Konzert für Klavier und Ochester Nr.3 (Blog 275)

Ein Scheiß-Tag: Brüllende, tobende Kunden am Telefon, die nach ihrer Ware schreien und vor lauter selbstbezogenen vor sich her arbeiten immer noch nicht begriffen haben, das die Zeiten sich änderten. Das der Markt schon seit einiger Zeit kein Käufer- , sondern ein Verkäufermarkt ist (zumindest in Bezug auf Rohstoffe und Halbfertigprodukte ). Das sie nun 24 statt 17 Euro pro Quadratmeter für das Birkensperrholz zahlen müssen, weil irgendwelche korrupten Russen die Ware illegal nach China verschieben und nicht daran interessiert sind mit knauserigen Europäern um Preise zu feilschen – weshalb nur noch sporadisch Kontingente nach Westeuropa gelangen – was wiederum steigende Preise zur Folge hat. Sie begreifen es nicht und mutmaßen immer noch das böswillige Kaufleute sich die Taschen füllen wollen.
Und dann kommt Nachmittags noch eine Anfrage von einem Auftraggeber aus dem „öffentlichen“ Bereich. Viel Rechnerei. Zwei Überstunden. Ist mir peinlich weil heute unser Putztag ist und ich eigentlich den Flur putzen sollte. Aber meine Frau hat Verständnis.

Dann wartet Zuhause noch eine angenehme Überraschung: Die bestellte CD ist eingetroffen. Ludwigs drittes Konzert für Klavier und Orchester. Historische Aufnahme von Glenn Gould und Karajans Philharmonikern. 1957 aufgenommen. Da meine Frau eh nebenan telefoniert stelle ich das Fernsehen stumm und höre mir die CD an. Der große Musiker bin ich nicht, kann aber Noten lesen (auch danach singen) und bin rudimentär des Klavierspiels kundig. Es reicht also, um andeutungsweise zu erfassen, dass hier jemand in der Lage ist Musik nicht zu interpretieren, sondern zu leben. Das die Kompposition „nur“ ein Schlüssel ist, der Komponist wiedergibt, was er durch das Schlüsselloch gesehen hat und der Interpret uns eine Ahnung davon vermittelt, was hinter der Tür sein könnte.
Wer also etwas Zeit erübrigen kann (ist nicht einfach, ich weiß) und seinen Ohren und seiner Seele Gutes tuen will sollte sich diese CD beschaffen und anhören:

Gould Karajan

Sie bewirkt immerhin, das eigentlich erschöpfte, eher prosaische Bierbäuche wie ich sich hinterher noch die Mühe machen, Texte wie diesen zu schreiben. Wer Ohren hat zu hören…..