Das Mittwochsbild (17)

Stankowski

Ich will keinesfalls für das Institut Reklame machen dessen Logo oben zu sehen ist.
Es geht mir um den Mann, der es wesentlich mitgestaltet hat. Anton Stankowski wollte Kunst und Gebrauchsdesign nicht trennen. Hier mehr über ihn:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Stankowski

Und hier kann man sich vor Ort über sein Werk informieren:
Kunstmuseum Gelsenkirchen 21. Februar bis 18. April 2010, Museum Wiesbaden 2. Mai bis 4. Juli 2010, Kunsthalle Göppingen 18. Juli bis 5. September 2010

Harry Rowohlt las, erzählte – und sang (Blog 371)

Die Neugier trieb mich am Donnerstagabend in die Kaue. Harry Rowohlt war mir bis Sommer letzten Jahres nur sehr beiläufig bekannt und das wenige was ich über ihn wußte machte mich nicht neugierig auf mehr. Bis ich auf einer Heimfahrt im “Freitag” Auszüge aus seinem Buch: “Gottes Segen und Rot Front: Nicht weggeschmissene Briefe zweiter Teil 2″las. Ich besorgte mir das Buch umgehend. Hier war ein Meister des kurzen Textes am Werk und da Blogger kurze Texte schreiben wollte ich lernen. Abgesehen davon war das Buch auch eine wunderbare Einschlaflektüre.

Nun kam er also persönlich nach Gelsenkirchen. Eine Stadt die ihm nicht unbekannt war, wie das Publikum gleich zu Anfang des Abends erfuhr. Im Alter von 8 Jahren lebte er hier einige Monate weil seine Mutter ein Engagement am hiesigen Theater angenommen hatte (Maria Stuart). Zweimal in der Woche wurde er von seiner Zimmerwirtin genötigt ihr bei der Pflege des Grabes ihres im 2. Weltkrieg gefallenen Verlobten zu helfen.

Harry Rowohlt war verschnupft. So schlimm, das er im Laufe des Abends – nicht ohne sich beim Publikum zu entschuldigen – vor aller Augen die Nase mit einem Medikament besänftigen musste. Ansonsten blieb mir der in seinem wikipedia-Eintrag erwähnte “exzessive” Bühnenauftritt erspart. Im Gegenteil. Alles verlief geordnet. Es begann pünktlich um 20.00 Uhr; Pause wie angekündigt um 21.15 Uhr, um 23.30 Uhr nach einer vorab angekündigten Zugabe war die Veranstaltung beendet.

Es begann mit Auszügen aus einem gerade übersetzten Kinderbuch (“Sie sind ein schlechter Mensch Herr Gum”) und endete mit, Kindergedichten die im Original und anschließend in der Übersetzung von Harry Rowohlt zu Gehör gebracht wurden. Dazwischen Auszüge aus der Kolumne Pooh´s Corner und den bereits oben erwähnten Briefen. Harry Rowohlt ist ein diszplinierter Abschweifer. Immer wieder erläuterte er einen
Begriff aus dem gerade Gelesenen, machte daraus eine eigene Geschichte und kehrte punktgenau zum Ursprungstext zurück.

Spürbar war auch wie er sein Publikum respektierte was sich unter anderem daran zeigte, das er zu Beginn des Abend und nach der Pause ankündigte was genau er im folgenden zu Gehör bringen wolle. Als er nach der Pause verkündete er würde unter anderem auch drei Hymnen singen ruft das Heiterkeit im Publikum hervor. Er tat es aber tatsächlich. Welche? Das wird nicht verraten. Wer es wissen will möge eine seiner Lesungen besuchen. Gelegenheit dazu ist immer mal. Er liest nicht nur in den großen Städten sondern auch in der Provinz.

Die Veranstaltung war gut besucht. Kaum jüngere Menschen. Viel angegraute Bourgeoisie, wie an den Autokennzeichen ablesbar auch aus den Nachbarstädten herbeigeeilt.Die Meisten passierten den Autor raschen Schrittes ohne ihn zu erkennen. Er war zu Fuß gekommen und rauchte, vor der Tür stehend noch eine Zigarette. Ein eher kleiner Mann mit Strickmütze, gehüllt in schweres, dunkelblaues Marinetuch.

ANMERKUNGEN:

Der Autor dieses Eintrages ist sich der Tatsache bewusst, das er selber zur angegrauten (Klein)-Bourgeoisie gehört.

Hier geht es zu Harry Rowohlts wikipedia – Eintrag:
http://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Rowohlt

Bei Youtube findet man einige Videos die einen Eindruck davon vermitteln wie ein Abend mit Harry Rowohlt abläuft.

Eine KAUE ist der Wasch- und Umziehraum der Bergleute in einer Zeche. Die ehemalige Kaue der Zeche Wilhelmine Viktoria in Gelsenkirchen-Heßler hat man zu einem Raum mit Bühne umgestaltet. Dort finden häufiger Lesungen statt. Auch “Comedians” treten auf.

Aschenbecher Geschichten (1) Blog 356

Aschenbecher 1

Er ist das Schwergewicht in meiner Sammlung. 760 g bringt er auf die Waage. Er ist ein Zoll (2,5 cm hoch) und mißt 15 x 15 cm im Quadrat (Außenmaße) – gut geeignet also für den Einsatz bei Wirtshausschlägereien. Das „Flaschengrün“ ist Geschmackssache aber wahrscheinlich der Rohstoffknappheit in denNachkriegsjahren geschuldet.
Die Aufschrift „Collie“ läßt darauf schließen das er um 1950 gefertigt wurde. Die Zigarettenmarke „Collie“ wurde von Reemtsma 1948 auf den Markt gebracht. Die Marke wurde 1962 „relaucht“. Den Älteren unter den Lesern ist die „Collie 62“ vielleicht noch in Erinnerung:
http://tinyurl.com/ycfgcby

Dieser Aschenbecher gehörte meiner „Tante Anna“. So nannte ich die Schwägerin meiner Großmutter die in der Dachwohnung unseres Hauses wohnte. Wie in früheren Einträgen erwähnt lebte ich als Kind in einer Art Großfamilie: Großeltern, Eltern,drei Kinder und jene „Tante Anna“ deren Mann – der jüngere Bruder meiner Großmutter – das Elend der frühen Nachkriegsjahre nicht überlebt hatte.

Meine Lebenserfahrung geht dahin das Schwägerinnen nicht selten eine konfliktreiche Beziehung pflegen (oder weitgehend vermeiden). Hier begegnete mir als Kind zum ersten Mal diese Konstellation. Die beiden Frauen waren aber auch zu verschieden. Meine Großmutter: Dominant, streng religiös, auf gesellschaftlichen Aufstieg Wert legend – sie beendete innerfamiliäre Konflikte gelegentlich mit dem Diktum „Ich bin hier die Herrin“ . „Tante Anna“ hingegen war das, was man in den 50er Jahren eine „lebenslustige“ Frau nannte – was damals eher ein Makel war. Sie rauchte, trank gern Likör, ließ in den damals noch zahlreich vorhandenen kleinen Lebensmittelgeschäften anschreiben, lud Freundinnen ein, ging ins Kino. Auch geheiratet hätte sie gern noch einmal was aber in den 50er Jahren für eine ältere Frau kaum möglich war. Diese heutzutage nicht weiter auffällige Lebensweise machte sie für meine Großmutter zu einer Art rotem Tuch.

Ihre wirtschaftliche Existenz war gesichert. Sie übte eine mittlerweile den Privatisierungsideologen zum Opfer gefallene berufliche Tätigkeit aus: Festangestellte Putzfrau bei der Stadt Gelsenkirchen mit Pensionsberechtigung. Die Arbeit war nicht leicht. Sie putzte Klassenräume in Schulen, damals noch Holzdielenböden und Flure, die mit Linoleum belegt waren und bei deren Pflege schwere Bohnermaschinen zum Einsatz kamen. Die Bezahlung dürfte allerdings seinerzeit besser gewesen sein als heutzutage.

Wir Kinder suchten sie häufig in ihrer Wohnung auf und waren stets willkommen. Die Zimmer rochen furchtbar: Eine Mischung aus Parfüm, Alkohol, Zigarettenrauch und Hund (Einen Kurzhaardackel gab es auch noch). Für uns war das jedoch eine exotische Welt die Abwechslung und Entspannung bot.

Wir waren allerdings auch der Anlaß dafür, daß „TanteAnna“ nach mehr als zwei Jahrzehnten umziehen mußte. Ihre Wohnung wurde gebraucht. Jahrelang hatte ich mit meinen Schwestern im ausrangierten Ehebett meiner Eltern geschlafen. Irgendwann hieß es: Ihr werdet jetzt erwachsen. Die Mädchen brauchen eigene Zimmer. Mehr Aufklärung war nicht. „Tante Anna“ verließ das Haus freiwillig, weinte aber beim Auszug furchtbar. Meine Eltern hatten bei der Wohnungssuche geholfen. Die neue Wohnung lag Kilometer von ihrem bisherigen Umfeld entfernt. Sie kam auch nicht mehr wie angekündigt zu Besuch.

Es konnte nicht gut gehen. Es war zu spät sie zu „verpflanzen“. Trotz aller Konflikte waren wir ihre Familie. Nun war die Familie weg – ersatzlos. Sie begann mehr als bisher zu trinken. Bald lebte sie mit einem alkoholkranken Mann zusammen der sie nach kurzer Zeit wieder verließ. Sie verwahrloste, kam in ein Heim ,war nicht mehr in der Lage selbständig zu leben.

Dies alles erfuhren wir von Nachbarn, die auch wußten das dieses Heim in Gelsenkirchen – Erle lag. Meine Mutter, die noch am ehesten an ihrem Schicksal Anteil nahm bat mich,
dort hinzufahren um herauszufinden ob sie sich wirklich in diesem „Sozialwerk“ befinde und so fuhr ich an einem Samstag mit dem Fahrrad nach Erle. Ich habe sie kaum wiedererkannt; sie aber wußte sofort wer ich war. Wieder flossen Tränen. Meine Mutter und ich haben sie bis zu ihrem Tod gelegentlich besucht.

Weshalb schildere ich dieses Schicksal? Sicher weil ich Mitschuld empfinde. Obwohl es ein klarer Fall von Eigenbedarf war, obwohl jeder Mensch für sich selber verantwortlich ist, obwohl ich als Kind die Lage nicht überblickte und auch nichts hätte tun können. Fakt bleibt: Diese Frau hatte nachdem sie aus dem Haus gedrängt wurde kein lebenswertes Leben, keine Zukunft mehr und schuldig fühle ich mich, weil ich nicht anders gehandelt hätte als Großeltern und Eltern es taten. Ich kann nichts anderes mehr tun als ihr an dieser Stelle ein kleines Denkmal zu setzen.

Die verschwundene Brauerei (Blog 304)

Bier – das war in meiner Kindheit und Jugend Glückauf-Bier. Nicht das ich zu dieser Zeit schon Bier getrunken hätte. Das kam erst viel später; aber die Glückauf Brauerei lag in unserem Stadtteil. Wenn meine Schulklasse im Sommer auf dem Weg zum Sportplatz war, mußten wir sie zwangsläufig passieren. Die Nase nahm den für Brauerein typischen Geruch wahr den man entweder mag oder furchtbar findet. Ich mochte ihn. Außerdem führten die meisten der damals noch zahlreich vorhandenen Eckkneipen Glückauf Bier. Das Grüne G dominierte; ganz selten nahm man einmal das schwarzgoldene U wahr. Glückauf war eine der größeren Brauerein des Ruhrgebiets. Sie wurde noch zu Anfang der 70er Jahre an der Düsseldorfer Börse notiert, dann von DUB Schultheiss übernommen und ging letztlich in Brau und Brunnen auf. Es folgte die Einstellung der eigenen Brautätigkeit. Man füllte noch eine Zeit lang Einwegflaschen ab die bei ALDI verkauft wurden. 1980 kam das endgültige Ende. Die Brauereigebäude wurden abgerissen. Heute steht auf Teilen des Geländes ein Altenheim – was man als sinnbildhaft für die Entwicklung des Ruhrgebietes ansehen kann: Industriebetriebe weichen Wohnstätten für alte Menschen.

Was ist von dieser Brauerei geblieben ? Sehr wenig. Nicht einmal an den Geschmack des Bieres vermag ich mich zu erinnern. Geblieben sind ein kurzer wikipedia Eintrag („Glückauf Brauerei“) und Bleiglasfenster. …..Bleiglasfenster ?

Bleiglasfenster – auch hier verweise ich auf den gleichnamigen wikipedia Eintrag -bestehen aus in Bleiruten eingefassten Flachglasstücken. Die Fensteröffnungen der gotischen Kathedralen des Mittelalters wurden mit ihnen ausgestattet, aber auch die Fenster der Ruhrgebietskneipen in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Hier ein Beispiel:

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Das stilisierte G mit dem Pilsglas hier in einem Ausschnitt:

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entstand in den 60er Jahren. Es gibt noch ein älteres Logo das nur noch sehr selten anzutreffen ist:

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GBG steht wohl für Glückauf Brauerei Gelsenkirchen, im Zentrum die seinerzeit unvermeidbare Bergmannslampe. Hier noch einmal das ganze Fenster:

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und hier noch als Gruß an meine Dortmunder Freundin „prankenblümchen“ und natürlich an Remo ein weiteres Motiv:

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Weshalb ich der Glückauf Brauerei an dieser Stelle ein kleines Denkmal setze: Ich habe ihr etwas zu verdanken. Ihr Ende war für mich ein Anfang. Als es näher rückte schrieb ich für eine heute nicht mehr existierende Stadtteilzeitung meinen ersten Artikel , der in einem Printmedium veröffentlicht wurde. (Blogs gab es leider noch nicht, Print tut es zur Not halt auch). Es ging um die Zukunft der Glückauf Brauerei. Er ist leider nicht mehr erhalten aber die headline, die habe ich noch im Gedächtnis. Sie lautete: „Dreht man uns den Bierhahn zu?“
Prost !

„Ab durch die Mitte…..“ (Blog 293)

….. ist eine seit Jahren laufende Marketingaktion des Landes Nordrhein-Westfalen. Städte können sich um Zuschüsse bewerben und stellen eine Art Sommerprogramm zusammen. Gelsenkirchen ist häufiger mit dabei. Dieses Jahr war der inhaltliche Beitrag nicht erwähnenswert. Er soll auch hier nicht Thema sein.

Unvermeidlich werden aus diesem Anlaß in der hiesigen Fußgängerzone zusätzliche Stände aufgestellt, an denen man Bratwürste, Kartoffelpuffer und Modeschmuck kaufen kann; oder aber man läßt sich ein Piercing stechen:

DSCI002Piercing

Dieser Stand erregte meine Aufmerksamkeit. Ganz unabhängig davon wie man zu dieser Art der(wohl meist) unkorrigierbaren Gestaltung der eigenen Körperoberfläche steht ( auch dieses „Faߓ wird heute nicht geöffnet) regte sich sofort der Kaufmann in mir – und er hatte einige Fragen:

Gibt es für diese Art Dienstleistung einen Bedarf? Gibt es Menschen, die ein Eis essend über die Bahnhofstraße schlendern und spontan den Entschluß fassen, sich piercen zu lassen? Für die in diesem Zusammenhang möglicherweise sogar das Argument des günstigen Preises ( Zungenpiercing zum Sonderpreis von 10 Euro) eine Rolle spielt. Gibt es so viele von ihnen, das es sich für den „Handwerker“ lohnt, in einen Verkaufsstand, das Werkzeug und in die Standgebühren zu investieren? Spielt es keine Rolle, das der Ausführende ein Unbekannter ist ? Idealerweise sollte ja ein Vertrauensverhältnis zu Personen bestehen, die man an seinem Körper Verrichtungen vornehmen läßt (Friseur und Arzt fallen mir da spontan ein). Aber läßt man so etwas von jemanden machen, der sich eine Woche später in Castrop Rauxel, Dortmund oder sonstwo befindet, dessen man im Schadensfalle vielleicht nicht mehr habhaft werden kann ?

Und was haben sich die Verantwortlichen der Stadtmarketing Gesellschaft gedacht ? Glaubte man allen Ernstes dieser Stand trüge dazu bei, das Image der Stadt positiv zu beeinflussen ? Vielleicht in dem Sinne, das ein zufällig anwesender Duisburger später. zuhause erzählen würde, er habe sich in Gelsenkirchen ein wunderschönes Piercing stechen lassen – und billig sei es auch noch gewesen.

Alles Fragen auf die ich keine Antwort finde und deshalb bleibt dieser Eintrag ohne befriedigenden Schluß, ohne Resüme, ohne Rat. Zurück bleibt ein ungutes Gefühl das ich nicht näher beschreiben kann, jedenfalls nicht so, daß ich es anderen Menschen verständlich machen könnte und auch das ist unbefriedigend.

Feuerwerk sah man nur vereinzelt….. (Blog 283)

…..aber zumindest in der Gelsenkirchener Innenstadt war es gestern nach dem Spiel Deutschland – Türkei wesentlich lauter als zum Jahreswechsel und so richtig schlafen haben wir wegen der noch lange nach Mitternacht anhaltenden Hupkonzerte nicht können. Dafür war es heute in der S-Bahn – hier wurden diese Zeilen ursprünglich geschrieben – umso ruhiger. Auf den Sitzen flezten sich deutlich mehr Schläfer als sonst, manche noch mit schwarz-rot-goldenem Schal und entsprechender Kappe.

Natürlich freue ich mich, dass die deutsche Nationalmannschaft das Endspiel um die Fußball-Europameisterschaft erreicht hat aber um die Türken tut es mir leid. Mit ihnen scheidet die Mannschaft aus, die bei dieser EM für Spannung und Dramatik gesorgt hat und sich wohltuend von den “Defensivkünstlern” aus Griechenland, Rumänien oder auch Italien abhob. So viele Tore in den letzten Minuten – das hat mich beindruckt – auch deshalb, weil es zu den Charakteristika der hiesigen Bundesligamsnnschaft (Schalke 04)gehört, sich nach jeder 1:0 Führung selbstgefällig “zurückzulehnen”. Nicht zuletzt deshalb ist die deutsche Meisterschaft in diesem Jahrzehnt mindestens zweimal knapp verpasst worden.

Kein Wunder, das jemand wie Hamit Altintop bei Schalke nichts werden konnte und frustriert zu den Bayern floh; das er bei dieser Europameisterschaft groß herauskam freut mich für ihn der in Gelsenkirchen aufwuchs und nicht weit von hier zur (Gesamt)schule ging. Leider ist er auch ein Beispiel dafür, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt.

In Bus und Bahn unterwegs: Homeward Bound und ein kleines Jubiläum (Blog 276)

Hat sich gelohnt gestern Abend noch das Angebot zu schreiben und zu posten. Der Auftrag kam heute Vormittag. Immerhin 1.300 € – Wieviel davon übrig bleibt verrät der Kaufmann natürlich nicht. Heute keine Überstunden. Dafür steht plötzlich eine Straßenbahn auf der Strecke. Schon nach 20 Minuten geht es mit einem Ersatzbus weiter – aber den Zug erreiche ich nicht mehr. Dafür bleibt nun etwas Zeit. Ich kaufe in einer dieser neumodischen Kaffee – Bars einen geeisten Late Machiato und steige damit hoch zu den Bahnsteigen 1 und 2. Kurz darauf passiert es: Ohne große Vorwarnung prasselt ergiebiger Regen in die Schwüle – und nicht nur das: Reisender – kommst du nach Duisburg – rechne damit, dass es an den ersten Bahnsteigen durch die Abdeckung regnet – jedenfalls seit ich hier meine Arbeitstage verbringe (und das sind nun schon drei Jahre). Das heißt: Den Laptop sofort einpacken, die Bank verlassen und sich einen der wenigen trockenen Stehplätze suchen.

Als ich in Gelsenkirchen den Zug verlasse ist es zunächst wieder trocken. Ich beschließe, die Regenjacke nicht aus der Tiefe des Rucksacks hervorzuziehen – falsche Entscheidung! Schon auf der Bahnhofstraße beginnt es wieder zu regnen und als ich den Tokyo Tea Room erreiche, gleiche ich einer nassen Katze. Muss aber sein, denn dieses Etablissement wird heute 5 Jahre alt in denen ich nicht wenige, ungezählte Stunden hier verbracht habe. Siehe: http://manulan.blog.de/2007/07/21/tokyo_tea_room_blog~2678165 Da die Wirtsleute klassische Musik zu schätzen wissen bekommen sie als Jubiläumsgeschenk auch die im gestrigen Beitrag erwähnte CD. Und dann sitze ich dort bei Talisker und bitterer Schokolade , schreibe diesen Beitrag auf dem Laptop während draussen der Regen rauscht. Schön, einfach schön.

Wenn Städte für sich werben….. (Blog 225)

 

Wenn Städte für sich werben…..


…..wird es in der Regel peinlich. Entweder man will um jeden Preis originell sein oder man vertraut auf nichtssagende Platitüden. Zur ersten Kategorie gehört die Stadt in der ich lebe. Hier ist der Slogan „Gelsenkirchen: Herz im Revier voll Kraft und Zauber“ geprägt worden. Abgesehen davon, daß sich kaum jemand diesen Spruch merken kann hat er mit der erlebbaren Realität kaum etwas gemein. Unsere Stadt hat eben keine Kraft mehr sondern ist schwach und ohne Unterstützung kaum noch lebensfähig. Hohe Einwohnerverluste ( 1959: 391 000 – 2007: 266 000) bedingt durch den wirtschaftlichen Niedergang der der Montanindustien und keine Aussichten auf Besserung trotz zaghafter Versuche sich als „Solarstadt“ und „Gesundheitsstadt“ zu profilieren – da kann wirklich nur noch Zauber helfen.


Herz im Revier“ – das würde eher auf die doppelt so grosse Nachbarstadt Essen passen. Denen geht es noch zu gut. Zuviel selbstgefälliges Bürgertum das Werbung für nebensächlich hält. Man gibt sich nicht viel Mühe, stiehlt entweder schamlos („Essen leuchtet“) oder beschränkt sich auf Altbewährtes („ Essen: Die Einkaufsstadt“).


Könige der sinnfreien Selbstbeweihräucherung dürften momentan aber die Bochumer Nachbarn sein. Sie behaupten: „Bochum macht jung“ – Wie das ? Genau wissen sie es wohl selber nicht denn auf der zur Kampagne gehörenden website heisst es: „Wir suchen die besten, einfallsreichsten und kreativsten Gründe, warum Bochum jung macht!“ Dann sucht mal schön.


In die Kritik geraten ist auch die aus sehr bunten Blumen (Gerbera?) bestehende graphische Gestaltung der Kampagne. Genau so stellen sich die bierbäuchigen Alt-68er , die wohl noch auf längere Zeit die Schaltstellen der hiesigen Kommunalverwaltungen dominieren werden „jung sein“ vor: Flower Power und psychedelische Farben wie sie es halt aus der sich allmählich verflüchtigenden Erinnerung an die eigene Jugend kennen. Das Bochum nie San Francisco werden wird wollen sie nicht wahrhaben.


Über die gesetzliche Regelung, daß städtische Aufträge mit einem Wert von mehr als 200.000 € europaweit ausgeschrieben werden müssen, hat man sich hinweggesetzt und die Kampagne mit einem Wert von immerhin 900.000 € ohne Ausschreibung ausgerechnet an eine Essener Werbeagentur vergeben. Die übergangenen Bochumer Agenturen schreien nun natürlich auf und wollen klagen.


Das Ruhrgebiet, immer noch der größte europäische Ballungsraum leistet sich wieder einmal eine Provinzposse. Kleinkariertes Denken das an den eigenen Stadtgrenzen endet, eine inkompetente Verwaltung und das fehlende Bewußtsein, daß Größe und Einigkeit zum Wohle der Region eingesetzt werden könnten (Berlin macht es vor) verhindern bisher einen über das normale konjunkturelle Wachstum herausgehenden Aufschwung der möglich wäre. Für die Städte des Ruhrgebietes gilt: In Bezug auf Selbverständnis und Strukturen ist kaum etwas bewahrenswert. Es gibt nichts, was ruhigen Gewissens beworben werden könnte. Alles muß anders werden!

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Wer sich selbst ein Bild von der Bochumer Kampagne machen will oder wieder jung werden möchte sei auf folgende website verwiesen: http://www.bochum-macht-jung.de/