Aschenbecher Geschichten (3) (Blog 373)

Aschenbecher Bus 4
Aschenbecher Bus 3
Aschenbecher Bus 2
Aschenbecher Bus 1

Hier handelt es sich um einen Aschenbecheraus Steingut (glasiert). Er stammt aus der zweiten Hälfte der 50er Jahre und hat die Form eines Reisebuses. In den 50er Jahren begann in der Bundesrepublik der Ferntourismus mit Busreisen nach Italien und offenbar war damit so viel zu verdienen, das zumindest einige Unternehmen der Branche Geld für aufwendige Werbegeschenke wie diesen Aschenbecher hatten.

Ich habe nie eine Urlaubsreise mit einem Bus unternommen und will hoffen das so eine Tortur mir auch künftig erspart bleibt. Die wenigen Schulausflüge an denen ich gezwungenermaßen teilnehmen müßte haben mir gereicht. Vielleicht ist dies aber eine gute Gelegenheit sich an den ersten bewußt erlebten Urlaub zu erinnern:

Mein Vater hatte sich schweren Herzens entschlossen sein Motorrad zu verkaufen und ein gebrauchtes Auto zu erwerben. Ein solches:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ford_Taunus_G93A
Die Trennung vom Zweirad war ihm nicht leicht gefallen; noch der über 60jährige ließ später gelegentlich verlauten das er sich wieder ein Motorrad zulegen wolle. Aber für eine mittlerweile fünfköpfige Familie war dies nicht das geeignete Verkehrsmittel um in Urlaub zu fahren. Er fügte sich seinem Schicksal.

So brachen wir dann im Sommer 1959 Richtung Niederlande auf. Ziel war ein Ort namens Callantsoog: http://de.wikipedia.org/wiki/Callantsoog
Dort angekommen stellte sich heraus das es keine freien Ferienwohnungen gab und so sahen sich meine Eltern gezwungen in ein (teures) Hotel zu ziehen.

Dieses Hotel ist das was mir von diesem Urlaub in Erinerung geblieben ist. Der Strand, das Meer – ich habs vergessen, wohl eher als Ödnis empfunden. Aber im Hotel gab es einen grosszügigen Eingangsbereich. Dort lagen – in den Niederlanden der Nachkriegszeit durchaus üblich – orientalische Brücken nicht nur auf den Fußböden sondern auch auf den Tischen. Das faszinierte mich. Bis heute bin ich ein Freund textiler Bodenbeläge und dann gab es noch einen Tisch auf dem jede Menge Zeischriften lagen und Comics. Auch dies etwas Neues für mich und wiewohl ich noch nicht lesen konnte verbrachte ich Stunden mit der Betrachtung dieser bunten Hefte.Das war besser als in der Hitze des Strandes mit einer klebrigen Masse eingerieben zu werden. So wurde aus mir ein Mensch der das Leben im Hotel bis heute zu schätzen weiß und sich vorstellen könnte in so einem Ambiente zu wohnen. In dieser Hinsicht verstehe ich Udo Lindenberg: http://tinyurl.com/yds2jku

Leider fanden meine Eltern bereits nach wenigen Tagen eine Ferienwohnung: Auf einem Bauernhof. Zur Toilette, einen Häuschen außerhalb des Gebäudes ging es quer durch den Garten. Die Tür endete 10cm über dem Boden und einmal besuchte mich dort – von außen kommend – ein Frosch. Leider fand meine Forderung wieder ins Hotel zurückzukehren keine Zustimmung bei den Eltern, aber die Erinnerung an ein ruhiges, dennoch anregendes Umfeld in dem man seinen Gedanken ungestört nachhing und dazu noch Getränke gereicht bekam (damals noch bunte Limonade)konnte mir niemand mehr nehmen.

PS: Auch diese Fotos hat Frau wirrkopf „geschossen“ der ich dafür
an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte.