In Bus und Bahn unterwegs: …..just another manic monday (Blog 211)

Der Zug war pünktlich. Das hat mich überrascht da am Abend vorher in den Medien davon die Rede war, Dortmund sei einer der Streikschwerpunkte – und die Züge die ich benutzen kann kommen alle aus Dortmund. Eigentlich bin ich nur in den Bahnhof gegangen um mich zu vergewissern, dass nichts läuft und dann alternativ mit der Strassenbahn durch drei Städte (Essen, Mülheim, Duisburg) zur Arbeit zu fahren. Das blieb mir dann doch erspart.

Der Tag selber verlief sehr ruhig. Die Urlaubszeit machte sich bemerkbar. Halbwegs entspannt stieg ich nach der Arbeit in die Strassenbahn um zum Duisburger Hauptbahnhof zu gelangen. Dann wurde es anstrengend. Es fing damit an, das die Strassenbahn viel mehr Fahrgäste hatte als gewöhnlich. Irgendwelche Kostenoptimierer haben die Zahl der Fahrten in der Ferienzeit zusammengestrichen. Zwei Haltestellen vor dem Hauptbahnhof entfernt standen dann Kontroleure auf dem Bahnsteig die zunächst die Fahrausweise der Aussteiger kontrolierten und anschliessend in der Bahn die nicht weiterfuhr diese Tätigkeit fortsetzten. Die Bahn war wie schon erwähnt übervoll. Unruhe machte sich breit, da einige wohl durch den ungeplanten Halt ihre Anschlusszüge zu verpassen drohten.

Ein Mann in meinem Alter beschipfte die Kontroleure in sächsischer Mundart. Von Stasi-Methoden war die Rede. Dann begann er, aus Reden Erich Honeckers zu zitieren, geriet mit dem neben ihm auf zwei Krücken stehenden Mann in Streit, der ihn anbrüllte. Inzwischen war der Wagen so voll, dass man kaum eine Gelegenheit fand, sich festzuhalten.

Konnte es noch schlimmer kommen? Ja! Später im Regionalexpress setzten sich zwei junge Männer zu mir, gefüllte Döner-Taschen in den Händen die sie laut schmatzend verzehrten. In mir stieg Mordlust auf. Nur gut, dass ich unter fast allen Umständen lesen und mich durch Lektüre ablenken kann.

Und dann fand ich einen schönen, zur Situation passenden Text, der mich wieder aufrichtete. Er handelte von Menschen, die sich in öffentlichen Räumen bewegen und einander begegnen:

„Wir möchten so wenig wie möglich mit den anderen zu tun haben – zumindest mit neuen anderen. Denn wir haben genug damit zu tun, diejenigen Kontakte zu pflegen, die schon eingerichtet sind und die wir zugleich als gefährdet erleben. Um mit Fremden Kontakt aufzunehmen, muss man neugierig sein. Neugier jedoch erfordert eine Einstellung auf Ungewissheit,und; altertümlich formuliert, interessenloses Wohlgefallen am Gegenüber“.

Das war es: „Interessenloses Wohlgefallen am Gegenüber“ Ich kämpfe darum, das mir das nicht verloren geht. Deshalb fahre ich lieber Bahn als Auto. Deshalb blogge ich. Deshalb lächelte ich die dönerfressenden Ungeheuer nun wohlwollend an…..

Quelle: Zitat aus: brandeins Juni 2007, Artikel: Ein Land im Praktikum Seite123. Das Zitat stammt von Tilmann Allert.