In Köln (Blog 333)

Mußte am Samstag nach Köln – zur Messe – genauer zur INTERZUM (Internationale Zuliefermesse der Möbelindustrie). Dieses Mal gab es nicht viel Neues. Hatte aber nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun. Die gegenwärtig ausgerufenen Trends – Hochglanzoberflächen, ganz weisses Weiss – müssen noch eine zeitlang in Produkte umgesetzt werden damit die Industrie auch etwas davon hat. Erst 2011 laufen dann neue Säue durchs Dorf. Was mich wundert: Alle sind sich sicher, das die Krise im kommenden Jahr zu Ende geht. Das wurde überzeugend aber stets ohne nachvollziehbare Begründung vorgetragen.

Interessanter waren eher die Erlebnisse am Rande. Da gab es zur freien Mitnahme jede Menge Zeitungen auf den Fluren (SZ, FR, Stuttgarter Zeitung, NZZ – sogar der Economist war zu haben).

Ich erfuhr, das es tatsächlich eine Karnevalsmesse gibt:
http://www.interkarneval.de/

und zuletzt begegnete mir noch ein alter Bekannter aus der Kindheit:

12m 1
12m 2
12m 3

Ist dieses “Badewannen-Grün” nicht schön ?

Ich warf noch einen letzten Blick auf Köln

interzum 1_edited

und hatte vor, mich mit meiner Beute zur ausführlichen Lektüre in einen bequemen, mäßig besetzten Zug zurückzuziehen. Aber es sollte anders kommen. Mehr darüber im nächsten Eintrag.

Leben ohne Auto (Blog 295)

 

Im Juni habe ich in Blog 281 verlauten lassen, dass meine Frau und ich versuchen wollten künftig ohne Auto auszukommen. Ich selber habe das meine schon 1994 verkauft, ließ mich aber morgens gern zum Essener Hauptbahnhof mitnehmen und natürlich nutzten wir es gemeinsam wenn es um Einkäufe und Ausflüge ging. Das war nicht mehr möglich nachdem wir unseren 12 Jahre alten Wagen dann tatsächlich nach mehr als 170.000 Kilometern abmeldeten.


Das Experiment verlief von Anfang an nicht durchgängig positiv. Die finanziellen Einsparungen waren für unsere Verhältnisse zwar erheblich; die bisherige Hauptnutzung : Hin- und Rückfahrt zum Arbeitsplatz – ließ sich mühelos organisieren – aber der Teufel steckte im Detail. Einiges hatten wir nicht bedacht:


Beginnen wir damit das ich – von Neigung und Talent her ein Mittelstreckenläufer – nun auf meine alten Tage am frühen Morgen zum Sprinter wurde. Ich stieg eben nicht wie bisher erst in Essen in den Zug ein sondern fuhr in Gelsenkirchen mit der S-Bahn los. Die S-Bahn traf um 6.28 Uhr auf dem Essener Hauptbahnhof ein, der Regionalexpress nach Duisburg startete um 6.32 Uhr in Essen. Dazwischen liegen vier Minuten. Das ist zu schaffen, wenn der Fahrplan exakt eingehalten wird. Aufgrund einer Baustelle im Recklinghauser Raum ist noch für einen längeren Zeitraum aber fast immer mit einigen Minuten Verspätung zu rechnen. Ich musste also darauf hoffen, dass sich auch der Regionalexpress um einige Minuten verspätet. Die Chancen standen 50:50, mal schaffte ich es, mal sah ich nur noch die Schlussleuchten des ausfahrenden Zuges. In beiden Fällen hatte ich zwei mal ca. 50m Sprint auf Bahnsteigen und zwei vielstufige Treppen hinter mir. Das Versäumen des Zuges war eigentlich nicht so tragisch. Bereits eine Viertelstunde später fährt der nächste. Ich kam in jedem Fall pünktlich zur Arbeit. Aber gerade diese Viertelstunde die es mir ermöglicht als erster im Büro zu sein, den Kaffee, dessen Zubereitung ich ungern anderen überlasse, selbst aufzusetzen und die anfallenden Aufträge in Ruhe durchzusehen fehlte mir und ihren Verlust empfand ich als erhebliche Einbuße an Lebensqualität.


Ein weiteres Problem das wir unterschätzt hatten: Unsere über 80-jährigen Mütter die beide noch in eigenen Wohnungen leben. Nicht allzuweit entfernt aber – wie wir bald feststellten – mit dem Auto wesentlich schneller und eben auch mal kurzfristig spontan zu erreichen. So kam es, das unsere Besuche neben den festgelegten „Besuchszeiten“ (Sehr wichtig! Alte Leute sind wie Kinder und brauchen feste Termine zur Orientierung) seltener wurden was ihren Unmut weckte – und den bekamen wir zu spüren. Unverhohlen wurde gemutmaßt, es ginge den Kindern finanziell schlecht („Könnt ihr euch eigentlich kein Auto mehr leisten?“) . Kosten- oder gar Umweltargumente trafen auf unverhohlenen, nicht selten beissenden Spott.


Aber auch meine Frau hatte Probleme mit der neuen Situation. Einmal fiel die Abgabe des Autos mit dem wirksam werden eines neuen Tarifvertrages zusammen der eine halbstündige Verlängerung der Wochenarbeitszeit vorsah. Was auf den ersten Blick nicht bedeutsam schien aber zusammen mit den Wartezeiten auf den Bahnhöfen dazu führte, dass sie mindestens eine Stunde später als vorher zu Hause war. Dies brachte ihren „Einkaufsplan“ durcheinander. Sie musste nun in fussläufig zu erreichenden Märkten einkaufen. Jeder der Lebensmittel einkaufen muß weiß, das man einen Einkaufsmarkt nicht ohne weiteres durch einen anderen ersetzen kann. Selbst bei denselben „Ketten“ können die einzelnen Preise und Sortimente stark differieren und sei es nur, das ein bestimmtes Deo nicht verfügbar ist oder das eine andere Sorte fettarmen Speisequarks geführt wird. Es war für sie auch nicht mehr möglich, durch Ausnutzen der Gleitzeitregelung Freitags bereits am frühen Nachmittag die Arbeit zu beenden. Das ist deshalb wichtig weil – wie ich jetzt weiß – in keinem „Frischemarkt“ Freitags um 16.00 Uhr noch passables Obst und Gemüse zu bekommen ist. Man findet nur noch halbleere Regale vor deren Inhalt höchstens noch als Kaninchenfutter taugt.


All diese und einige weitere ungeschilderte Erlebnisse führten schließlich dazu, das wir übereinkamen, das Experiment „Leben ohne Auto“ zu beenden. Ich empfinde das als Niederlage, muss aber zugeben das auch ich nicht bereit war, die Folgen auf Dauer zu tragen. Noch sind wir vom Automobil abhängiger als ich dachte. Seit einer Woche haben wir wieder eins.


Ein alter Käfer (Blog 294)

Bis in die 70er Jahre hinein dominierte er das Bild unserer Straßen auf eine heute kaum noch vorstellbare Weise. Für einen Menschen mit Fahrerlaubnis war es fast unvermeidlich, ihn irgendwann einmal zu fahren. Mir ging es nicht anders. Für einen mehrwöchigen Urlaub im süddeutschen Raum lieh ich mir seinerzeit den Käfer meiner Schwester.

Wenn so ein Fahrzeug dann doch irgendwann nicht mehr gebaut wird und allmählich aus dem Straßenbild verschwindet wird daraus fast zwangsläufig ein Kultobjekt. Dazu hier einige schöne Fotos von hadis:

http://hadis42.blog.de/2008/05/31/flotte-kafer-4251663

Es gibt aber auch ganz harte Fans. Einen kenne ich. Das Fahrzeug auf den folgenden Bildern wurde Ende der 50er Jahre gebaut. Es steht fast das ganze Jahr unbenutzt in einer Lagerhalle und wird im Sommer 3 bis 5 mal bei schönem Wetter gefahren. So sieht es aus:

Alter Käfer
VW1
VW3

Mehr Detailfotos finden sich hier:
http://de.sevenload.com/alben/FEHESB0

In Bus und Bahn unterwegs: Im Hybridbus (Blog 285)

Hybridbus 1

Wären die verantwortlichen Manager der europäischen und amerikanischen Autoindustrie zu reflexivem Denken fähig, sie müssten hinsichtlich ihres Umgangs mit der Hybridtechnologie in den vergangenen Jahrzehnten in tiefe Scham versinken.

Eigentlich so entnehme ich meinen Quellen – ist der Hybrid – Antrieb nichts Neues. Schon 1899 wurde in Barcelona ein Fahrzeug mit Elektromotor und zusätzlichem 5 PS Verbrennungsmotor vorgestellt. Angesichts der Umweltbelastung amerikanischer Städte durch Autoabgase rüstete Victor Wouk schon 1972 – also noch vor der ersten Ölkrise 1973 – einen von General Motors zur Vefügung gestellten Buick in ein Hybridfahrzeug um. Daimler Benz beschäftigte sich seit 1982 mit Hybrid – Prototypen aus denen jedoch nie Serienfahrzeuge wurden.

An dieser Stelle kann ich der Versuchung nicht widerstehen vom Thema abzuweichen und darauf hinzuweisen, dass in den 80er Jahren Jaguar die Produktion von Modellen mit 12-Zylindermotoren einstellte während zunächst BMW seine 7er Modelle mit solchen nicht gerade sparsamen Motoren ausstattete und Daimler-Benz natürlich mit einem noch gigantischerem 12-Zylindermotor für die S-Klasse nachzog. Ein schon damals erkennbar verantwortungsloses Verhalten. Man ist versucht zu bedauern, dass sich einerseits serbische Generäle ( zurecht!) heute für ihre in den 90er Jahren begannen Kriegsverbrechen verantworten müssen während Verbrechen die die Umwelt und damit die Lebensgrundlagen aller Menschen betreffen mangels international anerkannter Rechtsgrundlage ungesühnt bleiben und die damals Verantwortlichen inzwischen möglicherweise uneinsichtig und unbehelligt ihre Pensionen verzehren.

Kehren wir zurück zum Hybrid-Antrieb. Während die Japaner längst erfolgreich Serienfahrzeuge bauen überwiegt in Europa immer noch die Skepsis. Ich war erstaunt darüber wie detailliert in den fachbezogenen Medien die Schwierigkeiten dieser Technik ( beispielsweise in Bezug auf die Batterien) beschrieben werden während die Chancen kaum der Erwähnung wert scheinen. Und Versuche den Hybrid – Antrieb weitere Gebiete zu erschließen geraten halbherzig bis marginal. So zum Beispiel wenn ein öffentliches Nahverkehrsunternehmen mit 255 Bussen versuchsweise einen (!) Hybrid – Bus einsetzt. Die Rede ist konkret von der Bochum – Gelsenkirchener – Straßenbahn AG :

www.bogestra.de siehe unter „Pressecenter“

Es fügt sich, das dieses Fahrzeug nun auch auf der Linie 383 mit der ich alltäglich vom Hauptbahnhof in den Stadtteil Ückendorf fahre verkehrt. Kürzlich hatte ich das Glück diesen Bus als Fahrgast nutzen zu können. Erster Eindruck: Es gibt ein Platzproblem. Grund dafür dürfte sein, das Teile des Antriebes in den Innenraum hineinreichen. Das sieht dann direkt hinter dem Fahrersitz so aus:

Hybridbus 2

Trotz der Verkleidung ist es erheblich lauter als in einem Bus mit konventionellem Antrieb. Ich glaube nicht, das dies sein muß. Eine entsprechende Dämmung dürfte kein Problem darstellen.. Die große Bucht für Kinderwagen und Rolatoren die sich im „Normalbus“ gegenüber dem mittleren Einstieg befindet ist verschwunden. Sie findet sich nun wesentlich verkleinert rechts von der Einstiegtür. Für mehr als einen Kinderwagen ist da kein Platz mehr. Die Falttüren des mittleren Einstieges sind durch auf Schienen laufende selbsttätig öffnenende Türen ersetzt worden. Das spart etwas Raum und ist weniger gefährlich. Ansonsten sind außer dem nur von außen sichtbaren etwas höheren Dachaufbau keine Unterschiede zum „Normalbus“ erkennbar.

Abgesehen von den sicher deutlich höheren Anschaffungskosten scheint der Nachteil dieses Busses darin zu liegen, das er weniger Raum und Komfort für die Menschen bietet, denen es schon jetzt schwerfällt den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen: Mütter mit Kinderwagen und alte Menschen die auf Rolatoren angewiesen sind. Würde man ihnen das gleiche Platzangebot wie bisher einräumen, böte der Bus noch weniger Plätze als und wäre noch unwirtschaftlicher zu betreiben.

Aber vielleicht löst sich dieses Problem auf andere Art und Weise. Die Nahverkehrsunternehmen im Ruhrgebiet melden steigende Fahrgastzahlen die wohl darauf zurückzuführen sind, dass viele Menschen denen das Auto zu teuer geworden ist auf Bus und Bahn umsteigen. Wenn diese Entwicklung anhält wird man auch wieder in kürzeren Abständen fahren können, ja müssen. Das Auto als individuelles Nahverkehrsmittel dürfte seine Zukunft jedenfalls hinter sich haben. Nicht zuletzt deswegen, weil deutsche Hersteller in den 80er-Jahren lieber 12-Zylindermotoren als Hybridfahrzeuge entwickelten.

Eigentlich habe ich ja Urlaub….. (Blog 281)

…..aber meine Frau und ich hatten schon vorher geplant, einige notwendige Investitionen nebst dem damit verbundenen Aufwand in diese Zeit zu legen, da sie in den normalen Alltag kaum „einzubauen“ sind . Und so schafften wir in der vergangenen Woche einen neuen Kühlschrank, einen neuen Gefrierschrank und ein Induktionskochfeld an. Bis Anfang letzter Woche war mir noch nicht bekannt, was ein „Induktionskochfeld“ ist, aber meine Frau war bestens informiert, wollte es haben und da sie gerne und gut kocht und sie sich in diesem Bereich sicher besser auskennt als ich wurde es natürlich angeschafft. Im Moment experimentiere ich gern damit (besonders eindrucksvoll: Man kann ein Blatt Papier zwischen Kochfeld und heißem Topf legen ohne das etwas passiert) fürchte aber, bald aus der Küche gewiesen zu werden.

Zweite Baustelle: Neues EDV – Gerät gekauft. Durch Umstände, die ich nicht im Detail schildern will habe ich wohl bis kommenden Mittwoch keinen Zugriff auf meinen Breitbandanschluss und muß mich mit einer UMTS/HSDPA-Card begnügen (seufz!) – furchtbar, aber mir ist bei dieser Gelegenheit deutlich geworden, das es unumgänglich ist , eine alternative Möglichkeit ins Netz zu gelangen zur Verfügung zu haben.

Um Mutmaßungen zuvorzukommen, bei uns sei der Wohlstand ausgebrochen: Die alten Elektrogeräte waren deutlich älter als ein Jahrzehnt, verbrauchten viel Strom und natürlich haben wir schon längere Zeit darauf hin gespart. Man muss halt Schwerpunkte setzen.

Letzte ungeplante wenn auch nicht ganz unerwartete Entwicklung: Nach 12 Jahren und 170.000km will das Auto nicht mehr. Eine Reparatur ist möglich, aber teuer und angesichts der Unterhaltskosten, die ich für das vergangene Jahr ausgerechnet habe:

2007
1551,00 € Benzin
462,31 € Versicherungen
117,00 € KFZ-Steuer
1067,21 € Werkstatt
508,00 € Garage

Zusammengerechnet :

3708,52 € Gesamtkosten pro Jahr

gleich: 309,04 € Kosten pro Monat

haben wir uns entschlossen, es künftig einmal ohne Auto zu versuchen. Meinen eigenen Wagen habe ich bereits 1994 abgeschafft (Nicht aus wirtschaftlichen Gründen!) und wenn dieser Schritt möglich ist, dann wenn man wie in unserem Fall in einem großen Ballungsraum mit gut ausgebautem Nahverkehr wohnt. Wir könnten einen neuen Wagen anschaffen und unterhalten (noch), aber die Entwicklung läuft dahin, dass ein Auto künftig nicht mehr zu einem guten Leben gehören, sondern eher einem guten Leben hinderlich sein wird. Mir ist klar, das dies in Lebensräumen mit eher ländlichen Strukturen nicht möglich ist. Ich bin auch keinesfalls ein fanatischer Gegner der motorisierten Fortbewegung aber ich glaube, die Zeiten des Individualverkehrs gehören der Vergangenheit an. Ich bin mir sicher , das ich sein Ende noch miterleben werde. Zu gefährlich, zu viele Opfer, zu ungesund, zu teuer, zu ineffizient, zu wenig zukunfts- und änderungswillig – das sind heute die Kennzeichen der auto“mobilen“ Gesellschaft und sicher ist es sowohl spannender als auch lohnender, seine Fortbewegung so zu organisieren, das weder die Lebensqualität (etwa durch zusätzlichen Zeitaufwand) noch die menschlichen Kontakte leiden. Das geht! Daran wird nun gearbeitet und Fortschritte werden natürlich per Blogeintrag vermeldet werden.

Das bisherige wurde natürlich in erster Linie geschrieben um zu erklären, weshalb seit gut einer Woche meinerseits weder etwas geschrieben noch kommentiert wurde. Die Zeit war halt knapp. Das ändert sich nun wieder und nicht nur das: Alles muss sich ändern. Alles muss besser werden…

Unerbetene Post von: VW (Blog 116)

DIN A 4 Umschlag. Absender: Volkswagen Dialog Center. Zunächst Erstaunen. VW will einen Dialog mit mir führen? Na ja, zwischen 1982 und 1994 besass ich zwei VW-Fahrzeuge (Golf I und II, beide gebraucht gekauft, war zufrieden damit) aber ich habe nie ein Neufahrzeug erworben, nie eine VW-Werkstatt aufgesucht – Woher haben die überhaupt meine Adresse ? Oder bin ich inzwischen als Automobilverweigerer bei der Autoindustie aktenkundig ?

Habe ich den falschen Leuten erzählt, wie froh ich noch heute über meinen Entschluss von 1994 bin, kein eigenes Auto mehr besitzen zu wollen. Nein, es stand damals kein wirtschaftlicher Zwang hinter dieser Entscheidung, sondern lediglich die Erkenntnis, das man in einem zivilisierten = städtischen Umfeld kein Auto braucht. Weshalb nicht? Weil man mit einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr problemlos seinen Arbeitsplatz, das Theater, das Kino oder den Computer – Shop erreichen kann. Wie glücklich war ich, diese überteuerte Persönlichkeitsprothese los zu sein.

Ich öffne den Umschlag: „Knietiefe Gewässer und Steigungen mit 45°- Winkel sind in deutschen Städten leider kaum zu finden“ lese ich. Spinnen die ? Ich stelle fest: Man will nicht – wie von mir vermutet – einen Dialog über Sinn und Berechtigung des Automobils in der zivilisiertenWelt mit mir führen, sondern mir einen Geländewagen – den Touareg – verkaufen. Oder vielmehr – ich soll ihn leasen. Ein Verkaufspreis wird bemerkenswerter Weise in dieser aufwändig gestalteten und ansonsten detailierten Werbung überhaupt nicht angegeben. Offenbar wird der Touareg überhaupt nicht verkauft, sondern nur „geleast“. „Nur“ 299 € monatlich (bei einer Laufzeit von 48 Monaten, 15.000 Kilometern p.a. und einer Sonderzahlung von wiederum „nur“ 9.517 €) soll das kosten.

Aber das Beste kommt erst noch. Dem Schreiben ist eine Imagebroschüre beigefügt, die den Titel „ Glücklich und stolz.“ trägt und deren Inhalt ich als beleidigend empfinde. „Früher waren Sie Sieger so mancher Schlammschlacht. Das wird heute wieder so sein“ heisst es da – meiner Meinung nach – zweideutig. „Konkurrenten haben Sie schon immer hinter sich gelassen…. Siegen ist ein schönes Gefühl.“ „Das Gefühl, alles zu meistern , können Sie auch heute wieder haben.“ Hier wird ein Menschenbild gezeichnet bar jeder sozialen Komponente, bestehend nur aus Wettbewerb und Kampf, geprägt von Allmachtphantasien – und so einen Menschen vermutet man in mir.

Abgesehen davon das mir das Geld dafür fehlt hätte ich eh nie einen Geländewagen gekauft. Diese Werbung bestätigt nun alle Vorurteile, die ich bisher Geländewagenfahrern gegenüber hatte. Ich kenneein Dutzend Geländewagenfahrer – Kunden zumeist. Es sind – seltener – ängstliche Frauen denen dieser Fahrzeugtyp aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen „ein herrliches Gefühl der Sicherheit“ gibt oder aber weitaus häufiger Männer vom Typ Schlammschlachtsieger: Brutal, bedrohlich wirkend, asozial. Leute, die mit dem Gang zum „ Chef“ drohen, wenn ihnen ein Rabattsatz zu niedrig erscheint, gelegentlich Kampfhunde mit sich führen und sich auch ansonsten aufführen, als gelte es in der Wildniss zu überleben. So kenne ich meine Geländewagefahrer und so stellt sich VW möglicherweise seine Kunden vor.

Tja liebe VW-Dialoger, wieder mal eine Werbung, die ihr Ziel verfehlte. Die Botschaft, die bei mir angekommen ist lautet: Leute wie Dich wollen wir nicht. Wir brauchen niemanden, der möglicherweise einen sparsamen kleinen Stadtwagen kauft. Golf Eco ? Gab es den mal ? 3Liter – Lupo? Längst als Fehler erkannt. Spar – Polo ? Wann war das ? Erste Ölkrise 1973 ? Was soll das ?
Wir verkaufen lieber „Luxus-Geländewagen“.