Zukunft im Nebel ? (Blog 247)

Der Ablauf des Silvesterabends ist bei uns seit Jahren der gleiche. Wir reservieren für 19.30 Uhr einen Tisch in unserem Lieblingsrestaurant (in 10 Minuten zu Fuß zu erreichen), essen gut, lassen das fast vergangene Jahr bei anregenden Getränken noch einmal Revue passieren und suchen dann meine Mutter auf. Um Mitternacht starte ich sieben Raketen (eine leere Sektflasche muss als Startrampe dienen). Glückwünsche werden ausgesprochen, Küsse getauscht, Sekt getrunken. Dann geht es nach Hause.

Das bedeutet: Gleich zu Beginn des neuen Jahres gilt es Gefahren zu bestehen. Von meiner Mutter zu uns sind es nun fast 3km und die führen durch die belebteren Straßen des Stadtteils. Der Bus der BOGESTRA (Bochum Gelsenkirchener Straßenbahn AG) fährt zwar, aber in unregelmäßigen Abständen und ein Taxi ist auch nicht zu bekommen. Also laufen wir. Mit Erstaunen nehmen wir seit einigen Jahren wahr, dass überwiegend 8 bis 12 Jährige Kinder auf den Straßen unterwegs sind – ohne Begleitung Erwachsener – und offenbar wird in einem älteren, sich erkennbar vorsichtig bewegenden, Menschenansammlungen durch Wechsel der Straßenseite meidenden Ehepaar eine willkommene Zielscheibe gesehen in dessen Richtung man gern ein paar Böller wirft.

Solche Erlebnisse blieben uns gestern weitgehend erspart. Grund: Dichter Nebel in dessen Schutz wir sicher nach Hause gelangten. In eine Straße, überwiegend noch bewohnt von der Generation die diese Häuser in den 60er Jahren baute, von Leuten, die auch zu Silvester um 22.00 Uhr im Bett liegen. Hier zählen wir mit unseren 54 Jahren noch zu den Jüngeren. Ein Umfeld in dem der Gedanke nicht ganz fern liegt man sei selber schon ein bisschen tot.

Und während ich gerade einer spontanen Eingebung folgend, noch im Bett liegend diese Zeilen in den Laptop eingebe, einen Blick aus dem Fenster werfe und feststelle, das der Nebel sich allmählich lichtet wird mir klar, dass 2008 für mich so wenige Geheimnisse wie birgt, wie selten ein Jahr zuvor. Dass wichtige Dinge bald getan, Konflikte ausgetragen werden müssen. Ein Jahr, dass so fordernd auftritt, das es guter Vorsätze nicht bedarf, dass mir auch Angst macht, aber andererseits auch die Gewissheit gibt, dass ich noch lebe. Und nun: Raus aus den Federn!

Meine „Wörter des Jahres“ (Blog 246)

Seit 1977 wählt eine Jury der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ das „Wort des Jahres“, seit 1991 auch das „Unwort des Jahres“. Mit dem „Unwort“ möchte ich mich nicht näher befassen. Das „Wort des Jahres sollten wir Blogger allerdings nicht den Fachleuten überlassen. Sind wir doch selber auch sprachschöpferisch tätig und können durchaus eigene Kreationen vorweisen die Beachtung verdienen.
Aber auch Wortschöpfungen unserer Lieblingsfeinde – gemeint sind die gegen Bezahlung tätigen Journalisten und Kolumnisten – sind gelegentlich bemerkenswert und verdienen unseren Respekt. Wie der Kölner sagt: „Man muss auch jönne könne“.

Deshalb ist eines meiner beiden Wörter des Jahres das Bindewort „Speckgürtel-Prinzessinnen“
verwendet von Till Raether im Magazin der Süddeutschen Zeitung (Nr. 42 vom 19.10.2007) . Es handelt von den Geländewagen fahrenden Ehefrauen nicht schlecht verdienender Männer die des billigen Baulands wegen aus den grossen Städten 20 bis 50km ins Umland gezogen sind. (Von Duisburg nach Straelen zum Beispiel). Ich muss gestehen: Etwas Häme ist mit im Spiel. Dieser Typ Frau begegnet mir gelegentlich als Kundin und da ich um die Durchsetzungsfähigkeit und das nicht ganz angemessene Selbstbewußtsein dieser Damen weiss halte ich es für nicht ganz ungefährlich einen solchen Artikel zu schreiben. Respekt! Wer selber lesen will: Hier geht’s lang:

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/index.php?id=110&tx_ttnews[tt_news]=3707

Mein absolutes Lieblingswort des Jahres ist jedoch eine Formulierung auf die meine Blogfreundin „zuagroast“ das Copyright anmelden kann. Wohl eher beiläufig kreierte sie den „Blondiermeister“ der in folgendem Zusammenhang das Licht der Blogwelt erblickte:

http://zuagroast.blog.de/2007/08/07/mutti_es_ist_was_ganz_schlimmes_passiert~2770081

Der „Blondiermeister“ ist als Begriff vielseitig verwendbar. So zum Beisipiel in der für mich problematischen Situation des Friseurbesuchs, den ich am liebsten schnell und ohne Dialog hinter mich bringen würde während die Fachkraft, die diese Arbeit verrichtet – meist eine jüngere Frau – versucht ein Gespräch mit mir zu beginnen (wohl auch dazu angehalten wird) und immer wieder Fragen der Katergorie „Wann haben sie denn Urlaub ?“ stellt. Diese Situation kann man wunderbar entspannen indem man den Spiess umdreht und selber eine Frage stellt, vozugsweise die , ob es eine von der zuständigen Handwerkskammer abgesegnete Ausbildung zum Blondiermeister gebe. Die Reaktionen reichen von ungläubigem Staunen bis zu ausgeprägter Heiterkeit – und ich habe meine Ruhe und kann mir etwas über die Ausbildung von Friseurinen erzählen lassen.

Letzter Eintrag vor Weihnachten….. (Blog 245)

…..nicht etwa weil ich nun nichts mehr hören und sehen will – einige Kommentare werden noch geschrieben – sondern weil langsam der Vorbereitungsstress überhand nimmt. Es wird aufwendig gekocht. Wir erwarten Familie und Freunde. Gestern wurde der erste Grosseinkauf auf dem Markt getätigt, einige Dinge müssen auch noch Montag Vormittag besorgt werden.

Allen Freundinnen und Freunden, Leserinnen und Lesern wünsche ich frohe Weihnachtstage – auch denen, die mit diesem Fest ihre Schwierigkeiten haben. Grüsse auch an die Tiere einiger Freundinnen. Am Weihhachtsabend bei einem Glas Rotspon werde ich an euch alle denken und einen Schluck auf euer Wohl trinken.

Vergangenen Mittwoch hatte ich um 8.00 Uhr noch einen Termin bei einem Kunden im Düsseldorfer Hafen. Musste um 6.00 Uhr aufstehen. Fand vor der Haustür Schnee vor (liegt hier immer noch) und später im Hafen wars neblig wie in einem Edgar Wallace Film. Bummelte durch den noch ruhigen Medienhafen zum Bahnhof zurück. In Gelsenkirchen angekommen traf ich im Hauptbahnhof auf einen Pianisten dessen Spiel mich berührte. Wäre schön, wenn es euch auch gefiele. Nehmt es als Weihnachtsgruß :

Musste den Film leider löschen. Zu schwer das Teil. 50MB verzögern zudem den Aufbau dieser
Seite. Aber unter meinen Medien ist er noch abrufbar:

http://www.blog.de/media/video/rmov0001/2231068

Fragen die mich umtreiben: Warum tragen Frauen kaum grüne Kleidungsstücke ? (Blog 244)

Frau in grün

Die Frage muss öffentlich gestellt werden, weil meine eigene mir keine Antwort geben konnte und lediglich auf einige pastellfarbene Stücke aus ihrer Sommergarderobe verwies. Aber das gilt mir nicht als wirkliches Grün. Grün ist meine Lieblingsfarbe und grüngekleidete Frauen haben mich in Zeiten, in denen ich dafür noch anfällig war immer fasziniert. Hab aber leider nur selten welche zu Gesicht bekommen. Dabei passt Grün zu jeder Haarfarbe und lässt sich vielfältig kombinieren. Also liebe Leserinnen, weshalb tragt ihr es so selten ?

Eigentlich wollte ich nur ein Muster anfordern….. (Blog 243)

….. und zwar bei einem österreichischen Hersteller von Dekorplatten. Das kann man in der Regel über die website erledigen. Aber man ist auf diese Art und Weise auch der Wissbegierde seiner Geschäftspartner ausgesetzt. Muster gibt es zwar ohne Berechnung, zuerst muss jedoch ein „Registrierungsformular“ ausgefüllt werden. Die üblichen Fragen: Name, Firma, Funktion etc .

Auch eine Spalte „Titel“ gab es, gedacht für die korrekte Anrede. Normalerweise wird da nur zwischen „Dr.“ und „Professor“ unterschieden. Nicht so im Land an der Donau. Österreicher sind da wohl so , wie es ihnen nachgesagt wird: Sie legen auf Titel grossen Wert und so konnte man zwischen 20 (!) verschiedenen wählen. Darunter Bezeichnungen wie „Dir.Dipl.Ing“, „Meister“ und „MBA“. Lezteres läßt vermuten, dass man gedenkt neuere Entwicklungen aufzugreifen und ins System zu integrieren. Andererseits wird auch tatsächlich noch der „Kommerzialrat“ aufgeführt. Ich hätte nie vermutet dass es den wirklich gibt, hielt ihn bisher eher für eine Erfindung österreichischer Filmkomödienschreiber. Scheint nicht so zu sein.

Mir fiel dazu ein, dass ich mir ein mal im Leben einen Titel „angemaßt“ habe und da es ein Scherz sein sollte, griff ich beherzt gleich in die höheren Ränge: Es war zu Anfang meiner Zeit bei der Bundeswehr. Einige hundert Kilometer von Zuhause entfernt, in einer Zeit in der Mobiltelefone, SMS und Email noch unvorstellbare Kommunikationsmöglichkeiten waren. Aber man schrieb sich Briefe. Beim Bier kamen ein Freund und ich auf die Idee, er solle mir einen Brief schicken, an mich adressiert, allerdings an einen fiktiven „General“ meines Namens adressiert.

Der Brief erreichte die Kaserne und ich machte die Erfahrung, dass diese Art Humor bei der Bundeswehr nicht goutiert, andererseits aber auch nicht überbewertet wurde. Bei der Briefausgabe brüllte der Leutnant mich an, drohte für den Wiederholungsfall nicht näher definierte Unbilll an und erwog keinen Moment die Möglichkeit, dass ich das Opfer eines Scherzes geworden sein könnte. Gut, war ja auch nicht so. Von weiteren Strafen (Wochenendwachen waren gefürchtet) sah man ab.

In den folgenden 15 Monaten brachte ich es nicht zum General jedoch wurde mir zu meiner nicht geringen Überraschung kurz vor meiner Entlassung eine Urkunde für gute Leistungen als „Nachschubbuchführer“ verliehen. Nun ja, besser als ein Tapferkeitsorden.

Die Männer waschen sich nicht mehr (Blog 17)

Formulieren wir es mal so sachlich wie möglich: Meine subjektive Erfahrung geht dahin, dass im mitteleuropäischen Kulturkreis Frauen einen konstant höheren Bedarf an Kosmetikprodukten haben als Männer. Davon leben die Parfümerien in den Innenstädten und das wohl nicht schlecht. Trotzdem sind sie nicht nett zu ihren Kundinnen.

Wenn ich mit meiner Frau in eine Parfümerie gehe kauft sie dort schon mal für einen dreistelligen Eurobetrag ein. Ich kaufe in der Regel nichts. Was passiert ? Nach der Zahlung legt die Verkäuferin „für den Herrn“ mehrere Kosmektikproben in die Tüte (Boss, Armani, Joop – alles , was mein Herz nicht begehrt). Meine Frau erhält meist gar nichts. Höchstens mal eine Faltencreme. Sie ärgert sich zurecht darüber.

Ich versuche es ihr zu erklären: Wer zu erkennen gibt, dass er ein Produkt oder eine Dienstleistung sehr schätzt, hat schon verloren. So jemanden hat man als Kunden eh in der Tasche. Für die oder den braucht man nichts mehr zu tun. Das ist in anderen Bereichen genau so. Mein letzter Chef in einem Großhandelsbetrieb war da ein typisches Beispiel: Die braven Handwerker, die regelmäßig kauften und pünktlich zahlten interessierten ihn einen Dreck. Wurde nicht gern gesehen, wenn man sich um die kümmerte. „Bringen Sie mir neue Kunden!!!“ war sein täglich vorgetragenes Mantra.

Und deswegen bekomme ich die Proben: Weil ich nichts kaufe und weil man hofft, dass sich das ändert. Ein vergebliches Bemühen! Mein kosmetischer Horizont ist dunkelblau und der Name der Firma, deren Produkte ich seit frühester Kindheit schätze beginnt mit N . Nicht das ich ein Ignorant wäre: Ich kaufe nicht nur die runde Dose sondern auch schon mal Gesichtscreme, Peeling, Rasierwasser und seit ca. zwei Jahren sogar Haarspray. Aber all das kann ich bekommen, ohne die Kosmetikpaläste aufsuchen zu müssen.

Neulich aber ich mich doch hinreißen lassen: Meine Frau wollte mir etwas Gutes tun. Sie habe doch jetzt soviel ausgesucht. Ob es denn wirklich nichts für mich gebe. Ich fragte die Verkäuferin nach einem Stück Seife. (Es ist mir ein sinnliches und haptisches Vergnügen, mit einem neuen, harten wohlriechenden Stück Seife unter die Dusche zu gehen.) Was musste ich erfahren: „Seife ? Nun ja, die Männer waschen sich heute nicht mehr….“ Ich muss wohl sehr entgeistert geschaut und wohl auch einen unartikulierten Laut von mir gegeben haben. Hatte sie aber zu früh unterbrochen. Was sie sagen wollte: Seifenstücke sind out, heute benutze der Mann ein Duschgel.

Nun bin ich – um es mt Arno Schmidt zu sagen – kein moderner Mann. „Ich will es wenigstens nicht hoffen!“. Seifenstücke fanden sich dann doch noch in den Schubladen unter den Regalen.