiben viel Zeit obwohl du auch einen aufreibenden Job bewältigen musst. Das ist mir nicht fremd. Ich habe das Gefühl du solltest was die literarische „Produktion“ angeht ein wenig kürzer treten – vielleicht auch mal ein wenig spielen. Hast du schon mal an ein Drehbuch gedacht oder ein Theaterstück? Die Prosa verzeiht dir wenn du ihr einmal untreu wirst.

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