Noch einmal: Loveparade (Blog 383)

Über die Loveparade in Duisburg und die damit verbundenen Geschehnisse ist in den vergangenen Wochen viel gesagt und geschrieben worden. Sicher haben die von Augenzeugen ins Netz gestellten Videos verhindert das den Opfern voreilig eine Mitschuld zugewiesen werden konnte. Versuche dahingehend gab es ja schon am Tag des Geschehens. Oberbürgermeister Sauerland sprach ohne nähere Kenntniss der Umstände von „individuellen Schwächen“ als Ursache.

Ich will heute auf einen eher unbedeutenden aber bezeichnenden Nebenaspekt eingehen: Der Plakatierung des Duisburger Hauptbahnhofes und seines Umfeldes durch den Veranstalter.

Es begann mit diesem Plakat das die Besucher – soweit sie mit dem Zug eintrafen – vor der Veranstaltung unübersehbar empfing:

loveparade 1

Mir fiel gleich die fragwürdige Formulierung „Loveparade dankt McFit“ auf. Ein Dank im voraus? Wofür? Und wer dankt hier wem? Da die Rechte an der Loveparade von McFit erworben wurden dankt hier entweder der Veranstalter letztlich sich selbst (Was Psychologen tief blicken ließe) oder aber man geht ohne Nachfrage oder andere Legitimation davon aus, das die Teilnehmer den Wunsch hätten dem Veranstalter zu danken. Angesichts der späteren Ereignisse wirkt ein solcher „Dank“ im nachhinein höhnisch und selbstgefällig.

Es dauerte dennoch drei Tage bis die Plakate durch dieses hier ersetzt wurden:

Loveparade 2

Da heißt es: „Wir sind zutiefst erschüttert. Wir trauern mit den Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit medizinisch versorgt werden. Seit dem 24. Juli ist nichts mehr, wie es war.“

Ein „Meisterstück“ der Formulierkunst! Trauer ausdrücken ohne auch nur die leiseste Andeutung eigener Verantwortlichkeit durchscheinen zu lassen – das ist nicht einfach.Da sind die Worte sehr sorgfältig und gewiss nicht unter emotionalem Einfluß gewählt worden.

Ein Fehler wurde aber doch gemacht: Man ließ zuviel Weißraum und das führte dazu das die Menschen diese freie Fläche nutzten um ihre Meinung sowohl über den kommerzielle Veransntalter als auch über die politisch Verantwortlichen teilweise drastisch zu äußern. Die Duisburger wollen nicht das die Ereignisse totgeschwiegen werden. Das ist nun die unbeabsichtigte Botschaft dieser Plakatierung:

Loveparade 3

Loveparade 4
Loveparade 5
Loveparade 6