Neues vom Hobby Historiker (Blog 200)

Wenn Wirkung alles wäre dann könnte man sagen Josef Ratzinger ist ein toller Papst. Es gelingt ihm sowohl die Gläubigen als auch die Nicht-Katholiken emotional zu berühren – gern mit Hilfe historischer Zitate und Darstellungen.

So war es ihm vor einiger Zeit ein Leichtes durch das in einem sich nur Hardcore-Katholiken erschliessenden Zusammenhang verwendete Zitat eines byzanthinischen Kaisers die muslimische Welt in Aufregung zu versetzen – und hier keinesfalls nur radikale Islamisten. Nun hat er es wieder einmal geschafft: Südamerikanische Ureinwohner sind empört und empfinden seine Äußererungen als arrogant.

„Benedikt XVI hatte gesagt, das Christentum sei den Urvölkern Amerikas nicht auferlegt worden. Vielmehr sei Christus der Retter gewesen, den sich die Indianer im Stillen herbeigewünscht hätten.“

Gläubige Katholiken mögen solch eine Äußerung ja hinnehmen. Ich hätte allerdings doch gern historisch nachweisbare Belege für diesen Wunsch, der wohl derartig still gewesen sein muss, das diese schwer beizubringen sein werden. Glaube kann so bequem sein…..

Mühelos nachweisbar ist dagegen, dass die mit der Kolonialisierung einhergehende Missionierung vor allem der südamerikanischen und afrikanischen Völker eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte sowohl der katholischen als auch protestantischer Kirchen sein dürfte. Verbunden mit heute schwer vorstellbaren Grausamkeiten und Zwang. Eine solche Schande des Christentums derartig zu bagatellisieren ist schon ein starkes Stück für das man sich als jemand der seine Wurzeln im „christlichen Abendland “ sieht und sich zu ihnen bekennt nur schämen und entschuldigen kann.

Quelle: WAZ vom 16.05.2007 Artikel: „Ur-Einwohner empört über Papst Benedikt“