Selbstversuche: Biertest: Dortmunder Union Export ( Blog 136)

Zwei halbgeschrieben Blogeinträge mit denen ich nicht weiterkomme liegen im Ordner. Was liegt da näher als den Rest an Kreativität zu ertränken und mal wieder etwas über Bier zu schreiben.
Bei dem oben genannten Gerstensaft scheint es sich zunächst um einen uralten Bekannten zu handeln. Musste dann aber feststellen, sass er sich im Laufe der Jahre verändert hat.
Was als erstes auffällt ist die Flasche – oder vielmehr das Etikett. Kraft eigener Designkompetenz (Hab ich, wo sie herrührt, darüber vielleicht ein anderes Mal an anderer Stelle mehr) erkläre ich sie zur momentan schönsten Bierflasche Deutschlands (Abbildung siehe Foto Blog Nr.135). Hier waren Könner am Werk. Ich gehe mal davon aus, das die schwarz-rot-goldene Farbgestaltung bewusst gewählt wurde. Die Wirkung ist aber trotz der eher käftigen, dunklen Anmutung der Farbtöne eher eine dezente. Gut gelungen auch die Plazierung des grossen Union-U in der Mitte des Ettikets. So gibt man einem bewährten Markenzeichen neue Kraft. Keine unnötigen Schnörkel oder historisierenden Elemente wie die bei Bieretiketten sehr beliebten Hopfen- oder Gerstendarstellungen stören das gelungene Gesamtbild.

Jetzt zum Inhalt: Das Bier ist geniessbar, aber bei einem Blindtest würde ich nie auf Export tippen. Zwar habe ich seit fast zwei Jahrzehnten keines getrunken. Dafür aber in zwischen meinem achtzehnten und einundzwanzigsten Lebensjahr mehrere Hektoliter und in dieser Phase hat sich mir ein Export-Basisgeschmack (furchtbare Wortschöpfung) derart eingeprägt, dass ich ihn auch heute sofort wiedererkennen würde. Dieses Export ist kein Export. Zu viele Hopfenanteile. Wahrscheinlich haben die Dortmunder als sie Mitte der 70er Jahre erkannten, dass sie den damaligen Pils-Trend verschlafen hatten in einer Panikreaktion die Rezepte geändert und ihre Biere überhopft. Vielleicht, gibt es ja garkein richtiges Exportbier mehr. Fast süss, süffig und wie kein zweites Getränk dazu geeignet, durch regelmässige Einnahme jene sich wölbende Schutzschicht in der vorderen Körpermitte zu bilden, die den Namen des Getränkes nebst diskriminierenden Zusatz trägt. Aber was klage ich. Auch ich bin ja damals zu den Pilstrinkern konvertiert.

Fazit: Wem Pils zu herb ist und die neuen blonden Biere (Beck´s Gold etc.) zu fade, der ist mit diesem Bier gut bedient. Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Siehe dazu meinen Blogeintrag „Bierpreise“ (Blog 111 Juni 2006) und den fachkundigen Kommentar von Remo.

Essentials: Alkoholgehalt: 5,3% Preis: 0,70 €/l bei Kastenweiser Abnahme. Alle Angaben unverbindlich.

Dieser Blogeintrag wurde – obwohl man es vermuten könnte – nicht unter dem Einfluss von Alkohol geschrieben.

Notizen zur Weltmeisterschaft (Blog 114)

Kannst Du mir die CD von den Sportfreunden Stiller (54 74 90 2004) aus der Stadt mitbringen fragte mich meine Frau letztes Wochenende. Ich versuchte es gleich Montag. Gar nicht so einfach. Die letzte aktuelle „Single“, die ich gekauft habe müsste „Forever Young“ gewesen sein (nicht Bob Dylan, sondern Alphaville) und das war…..1984 (?). Ich versuchte es zunächst in der – ich sage mal: Tonträgerabteilung – der Drogerie Müller. Fand mich nicht zurecht. Fragte den jungen Verkäufer nach der aktuellen Hitparade, erfuhr, dass man das heute „Single Charts“ nennt und das die CD leider ausverkauft sei, ich solle Donnerstag wiederkommen. Ging dann noch meiner Frau zuliebe zu „Saturn“,einen Laden, den ich sonst wegen der widerwärtigen Werbung nach Möglichkeit meide – auch dort war die CD nicht mehr zu bekommen.

Was mich wundert: Laut den aktuellen „Single Charts“ ist der WM-Song „Zeit , dass sich was dreht“ momentan die Nr. 1 in Deutschland . Diese CD gab es aber sowohl bei Müller als auch bei Saturn in rauhen Mengen während die Nr.2 (74…..) bei beiden ausverkauft war. Eigenartig. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass der Grönemeyer-Song häufiger verkauft wird. Hab nichts gegen den Mann, höre das eine oder andere Lied von ihm ganz gerne, aber Gönemeyer und WM-Song – das passt einfach nicht zusammen. Merkt man meinem subjektiven Empfindenn nach dem Lied auch an. Ist misslungen. Ist so, als würde Stevie Wonder deutsche Volksmusik in englischer Sprache singen. Geht eben nicht.

Donnerstag war ich dann wieder in der Stadt – und die ersten Engländer auch. Zunächst fiel mir auf, dass zum ersten mal seit längerer Zeit leere Bierdosen das Bahnhofsgelände verunstalteten. Alles Amstel – Bier. Dann sah ich die ersten englischen Fans – mit Amstel-Bier Dosen in der Hand durch die Innenstadt gehen. Müssen Sie mitgebracht haben. Das Zeug kommt zwar aus den Niederlanden, aber offenbar mögen die Engländer ihr eigenes verschaltes Bier nicht. (Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass ich keine einzige englische Biermarke kenne – wohl mehrer irische und amerikanische aber tatsächlich keine englische, seltsam).

Am Freitag sah ich dann die ersten englischen Polizistinen und Polizisten. Die Polizistinen tragen bowlerähnliche Hüte, die meiner Meinung nach ihrer Autorität abträglich sein dürften. Sie blickten misstrauisch zu einer Gruppe englischer und deutscher Fussbalfans herüber, die einträchtig an den Aussentischen der Bahnhofsgaststätte sassen und….. natürlich Bier tranken. Man hat hier in Gelsenkirchen einiges für die englischen Fans (über 80.000 sind momentan hier – und das bei einer Gesamtbevölkerung von 270.000 Einwohnern) getan. Nur 30.000 haben eine Karte fürs Stadion gehabt. Für den grösseren Rest hat man eine zusätzliche Grossleinwand auf dem Trabrennbahngelände aufgestellt (mit original englischem Fernsehkommentar). Im nahegelegenen Nienhauser Park dürfen Sie Zelte aufstellen.

Ich hoffe das es keine gewalttätigen Auseinandersetzungen gibt, nachdem England das gestrige Spiel verloren hat. Ich wage die Prognose, dass es überwiegend friedlich bleiben wird. Gelsenkirchen ist eine mittelgrosse Industriestadt die vergleichbare Probleme und Struktuen wie zum Beispiel Sheffield, Manchester oder Liverpool hat. Die Engländer müssten sich hier wohler als in Stuttgart oder Frankfurt fühlen. Morgen wissen wir mehr.

Die aktuellen Bierpreise (Blog 111)

Ich bin dankbar, ihn in meiner Nähe zu wissen, keine zwei Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Hier verbringe ich gern einige Zeit, betrachte die angebotenen Köstlichkeiten, treffe nach langem Überlegen die Wahl, bringe die erworbenen Schätze schliesslich heim. Ja, ein gutsortierter Biermarkt ist schon etwas Feines!!

Was ich bisher kaum beachtet hatte, waren die Preisschilder. Ich kaufe kein Bier weil es billig ist. Entweder möchte ich einen vertrauten Geschmack geniessen oder etwas Neues probieren. Unvorstellbar, eine Plastikflasche anonymen Bieres beim Discounter zu erwerben weil es einige Cent billiger ist oder die Produkte des ominösen Herrn Oettinger zu goutieren. Nein, eher würde ich – sollten die sozialen Unabwägbarkeiten des Lebens es mir auferlegen, auf den Preis achten zu müssen – gar kein Bier mehr trinken als schlechtes.

Aber heute fiel mein Blick eher zufällig auf die – recht hoch angebrachten – Preisschilder und ich entdeckte, dass darauf neben dem Preis des Kastens auch der Literpreis angegeben war. Der Kaufmann in mir regte sich und ich begann die Preise zu vergleichen. Die angegebenen Preise gelten in der Regel bei kastenweiser Abnahme und einer Flaschengrösse von 0,5l bei Bieren Pilsener Brauart für 1 Liter. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben, nenne auch bewusst den Händler nicht und verkaufe selber natürlich kein Bier.

Fangen wir unten an. Am billigsten sind die Dortmunder Biere:

Dortmunder Aktienbier 0,88 €
Thier 0,90 €
Brinkhoffs Nr. 1 1,10 €

Exportbier ist noch billiger zu haben, aber kaum noch zu bekommen. In einer Ecke fand ich einige verstaubte (wirklich!) Kästen:

Dortmunder Union 0,70 €
DAB Export 0,88 €

Seit die Dortmunder Brauerein Anfang der 70er Jahre den damaligen Trend zu Bieren Pilsener Brauart verschliefen sind sie im ständigen Niedergang begriffen (Selbst im Stadion von Borussia Dortmund wird kein in der Stadt hergestelltes Bier mehr beworben).

Profiteuere dieses Niedergangs waren die Saurländer Brauerein:

Veltins 1,15 €
Warsteiner 1,22 €
Krombacher ?

Gelsenkirchen, die Stadt in der ich lebe, hat seit Ende der 70er Jahre (bis auf eine Hausbrauerei) keine eigene Brauerei mehr. Bis dahin gab es die Glückauf-Brauerei (wurde seinerzeit an der Düsseldorfer Börse notiert) die dann von DUB-Schultheiss (später Brau und Brunnen) übernommen und bald geschlossen wurde. Der Käufer war wohl nur an den Gaststätten interessiert. Aber in den Nachbarstädten gibt es noch Brauerein:

König Pilsener (Duisburg) 1,08 €
Fiege (Bochum) 1,10 €
Stauder (Essen) 1,15 €

Im Zeitalter der Globalisierung dürfen natürlich einige internationale Marken nicht fehlen:

Tuborg (Dänemark) 1,00 €
Pilsener Urquell (Tschechei) 1,25 €
Fosters (Australien) 1,30 €

Und nun die Überraschung: Das mit Abstand teuerste Bier – ich hätte es nie vermutet – kommt aus Holland. HEINEKEN verlangt allen Ernstes 2,52 € pro Liter. Gut, es handelt sich in diesem Fall um 0,33 l Flaschen. Wie absurd dieser Preis ist zeigt sich auch daran, dass Grolsch – für mich das eindeutig bessere niederländische Bier – nur 1,51 € pro Liter kostet (auch in der 0,33 l Flasche) und selbst der 6er-Pack Guiness für umgerechnet 2,17 € pro Liter zu haben ist.

Nun trinke ich gelegentlich – wenn ich in den Niederlanden bin – Heineken Bier. Nicht weil es gut schmeckt, sondern eher aus sentimentalen Gründen. Das Zeug erinnert mich an Urlaube in den 70er Jahren: Segeln auf dem Ijsselmeer, Billardspielen, niederländische Freundinnen, Kroketten und Heineken – irgendwie gehört das für mich zusammen. Rein vom Geschmack her betrachtet ist Heineken ein Bier, das die Welt nicht unbedingt braucht. Angesichts der Umsatzzahlen muss ich aber zugeben, dass die Welt anderer Meinung zu sein scheint. Ich bin mir nicht ganz sicher, glaube mich jedoch an ein Zitat von Bertrand Russel zu erinnern, das sinngemäss lautet: Auch wenn alle einer Meinung sind, besteht die Möglichkeit, dass sich alle irren. Dies scheint mir so ein Fall zu sein.

Selbstversuche: SAIGON EXPORT (Blog 89)

Manfred 006

Eigentlich wollten wir im ASIA-Laden nur Jasminreis holen. Habe dann aber noch spontan eine Flasche Saigon Export gekauft, gekühlt, getrunken – und überlebt.
Der Alkoholgehalt beträgt 4,9%. Als „Zutaten“ werden Wasser, Malz, Hopfen und Hefe angegeben. Kein Reis. Erster Eindruck beim einschenken: Normale Farbe, normale Schaumentwicklung.
Dann die Überraschung: Geschmacklich ähnelt Saigon Export unseren Exportbieren nicht im geringsten. Im Gegenteil: Es schmeckt wie ein gutes, herbes deutsches Pils. Irgendwo angesiedelt zwischen Veltins und Radeberger. Ich war angenehm überrascht, da ich eher etwas in der Art Tsingtao oder Heineken erwartet hätte.
Urteil: Ein Bier das einen Vergleich mit hiesigen Produkten nicht zu scheuen braucht und sich gut trinken lässt. Gesamtnote: 2