Das Mittwochsbild (24)

Löwenkopf

Bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein war Essen das Finanzzentrum des
Ruhrgebietes. Nicht weit vom Bahnhof lag die Börse – Heute Haus der Technik: http://tinyurl.com/394frg8 – die ein Opfer der damaligen Wirtschaftskrise wurde. Von der ehemaligen Hirschland-Bank steht nur noch die rote Sandsteinfassade, die in ein Kaufhaus integriert wurde und die Deutsche Bank sieht aus wie ein kleiner Petersdom: http://tinyurl.com/3yzpcvo .

Unterhalb der Fenster dieses Gebäudes sind solche “Löwenköpfe” wie der oben gezeigte angebracht. Wobei mir einfällt: Gab es nicht auch einmal eine Frisur mit diesem Namen?

Schwedenstahl (Blog 227)

Von welchem Auto träumte der heute 80jährige Mann als er Anfang der 60er Jahre ein aufstrebender technik- und zukunftsgläubiger Mitdreißiger war? Von diesem:

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Das war der Lieblingswagen meines Vaters. Einen Volvo sah man damals noch seltener als heute, aber wenn er eines solchen Autos ansichtig wurde war ihm die Begeisterung anzumerken. Er erzählte dann von der soliden Bauweise (wegen der harten schwedischen Winter), der mehrjährigen Garantie auf den Lack und den extra dicken Stahlblechen. Mich begeisterte der Wagen nicht. Ich fand die Form schon damals altmodisch und im Autoquartet war er auch nicht zu finden. Aber als ich vor einigen Tagen auf dem Weg vom Bahnhof zum Gesundheitsamt (wollte meine Frau von der Arbeit abholen) durch das Essener Bankenviertel ging zückte ich, plötzlich angefallen von dieser Kindheitserinnerung doch spontan die Kamera und habe auch verstohlen an das Blech geklopft: Klang wirklich stark.

Einige Jahre später hätte mein Vater sich diese Auto kaufen können. Aber er zog es dann doch vor, einer dieser BMW-Mittelklasse-Raser zu werden, die seinerzeit die Strassen unsicher machten. Schade, dass er seinem Traum nicht treu geblieben ist. Das Ding hätte ewig gehalten und vielleicht würde ich ihn heute noch fahren. Mittlerweile fnde ich ihn auch optisch schön.

Mehr Bilder von diesem Auto gibt es hier: http://de.sevenload.com/alben/vgZ6WEb

Wenn Städte für sich werben….. (Blog 225)

 

Wenn Städte für sich werben…..


…..wird es in der Regel peinlich. Entweder man will um jeden Preis originell sein oder man vertraut auf nichtssagende Platitüden. Zur ersten Kategorie gehört die Stadt in der ich lebe. Hier ist der Slogan „Gelsenkirchen: Herz im Revier voll Kraft und Zauber“ geprägt worden. Abgesehen davon, daß sich kaum jemand diesen Spruch merken kann hat er mit der erlebbaren Realität kaum etwas gemein. Unsere Stadt hat eben keine Kraft mehr sondern ist schwach und ohne Unterstützung kaum noch lebensfähig. Hohe Einwohnerverluste ( 1959: 391 000 – 2007: 266 000) bedingt durch den wirtschaftlichen Niedergang der der Montanindustien und keine Aussichten auf Besserung trotz zaghafter Versuche sich als „Solarstadt“ und „Gesundheitsstadt“ zu profilieren – da kann wirklich nur noch Zauber helfen.


Herz im Revier“ – das würde eher auf die doppelt so grosse Nachbarstadt Essen passen. Denen geht es noch zu gut. Zuviel selbstgefälliges Bürgertum das Werbung für nebensächlich hält. Man gibt sich nicht viel Mühe, stiehlt entweder schamlos („Essen leuchtet“) oder beschränkt sich auf Altbewährtes („ Essen: Die Einkaufsstadt“).


Könige der sinnfreien Selbstbeweihräucherung dürften momentan aber die Bochumer Nachbarn sein. Sie behaupten: „Bochum macht jung“ – Wie das ? Genau wissen sie es wohl selber nicht denn auf der zur Kampagne gehörenden website heisst es: „Wir suchen die besten, einfallsreichsten und kreativsten Gründe, warum Bochum jung macht!“ Dann sucht mal schön.


In die Kritik geraten ist auch die aus sehr bunten Blumen (Gerbera?) bestehende graphische Gestaltung der Kampagne. Genau so stellen sich die bierbäuchigen Alt-68er , die wohl noch auf längere Zeit die Schaltstellen der hiesigen Kommunalverwaltungen dominieren werden „jung sein“ vor: Flower Power und psychedelische Farben wie sie es halt aus der sich allmählich verflüchtigenden Erinnerung an die eigene Jugend kennen. Das Bochum nie San Francisco werden wird wollen sie nicht wahrhaben.


Über die gesetzliche Regelung, daß städtische Aufträge mit einem Wert von mehr als 200.000 € europaweit ausgeschrieben werden müssen, hat man sich hinweggesetzt und die Kampagne mit einem Wert von immerhin 900.000 € ohne Ausschreibung ausgerechnet an eine Essener Werbeagentur vergeben. Die übergangenen Bochumer Agenturen schreien nun natürlich auf und wollen klagen.


Das Ruhrgebiet, immer noch der größte europäische Ballungsraum leistet sich wieder einmal eine Provinzposse. Kleinkariertes Denken das an den eigenen Stadtgrenzen endet, eine inkompetente Verwaltung und das fehlende Bewußtsein, daß Größe und Einigkeit zum Wohle der Region eingesetzt werden könnten (Berlin macht es vor) verhindern bisher einen über das normale konjunkturelle Wachstum herausgehenden Aufschwung der möglich wäre. Für die Städte des Ruhrgebietes gilt: In Bezug auf Selbverständnis und Strukturen ist kaum etwas bewahrenswert. Es gibt nichts, was ruhigen Gewissens beworben werden könnte. Alles muß anders werden!

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Wer sich selbst ein Bild von der Bochumer Kampagne machen will oder wieder jung werden möchte sei auf folgende website verwiesen: http://www.bochum-macht-jung.de/