Joseph von Eichendorff……. NF 48

……würde heute 225 Jahre alt wie ich Dank des heutigen google doodles erfahre.

Der 17jährige der ich eimal war las viel und bei Eichendorff blieb ich hängen – der Lyrik wegen. Ich kaufte mir sogar die ersten beiden Bände der damals gerade erschienenen Winkler-
Ausgabe zur Freude und zum Erstaunen meines Buchhändlers. Die Eltern dagegen sahen es eher kritisch – der Sohn sollte doch Kaufmann werden.

Eichendorffs Vater war ein schlesischer Landadeliger der es nicht verwunden hatte, das der zynische zweite Fritz den Österreichern dieses Land in drei Kriegen abgerungen hatte. Er kam mit der neuen Zeit nicht zurecht, war verschuldet. Es reichte gerade noch um den Söhnen das Studium und die „standesgemäße“ Reise nach Paris zu finanzieren. Dann musste das Gut verkauft werden.

Joseph, der jüngere Sohn ist mit diesem Verlust nicht fertig geworden. Er wurde „hauptberuflich“ preußischer Beamter mit Frau und Kindern.
Als Autor nahm man ihn zu Lebzeiten kaum wahr. Seine Gedichte waren populär man hielt sie jedoch für Volkslieder mit unbekanntem Verfasser und wer um den Autor wußte hielt ihn für seit langem tot. Es gibt eine Stelle in einem Brief Bismarcks an seine Verlobte in dem es sinngemäß heißt (den genauen Wortlaut habe ich leider nicht verfügbar)Du kennst doch diesen Eichendorf der dieses Gedicht…. geschrieben hat. Stell dir vor der Kerl lebt noch und ist Beamter in Berlin.

Meine Eichendorff-Begeisterung ebbte bald ab.
Je mehr ich über die „Romatik“ in Erfahrung brachte desto klarer wurde mir das es sich um eine gestrige, demokratie- und fortschrittfeindliche Strömung handelte. Die Romantiker in meinen Regalen wurden verkauft. Eichendorff blieb. „Einnerung… -um den großen Weimaraner zu zitieren- hielt …mich vom letzten ernsten Schritt zurück.

Seitdem steht die Ausgabe ungelesen im Bücherregal. Eine Bibliothek ist immer auch ein Friedhof. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, Eichendorff eine neue Chance zu geben, einige Gedichte wieder zu lesen. Ich überlege noch und bin für Entscheidungshilfen offen…

Damit man sich einen Eindruck verschaffen kann hier eines seiner Gedichte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mondnacht

backblog NF33

Bin zurück und ratlos. Dieses Jahr das mit einem Krankenhausaufenthalt begann ist bis jetzt nicht mein Freund. Nichts lief wie geplant, unangenehme Überraschungen gab es einige, darunter mein gehackter twitter account. Darüber hinaus gibt es im digitalen Leben Entwicklungen die mir nicht behagen.

So nehme ich schon seit längerer Zeit wahr das die Mehrzahl meiner Blogfreunde auf dieser Plattform nicht mehr so aktiv sind dafür aber ein munteres „Zweitleben“ bei facebook führen. Vorwürfe kann ich Ihnen nicht machen. Ich selber habe mich nach langem Zögern entschlossen dort eine „Zweigstelle“ einzurichten. Grund dafür ist, das ich hoffe auf diese Art und Weise Leser für mein weblog zu interessieren. In meiner Familie klappt das schon. Die nächste Generation hat meine Blogeinträge erst wahrgenommen als ich per „facebook“ auf sie hinwies. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los das „Bloggen“ bei weitem nicht mehr so populär ist wie noch vor einigen Jahren. Der Reiz des Neuen, der folgende „Hype“, das Gefühl, im Mittelpunkt der Welt zu stehen, mit einem Schlag viele neue Möglichkeiten zu haben – all dies ist dem Alltag gewichen.

Dazu kommt das Bloggen in der Form wie ich es lange betrieben habe anstrengend ist und Zeit kostet. Drei Einträge pro Woche schreiben wollen, dauerhaft eine vierstellige Besucherzahl pro Monat anstreben – das ist mit dem real life nicht zu vereinbaren. Ich zumindest bin zeitweilig zum Sklaven meines blogs geworden.

Der Lyriker Peter Rühmkorf schrieb in einem seiner Gedichte :
„…wer nicht lieber lebt als schreibt, kann das Dichten auch gleich aufgeben.“
Wenn man statt „Dichten“ „Bloggen“ einsetzt stimmt es auch.

Um weiterbloggen zu können, um die Menschen nicht zu verlieren die ich durch dieses Medium kennen und schätzen gelernt habe muss ich für mich das Bloggen neu erfinden, digitalsprachlich formuliert: Ich bin auf der Suche nach meinem „privaten“ blog 2.0

Es ist Zeit für Experimente. Ich verzichte bewusst auf das Profilbild und auf ein Motto, will mich selber etwas „zurücknehmen“. Ich werde versuchen, dieses blog eher als „Journal“ zu führen – was ausführlichere Texte nicht ausschließt. Es wird nicht mehr jede Woche ein Mittwochsbild geben, dafür vielleicht mal drei oder vier kurze „twitterhafte“ Einträge pro Tag oder auch einmal ein oder zwei Wochen gar keinen Eintrag.

Ich würde mich freuen, wenn ihr dieses Experiment verfolgen würdet. Ich schreibe mehr für euch als für mich. Dieses weblog lebt dank eurer Wahrnehmung und Reaktion. Bleibt mir nah. Gönnt mir gelegentlich einige Minuten eurer wertvollen(!) Zeit. Ich weiß es zu schätzen.

PS: Es gibt einen wikipedia Eintrag zu Peter Rühmkorf und schon für 3,60 € kann man als reclam Heft den Gedichtband „Der Kuss der Erkenntnis“ erwerben. Gut geeignet als Einstiegsdroge!