Ein Faust-Monolog, Niederländisch und die Entdeckung des Himmels NF47

Im sowohl lesens- wie ansehenswerten weblog meiner blogfreundig Karin Henjes ( karinhenjes.blog.de) in dem es vorwiegend um Sofas und Literatur geht wurde kürzlich beklagt das niederländische Prosa “etwas leer und kalt wirke” und die Frage aufgeworfen, ob dies an der niederländischen Sprachstruktur liegen könne.

Letzteres verneine ich. Ein Vergleich des ersten Faust-Monologes in deutscher und niederländischer Sprache zeigt, das die Idiome sich sehr ähnlich sind. Hier zunächst der deutsche Text:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen,
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –
Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab ich weder Gut noch Geld,
Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt;
Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;
Daß ich nicht mehr mit saurem Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu nicht mehr in Worten kramen.

In Niederländisch liest sich das so:

Nu heb ik dan filosofie,
Rechten en artensij, en ach!
Helaas ook nog theologie
Terdege beoefend, nacht en dag.
Daar sta ik nu, ik arme dwaas!
Zo wijs als in´t begin helaas;
Ik heet Magister, heet Doctor zowaar,
En leid nu reeds bijna eentien jaar
Omhoog, omlaag, en schuins en krom
Mijn leerlingen bij de neus rondom –
En merk: wij blijven toch eeuwig leken!
Dat doet mij schier het harte breken.
Wel ben ik verstandiger dan al die schapen,
Doctoren, Magisters, schrijvers en papen:
Geen twijflingen, die mij komen plagen,
Ik zou me aan de hel en de duivel wagen –
Daarom mag ik ook niet gelukkig heten,
Ik beeld mij niet in, wat waars te weten,
Ik beeld mij niet in, iemand wat te leren,
De mensen te beetren en te bekeren,
Ook heb ik geld noch goed vergaard,
Noch eer of heerlijkheid op aard;
Geen hond zou er zo nog langer leven!
Dus heb ´k mij aan de magie gegeven,
Of mij der geesten kracht en mond
Niet menig nieuw geheim verkondt;
Dat ik niet meer in`t zure zweet
Behoef te zeggen, wat ik niet weet;
Dat ik ontdekke, wat de aard
In hare samenhang bewaart,
Dat ik haar kracht en zaad zie groeien.
En niet mer woorden hoef te knoeien.

Wer ein niederländisches Werk ohne Kälte und Leere kennen und lieben lernen möchte, in dem Himmel, Hölle sowie fast alle menschlichen Belange in epischer Breite dargelegt und diskutiert werden, dem sei der 797 Seiten umfassende Roman “Die Entdeckung des Himmels” von Harry Mulisch empfohlen. Wer sich das (zunächst) nicht antun will: Das Buch ist respektabel verfilmt worden.

PS: Die Niederländische Übersetzung des Faust aus dem ich den Text entnommen habe stammt von Adama von Scheltema und erschien erstmals 1911

Schade…… NF 45

….um Depardieu. Kenne ihn noch aus Truffaut Filmen. War mal ein guter Schauspieler.
Der Witz ist auch das der französische Film staatlicher seits stark gefördert wurde. Nicht nur finanziell. Bis in die 80er Jahre durfte das Fernsehen in Frankreich Samstags keine Spielfilme zeigen. Die Leute sollten ins Kino gehen.
Depardieu hat seine Karriere und sein Geld im wesentlichen staatlicher Förderung zu verdanken.
Er beißt nun die Hand, die ihn füttert.

Noch einmal ein Nachmittag…… NF39

……an dem man auf dem Balkon sitzen konnte, eine Java Zigarre rauchend die eine Freundin aus Indonesien mitgebracht hat, Kräutertee trinkend und mit Blick auf diesen Baum:

2012-10-21 12.50.10

Vielleicht war das der letzte schöne Herbsttag

Es gibt übrigens einen sehenswerten Film gleichen Namens:

http://www.youtube.com/watch?v=H7LTwBHIWFw

An education (Blog 382)

Wie bereits im April erwähnt ( http://tinyurl.com/3yswgvn ) helfe ich bei der Etablierung des kommunalen Kinos im Süden unserer Stadt mit. Nachdem ein gemeinsam benutzbarer Terminkalender und eine Kommunikationsbasis eingerichtet sind bleibt mir im Moment nur der Kartenverkauf (Irgendwann lande ich immmer beim „Verkauf“). Die Filme schaue ich mir ebenfalls an. Manch sehenswerter ist dabei der seinen Weg in die Provinz mit Verspätung findet.

So auch „An education“ dessen Kinostart schon einige Monate zurückliegt. Er handelt von einem klugen Mädchen das die Chance hat in Oxford zu studieren, das sich danach sehnt der kleinbürgerlichen Welt der Eltern zu entfliehen und sich in einen fast dopelt so alten Mann verliebt der ihr ein faszinierendes Leben bieten zu können scheint. Er macht ihr einen Heiratsantrag, sie gibt die Schule auf…..

Der Film zeigt exemplarisch, das „erwachsen werden“ im wesentlichen aus dem Verarbeiten großer Enttäuschungen besteht. Man hat sich verloren, weiß es und geht trotzdem nicht zugrunde; kann es schließlich auch akzeptieren und Distanz zu den Geschehnissen gewinnen. Danach ist man nicht glücklicher aber besser gegen späteres Unglück gewappnet.

Hier geht es zum Trailer: http://tinyurl.com/365p4gv und wer den schönen Bildern nicht traut kann sich bei Tante wiki kundig machen die den Film auch kennt: http://tinyurl.com/36favur Aber vielleicht sollte man damit warten bis man ihn gesehen hat denn wie immer weiß sie viel und verrät zuviel vorab.

Sonst noch was berichtenswertes? Es ist auch ein „Kostümfilm“ mit jeder Menge sehenswerten Kleidungsstücken für beiderlei Geschlecht sowie allerlei zeitgenössischen motorisierten Fahrzeugen und hörenswerter Musik: http://tinyurl.com/377upa8 . Ich habe es nicht bedauert ihm 95 Minuten Lebenszeit geopfert zu haben.

Das Mittwochsbild (21)

Kaugummiautomat

Ein Bild des Jammers, dieser Kaugummiautomat. Seit langem scheint sich niemand mehr um ihn gekümmert zu haben. Immerhin wurde er noch auf Euro Münzen umgestellt. Könnte sein das er 2002 zum letzten Mal Aufmerksamkeit erfuhr. Die Kaugummikugel kostet 20 Cent; „Phantastische Ringe“ wären für 50 Cent zu haben – wenn der Mechanismus funktionieren würde. Dies ist aber nicht der Fall. Zwar hat er den sichtbaren Spuren nach zu schließen etliche Attacken überstanden ohne seinen Inhalt preis zu geben aber legal durch den Einwurf von Münzen ist nun auch nichts mehr zu machen.

Automaten begegnen uns heute überall: Im Parkhaus, in der Bankfilliale, auf Bahnsteigen. Man nimmt sie kaum noch bewußt wahr. Dabei waren Sie einmal Vorboten der Moderne, konkret: Der Automatisierung. In ihrer Anfangszeit gab es die üblichen
Übertreibungen. Das Blumengeschäft in der Innenstadt gab den Versuch in Cellophanhüllen verpakte Sträuße per Automat zu verkaufen jedenfalls bald wieder auf.

In dem niederrheinsichen Dorf in dem meine Mutter groß geworden
war machte der erste Zigarettenautomat Furore, gefüllt mit den
Marken Güldenring, Eckstein, Overstolz, Juno, HB und Ernte 23.
LiebhaberInnen von Doris Day Filmen werden sich erinnern, das in „Ein Hauch von Nerz“ ein Automatenrestaurant eine wichtige Rolle spielte.

Als Kind faszinierte mich besonders ein Automat in den Niederlanden der Fritten und Kroketten vorrätig hielt – auch diese Variante schein sich nicht durchgesetzt zu haben. Meine Aufmerksamkeit galt auch dem Pez-Automaten: http://tinyurl.com/32fkkpv
und natürlich dem auf den Photo abgebildeten Kaugummiautomaten. Ihm gilt mein Mitgefühl und ich erweise ihm deshalb die Ehre ihn als Allegorie auf mein Leben zu betrachten: Da galt es Angriffe zu überstehen, Verletzungen zu ertragen aber letztlich habe ich die substantiellen Dinge bis heute bewahrt und sie mir nicht nehmen lassen und so bin ich – wie dieser Automat – zwar ein Gezeichneter aber trotz allem noch erkennbar. Ich glaube (fürchte, hoffe) eine wesentlich bessere Lebensbilanz ist nicht erreichbar. Wie das gemeint ist? Positiv natürlich – und optimistisch…