Vor 5 Jahren…… 23.07.2015

…..starben 21 Menschen bei der Loveparade in Duisburg. Es ist fraglich, ob es überhaupt zu einem Prozess kommen wird. Nach wie vor will niemand die Verantwortung übernehmen. Zum Jahrestag wird viel über das Geschehene geschrieben und geredet und das ist richtig so. Der 24. Juli war ein Samstag. Am nächsten Tag stellten sich der damalige Oberbürgermeister Sauerland, der Organisator Rainer Schalla, der stellvertretende Polizeipräsident und der Leiter des Krisenstabes den Fragen der Presse. Das Fernsehen übertrug diese Pressekonferenz. Meine damaligen Eindrücke – noch in weitgehender Unkenntnis der tatsächlichen Geschehnisse habe ich in einem Blogeintrag festgehalten.
Da die Verlinkung zum Blogeintrag nicht funktioniert hier noch einmal der Text vom 25.Juli 2010:

LOVEPARADE – PRESSEKONFERENZ IN DUISBURG

Die Geschehnisse während der Loveparade in Duisburg haben mich
erschüttert. Ich arbeite in dieser Stadt, passiere das Gelände jeden Tag mit dem Zug, steige am Hauptbahnhof ein und aus. Schon altersbedingt bin ich kein Raver, es läßt mich trotzdem nicht kalt wenn Menschen, die an einem großartigen Fest teilnehmen wollen stattdessen den Tod finden, zertrampelt oder zerdrückt werden.

Den Eindruck das die Geschehnisse sie emotional berührt hätte vermittelten die Verantwortlichen der Stadt Duisburg auf ihrer Pressekonferenz um 12.00 Uhr nicht. Erschienen waren der Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Rainer Schaller, der Organisator der Loveparade, Wolfgang Rabe, Sicherheitsdezernent und Leiter des Krisenstabes sowie Detlev von Schmeling, stellvertretender Polizeipräsident der Stadt Duisburg.

Besonders Sauerland gab eine schwache Figur ab, bedauerte zwar kurz das „entsetzliche“ „unfaßbare“ Unglück und sprach den Familien sein Beileid aus. Sein vordringliches Anliegen schien jedoch der Apell zu sein „den Behörden Zeit zu lassen“ und vor „vorschnellen Schlüssen“ zu warnen. Wegen der staatanwaltlichen Ermittlungen könne er zu den Ereignissen nichts sagen, dies diene auch dem „Schutze seiner Mitarbeiter“. Natürlich fehlte auch der obligatorische Dank an die Polizei nicht.

Die Fragen der Journalisten: Hat der Leiter der Feuerwehr noch am Morgen der Veranstaltung den Abbruch gefordert, hat die Feuerwehr gar Anzeige erstattet? Hat der Panikforscher Michael Schreckenberg der das Sicherheitkonzept geprüft hatte vor Wochen ein Interview mit der Begründung abgelehnt das Thema sei ihm zu heikel ? Wie groß war der Tunnel eigentlich (100m lang 16m breit ?). Wer war dafür verantwortlich, das die Absperrung des Geländes nicht aufgehoben wurde als sich die Katastrophe abzeichnete?

Und wieviel Menschen waren eigentlich da? Der Veranstalter spricht von 1,4 Millionen. Eine Zahl die der stellvertretende Polizeipräsident ausdrücklich nicht bestätigen will. „Belastbar“ sei nur die Zahl der 105.000 mit der Bundesbahn angereisten Besucher. Weshalb wurde das Gelände wegen Überfüllung gesperrt wenn Luftaufnahmen eindeutig zeigen, das noch Raum genug vorhanden war?

Auf all diese und andere Fragen gab es von den „Verantwortlichen“ keine Antwort – immer mit Hinweis auf die staatanwaltlichen Ermittlungen.

Was ich schlimm fand: Zwar wurde den Familien reichlich und von allen Seiten Beileid ausgesprochen. Den Opfern aber – das hat in Deutschland unselige Tradition – wurde die Verantwortung für ihr Unglück selber angelastet. Schon wenige Stunden nach der Katastrophe sprach Adolf Sauerland allen Ernstes von „individuellen Schwächen“ als Ursache. Von andere Seite hieß es „Einzelne“ hätten sich vordrängen wollen. Der Panikforsche Michael Schreckenberger scheute gestern Abend im WDR-Fernsehen nicht vor der Äußerung: „Es gibt aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln halten“ zurück.

So ist das also: Wunderbare tragfähige Konzepte, „ausgeklügelte“ (Rabe) Systeme, aufopferungsvolle Beamte – alles scheitert am böswilligem Individuum. Stadt, Polizei, Wissenschaft sind da machtlos.Man kann es auch anders sehen: Unfähige Behörden verhöhnen die Opfer.