Meine „Wörter des Jahres“ (Blog 246)

Seit 1977 wählt eine Jury der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ das „Wort des Jahres“, seit 1991 auch das „Unwort des Jahres“. Mit dem „Unwort“ möchte ich mich nicht näher befassen. Das „Wort des Jahres sollten wir Blogger allerdings nicht den Fachleuten überlassen. Sind wir doch selber auch sprachschöpferisch tätig und können durchaus eigene Kreationen vorweisen die Beachtung verdienen.
Aber auch Wortschöpfungen unserer Lieblingsfeinde – gemeint sind die gegen Bezahlung tätigen Journalisten und Kolumnisten – sind gelegentlich bemerkenswert und verdienen unseren Respekt. Wie der Kölner sagt: „Man muss auch jönne könne“.

Deshalb ist eines meiner beiden Wörter des Jahres das Bindewort „Speckgürtel-Prinzessinnen“
verwendet von Till Raether im Magazin der Süddeutschen Zeitung (Nr. 42 vom 19.10.2007) . Es handelt von den Geländewagen fahrenden Ehefrauen nicht schlecht verdienender Männer die des billigen Baulands wegen aus den grossen Städten 20 bis 50km ins Umland gezogen sind. (Von Duisburg nach Straelen zum Beispiel). Ich muss gestehen: Etwas Häme ist mit im Spiel. Dieser Typ Frau begegnet mir gelegentlich als Kundin und da ich um die Durchsetzungsfähigkeit und das nicht ganz angemessene Selbstbewußtsein dieser Damen weiss halte ich es für nicht ganz ungefährlich einen solchen Artikel zu schreiben. Respekt! Wer selber lesen will: Hier geht’s lang:

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/index.php?id=110&tx_ttnews[tt_news]=3707

Mein absolutes Lieblingswort des Jahres ist jedoch eine Formulierung auf die meine Blogfreundin „zuagroast“ das Copyright anmelden kann. Wohl eher beiläufig kreierte sie den „Blondiermeister“ der in folgendem Zusammenhang das Licht der Blogwelt erblickte:

http://zuagroast.blog.de/2007/08/07/mutti_es_ist_was_ganz_schlimmes_passiert~2770081

Der „Blondiermeister“ ist als Begriff vielseitig verwendbar. So zum Beisipiel in der für mich problematischen Situation des Friseurbesuchs, den ich am liebsten schnell und ohne Dialog hinter mich bringen würde während die Fachkraft, die diese Arbeit verrichtet – meist eine jüngere Frau – versucht ein Gespräch mit mir zu beginnen (wohl auch dazu angehalten wird) und immer wieder Fragen der Katergorie „Wann haben sie denn Urlaub ?“ stellt. Diese Situation kann man wunderbar entspannen indem man den Spiess umdreht und selber eine Frage stellt, vozugsweise die , ob es eine von der zuständigen Handwerkskammer abgesegnete Ausbildung zum Blondiermeister gebe. Die Reaktionen reichen von ungläubigem Staunen bis zu ausgeprägter Heiterkeit – und ich habe meine Ruhe und kann mir etwas über die Ausbildung von Friseurinen erzählen lassen.

Dies und das (Blog 229)

HERBST

Gestern war es soweit. Zum ersten Mal seit Mai holte ich ein langärmeliges Baumwollhemd aus den Tiefen des Kleiderschrankes hervor. Ergiebige Regenfälle, eine Temperatur die bei 8 Grad im Schatten liegt. Die T-Shirts dürften für dieses Jahr ausgedient haben.

WORTSCHÖPFUNGEN

Die Deutsche Sprache bietet viele Möglichkeiten kreativ zu werden. Nachdem meine Blogfreundin ?zuagroast? vor kurzem eher beiläufig den BLONDIERMEISTER kreiert hatte (siehe ihren Blogeintrag vom ) und ich bei einem Arztbesuch Bekanntschaft mit der ÄRZTEROLLE machen durfte (Das ist keine gymnastische Übung für Ärzte sondern…..ratet mal) flatterte mir nun das Schreiben eines hiesigen Schuhgeschäft ins Haus in welchem darauf hingewiesen wird, dass sich an einem bestimmten, nicht mehr allzufernen Tag die BEQUEMSCHUHBERATERIN der Firma XXX einfinden werde um „Fragen rund um das bequeme Gehen“ zu beantworten.

Das wäre ein Beruf für mich. Den Frauen die Pumps und Stilletos ausreden und sie für Mephisto oder Finn Comfort Schuhe gewinnen ? dieser Aufgabe würde ich mich gern stellen. Wenn die Buddhisten – was ich nicht hoffe – recht mit ihrer Vorstellung von einer Wiedergeburt haben sollten würde ich in einem künftigen Leben gern Bequemschuhberater sein wollen. Da aber alle mir bekannten Religionen Ironie hassen , Rachsucht aber schätzen würden wohl allein die letzten Sätze zur Folge haben, dass ich dieses künftige Leben als eine Art Al Bundy verbringen müsste.

BIER TRINKEN

„Alkohol lernte ich in der harmlosen Form von Bitterbier schätzen: Lubbock, mein Reitlehrer , war der erste, der mir Bier anbot, als ich ihn an einem Sommerabend besuchte. Es schmeckte abscheulich, und ich trank es herunter in dem Bemühen, meine Männlichkeit zu beweisen, doch einige Tage später, auf einem langen Spaziergang querfeldein… spürte ich den Geschmack auf der Zunge, wie zum Hohn, denn ich war sehr durstig. Wir kehrten in ein Gasthaus ein, aßen Brot und Käse, und ich trank zu zweitenmal Bitterbier, daß mir köstlich mundete und das bis heute nie aufgehört hat, herrlich zu schmecken …“

Das las ich vorgestern Abend in meiner momentanen Bettlektüre: ?Eine Art Leben?. Das ist die Autobiographie des englischen Schriftstellers Graham Greene (Der graphodino ist schuld, das ich dieses Buch hervorholte, aber das ist eine andere Geschichte). Von ganz geringen, zu vernachlässigenden Details abgesehen ist es mir genau so ergangen. De javu! De javu! Es zeigt sich: So unterschiedlich sind unsere Leben nicht. Das Individuum als solches wird vielleicht überschätzt. Aber es gibt den einen oder anderen Menschen, der eine Erfahrung die viele machen allgemein gültig beschreiben kann. Dessen Leben dadurch exemplarisch wird. Ist das vielleicht der eigentliche Grund weshalb wir ein weblog schreiben ? Ist es das, was wir wollen ?