Das Verschwinden der Tastatur Teil Zwei (4 2014)

 

Auslöser für das allmähliche Verschwinden der Tastatur waren das Ipad und die zahlreichen tablet-PCs in seinem Gefolge. Auf diesen Geräten gibt es zwar optische Nachbildungen von Tastaturen, sie eignen sich jedoch nur für das Schreiben kurzer Texte. Die Bedürfnisse der Menschen die in der Lage sind mit 10 Fingern zu schreiben werden nicht berücksichtigt.

 

In der Steve Jobs Biografie von Walter Isaacson wird im Zusammenhang mit der Einführung des Ipads ein Artikel von Lev Grossman im Time Magazin erwähnt in dem es heißt, das iPad sei zwar „ein entzückendes Gerät um Inhalte zu konsumieren, aber nicht unbedingt dazu geeignet, deren Erstellung zu vereinfachen“- was noch zurückhaltend formuliert ist.

 

Ähnlich sieht das die ehemalige Geschäftsführerin der Wikimedia

Foundation Sue Gardner. In einem Interview mit dem sz-magazin sagt sie: „Tablets wie das iPad sind Geräte ohne Tastatur, man kann mit ihnen wunderbar Videos gucken, aber nur schwer längere Texte schreiben. Sie sind für das Konsumieren optimiert, nicht für das Produzieren“ , und auf die Frage: Sie sind umzingelt von Google, Amazon und eBay. Wird das Intenet zur Shopping Mall? antwortet sie:

 

Ich denke schon. Ich habe nichts gegen diese Seiten…aber ihr vordringliches Ziel ist nun mal, Geld zu verdienen…Ihre Dominanz hat in meinen Augen dazu geführt, dass das Ökosystem des Internets aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und noch eine Entwicklung die damit zusammenhängt stört mich: Das Großartige am Internet war doch mal , das es den Leuten die grenzenlose Möglichkeit gibt, selber Inhalte zu produzieren, Blogs sind dafür nur ein Beispiel. Heute nutzen die Leute jedoch am liebsten Seiten die ihre Ausdrucksmöglichkeiten beschneiden… Dort können sie den „Gefällt mir“ Button klicken oder Inhalte verlinken, aber kaum noch eigene kreieren.“

 

Jetzt kann man natürlich fragen: Was ist so schlimm daran? Es heißt, täglich würde im Internet Text veröffentlicht der demUmfang von 36 Millionen durchschnittlichen Büchern entspricht. Wer soll das lesen? Wieviel davon ist es wohl wert gelesen zu werden? Mit dieser Thematik hat sich kürzlich Max Fellmann in seinem Artikel: „Tipp: Tippen!“ beschäftigt: „Wer im Internet schreibt, erwartet das er wahrgenommen wird“. Blogeinträge „sind immer verbunden mit der Hoffnung auf Echo“ ist seine These. „In all diesen Fällen setzen Menschen sich hin und formulieren ihre Gedanken. Das heißt, sie zwingen sich, das, was Sie sagen wollen präziser zu fassen“. Er zitiert die Psycholinguistin Anke Werani: „Wir sprechen in der Psycholinguistik von Materialisierung. Sprache dient alsMittel der Regulation, der Selbststeuerung. Erst wenn ich einen Gedanken formuliert habe, kann ich darüber nachdenken.“ Daraus folgt: „Sprache dient eben nicht nur der Kommunikation, sondern auch dem Denken. Je mehr sie eingesetzt wird und je mehr auf Qualität geachtet wird, desto besser für die ganze Gesellschaft“.

 

Im Umkehrschluss heißt das: Geräte ohne Tastatur führen zu einer Gesellschaft, die zunehmend stumm wird, die sich nicht weiterentwickelt, sich nicht mehr wehrt, ja – sich oftmals gar nicht mehr wehren kann: Gegen die Potenzierung der Werbung beispielseise oder auch – wie wir erst seit kurzem wissen – gegen die Weitergabe persönlicher Daten an Behörden, an deren Kontrolle Staaten die sich „demokratisch“ nennen offenbar kein Interesse haben.

 

Was kann man tun? Die Antwort lautet: Weitermachen! Weiter schreiben. Um meine Lieblingformulierung zu gebrauchen: „Bei der Stange bleiben“. Wenn ich morgens in den Zügen die verschlafenen Konsumenten mit ihren Fettfingern über den Bildschirm ihrer tablets wischen sehe wird mir deutlich: „Wischtechnik“, das ist allenfalls etwas für Maler; das ist auch eine Kunst – aber eine andere. Wir , die Meisterinnen und Meister des Textes sollten weiter mit der Tastatur arbeiten. Es tut uns gut und macht die Welt ein kleines Stück besser.

 

Verwendete Quellen:

 

Walter Isaacson: Steve Jobs (Biografie) Seite 581

 

Interview mit Sue Gardener:

Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.41 11.Oktober 2013 Seite 28 : „Auf der guten Seite“

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40775

 

Max Fellmann: Tip: Tippen ! :

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40253/Tipp-Tippen