Volksparteien (Blog 352)

In der letzten Jahren war unter Bezug auf die „Grosse Koalition“ häufig zu hören, die beiden „Volksparteien“ CDU(CSU) und SPD seien kaum noch unterscheidbar. Doch es gibt Unterschiede wenn an dieser Stelle auch mit einer Gemeinsamkeit begonnen werden muß. Einen Tag vor der Bundestagswahl kam ich an einem der Wahllokale in meinem Stadtteil vorbei und zum ersten Mal seit Jahren nahm ich die „Schaukästen“ beider Parteien wahr, die nur wenige Meter voneinander entfernt an die Außenwand der Gaststätte montiert waren.

Zum einen war ich verwundert, das beide Volksparteien noch mit derartig archaischen „Medien“ arbeiten. Das allein sagt einiges über ihre Zukunftsfähigkeit und -willigkeit aus. Man lebt noch in der Welt von Gestern, gern offenbar. Damit enden jedoch die Gemeinsamkeiten. Die „Inhalte“ waren deutlich unterscheidbar. Sehen wir uns zunächst den Schaukasten der CDU an:

CDU

Die CDU begnügt sich mit einem Satz („Wir wählen die Kanzlerin“) und einem Foto. Kürzer geht es nicht. Die Mühe, auch nur mit ein paar Worten zu begründen weshalb ich Angela Merkel wählen sollte macht man sich nicht. Ich werde einfach vereinnahmt. Nun schätze ich, das sich professionelle Werbetreibende nicht wenige Gedanken gemacht haben und mit diesem „Poster“ schon eine positive Wirkung im Sinne der Kandidatin erzielen wollten. Welches Menschenbild hinter dem Ergebnis dieses Denkprozesses steckt möchte ich lieber nicht ergründen.

Wie sieht es bei der SPD aus:

SPD

Mir fehlten die Worte. Ein halber Quadratmeter dicht und klein bedrucktes Papier. Natürlich habe ich es nicht gelesen. Ein flüchtiger Blick ließ mich allerdings erahnen das es sich eher um interne Kommunikation handelte. Der Inhalt war offenkundig an Mitglieder des „Ortsvereins“ gerichtet. Typisch für Sozialdemokraten: Man schmort gerne im eigenen Saft, diskutiert lieber untereinander als mit dem Wähler und ist immer noch auf eine ungesunde Art und Weise von der Richtigkeit der eigenen Standpunkte überzeugt – wie widersprüchlich die mittlerweile auch sein mögen.

Eine der letzten Taten der Grossen Koalition war die gemeinsame Verabschiedung des Gesetzes das die rechtlichen Voraussetzung für Internetsperren schafft. Weder CDU und SPD ließen sich davon beeindrucken , das mehr als 130.000 Menschen binnen 4 Wochen die Petition gegen dieses Gesetz mitzeichneten. Diese offenkundige Ignoranz könnte sich rächen. Gut möglich, das die vergangene Wahl die letzte war in welcher der Begriff „Vokspartei „ überhaupt noch eine Rolle spielte.