Das Mittwochsbild (47) BLOG NF 2

Mobiltelefonangebot

In den Baumärkten taucht schon die erste Weihnachtsdeko auf und in den Lebensmittelläden die ersten Lebkuchen und Schoko- Nikoläuse. Natürlich hört man – auch das inzwischen ein Ritual – die allfälligen Klagen über die Kommerzialisierung eines christlichen Festes dessen ursprüngliche Bedeutung kaum noch jemand kenne.

Wie ich vor einigen Wochen wahr nahm ist dieses „Problem“ kein rein christliches. Wie man sieht wird auch im Islam ein religiöses Ereignis zum Anlass genommen Geschäfte zu machen. So bot dieser türkische Telefonladen in der Gelsenkirchener Innenstadt in einer „Ramadan Aktion“ einen Telefonvertrag an.

Mich stört das nicht. Ich sehe die Kommerzialisierung positiv. Die Kritiker seien darauf hingewiesen das hier ein von den offiziellen Vertretern der beiden genannten monotheistischen Religionen vernachlässigter Aspekt derselben sichtbar wird: Ein liebender Gott.

Den fordernden Gott hat uns sein Stellvertreter auf seinem Deutschlandbesuch gerade kenntnisreich erläutert. Der zornige Gott wird uns von einer amerikanischen Präsidentschaftskandidatin präsentiert die allen Ernstes in den jüngsten Naturkatastrophen das Wirken Gottes zu erkennen meint: http://tinyurl.com/6xdx8jp
Was ist mit dem fürsorglichen Gott des Psalmisten?: http://de.wikipedia.org/wiki/Psalm_23

Ein Gott der um das Vertrauen und die Zuneigung des Menschen wirbt – der darf auch dafür sorgen das man uns etwas schenkt . Weshalb eigentlich keinen günstigen Vertrag fürs Mobiltelefon?

Nicht von dieser Welt (Blog 221)

Georg Gänswein wurde als Sohn eines Schmiedes in einem kleinen Ort im Schwarzwald geboren. Aus ihm ist etwas geworden. Donatella Versace hat ihm eine eigene Modelinie gewidmet und Heiratsanträge bekommt “der schönste Mann im Talar, der je im Vatikan zu sehen war” (Die Weltwoche) auch gelegentlich obwohl die Chancen auf  Annahme sehr gering sind: Georg Gänswein ist einer von zwei Privatsekretären des Papstes. Er ist der Herr über dessen Terminkalender und entscheidet, wer zur Audienz vorgelassen wird.

Nun würde ich der katholischen Kirche  nach den quälend langen Jahrzehnten in welchen sie einen polnschen Fundamentalisten an der Spitze ertragen musste ja gerne einen eloquenten,weltläufigen Mann im Umfeld des Papstes wünschen. Leider wohl vergeblich. Das Interview, welches Gänswein kürzlich dem Magazin der Süddeutschen Zeitung gab zeigt das hier jemand wirkt, der das Dorf aus dem er stammt zumindest gedanklich immer noch nicht verlassen hat.

Wie steht Georg Gänswein zu Frauen? ” Ich habe zwei Schwestern, mehrere Cousinen, die mir halfen, mit dem weiblichen Geschlecht keine Schwierigkeiten zu haben. Ich bin ganz normal aufgewachsen, völlig unverkrampft” Aha! So war das also. Der Interviewer hakt nach: “Sie hatten eine feste Beziehung?” will er wissen. Antwort: “Das nicht. Es gab kleinere schwärmerische Jugendfreundschaften”. Kein Kommentar.

Stattdessen hält Gänswein sich an sei Priesteramt. Hier hat er wie viele Priester eine elitäre Haltung, eine  unangemesen überhöhte Wertschätzung seines “Amtes” entwickelt. So äußerte er sich in einer Predigt anläßlich einer Priesterweihe folgendermaßen: “Du darfst wissen, dass du eine Würde hast, die dich von allen unterscheidet, die nicht Priester sind…Du darfst das Bewusstsein haben, etwas Großes zu tun, tun zu dürfen”. Christliche Demut sieht anders aus .

Die törichte Regensburger Rede des Papstes in welcher der Islam leichtfertig und unnötig provoziert wurde hält er für “prophetisch” und mit der Ökumene hat er es auch nicht. Zwar zeigt er Interesse daran, mit der orthodoxen Kirche ins Reine zu kommen, die Protestanten jedoch erwähnt er mit keinem Wort.

Fazit: Vertreter der katholischen Kirche werden die Bedürfnisse und Nöte ihrer Gläubigen weiter konsequent ignorieren. Der Eindruck drängt sich auf, daß sie Gott lieben, die Menschen aber eher verachten. Die nächsten Jahrzehnte ist mit wesentlichen Reformen nicht zu rechnen.

Quelle: “Der  Papst trägt immer Weiss. Auch beim Fernsehen.” Interview von Peter Seewald, veröffentlicht im SZ-Magazin Nr.30 vom 27.07.2007

Neues vom Hobby Historiker (Blog 200)

Wenn Wirkung alles wäre dann könnte man sagen Josef Ratzinger ist ein toller Papst. Es gelingt ihm sowohl die Gläubigen als auch die Nicht-Katholiken emotional zu berühren – gern mit Hilfe historischer Zitate und Darstellungen.

So war es ihm vor einiger Zeit ein Leichtes durch das in einem sich nur Hardcore-Katholiken erschliessenden Zusammenhang verwendete Zitat eines byzanthinischen Kaisers die muslimische Welt in Aufregung zu versetzen – und hier keinesfalls nur radikale Islamisten. Nun hat er es wieder einmal geschafft: Südamerikanische Ureinwohner sind empört und empfinden seine Äußererungen als arrogant.

“Benedikt XVI hatte gesagt, das Christentum sei den Urvölkern Amerikas nicht auferlegt worden. Vielmehr sei Christus der Retter gewesen, den sich die Indianer im Stillen herbeigewünscht hätten.”

Gläubige Katholiken mögen solch eine Äußerung ja hinnehmen. Ich hätte allerdings doch gern historisch nachweisbare Belege für diesen Wunsch, der wohl derartig still gewesen sein muss, das diese schwer beizubringen sein werden. Glaube kann so bequem sein…..

Mühelos nachweisbar ist dagegen, dass die mit der Kolonialisierung einhergehende Missionierung vor allem der südamerikanischen und afrikanischen Völker eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte sowohl der katholischen als auch protestantischer Kirchen sein dürfte. Verbunden mit heute schwer vorstellbaren Grausamkeiten und Zwang. Eine solche Schande des Christentums derartig zu bagatellisieren ist schon ein starkes Stück für das man sich als jemand der seine Wurzeln im “christlichen Abendland ” sieht und sich zu ihnen bekennt nur schämen und entschuldigen kann.

Quelle: WAZ vom 16.05.2007 Artikel: “Ur-Einwohner empört über Papst Benedikt”