Gerade gelesen: Einzelhandel will Muttertag verschieben (Blog 199)

Gerade gelesen: Einzelhandel will Muttertag verschieben (Blog 199)

„Der Einzelhandelsverband HDE will 2008 den Muttertag um eine Woche vorziehen, da er sonst auf Pfingstsonntag fällt. Muttertag sei einer der umsatzstärksten Tage; der Handel könne auf diesen Tag nicht verzichten“ (WAZ vom 10.05.2007)

Über den Sinn des Muttertages kann man streiten. Das der Handel in der Zeit vor diesem Feiertag grössere Umsätze mit Kosmetikprodukten, Blumen und Süsswaren macht sei ihm gegönnt.

Was mich aufregt ist, das hier eine sekundäre Begleiterscheinung eines „Gedenktages“ zur Hauptsache gemacht wird. Ist doch egal was gefeiert wird, Hauptsache aus diesem Anlass wird konsumiert und wenn das nicht gewährleistet ist gehört dieser Tag verschoben. Unglücklicherweise lässt sich – im Gegensatz zu Weihnachten und Ostern – das Pfingstfest nicht kommerziel verwerten. Der „Heilige Geist“ sperrt sich erfolgreich gegen eine Vereinnahmung.

Ansonsten gibt es wenig wovor Verkauf und Marketing zurückschrecken. Ich erinnere mich, das seinerzeit, als die Fussball-Bundesliga ihre Senderechte ans Privatfernsehen vergab in diesem Sender darüber nachgedacht wurde, ob man die 90 Minuten des Fussballspiels nicht in drei Halbzeiten á 30 Minuten unterteilen solle um für die nunmehr zwei Pausenblöcke mehr Werbespots verkaufen zu können. Oder an die Geschichte jenes aufstrebenden englischen Fussballvereins, dessen Name mir leider nicht mehr gegenwärtig ist, dessen Schicksal ich irgendwann einmal beiläufig wahrgenommen habe. Dort kamen die Marketingleute auf den Gedanken, den Vereinssitz sowie den Spielort aus wirtschschaftlichen und steuerlichen Gründen nach Irland zu verlegen. Das die Anhänger dieses Vereins in einer Londoner Randgemeinde lebte störte niemanden.

Und aus aktuellem Anlass: Wie wäre es, wenn man Borussia Dortmund und Schalke 04 fusionieren würden? Man könnte in irgendeiner dieser furchtbaren Einfamlienhaus – mit – Garten – Schlafstädte nörlich des Ruhrgebiets auf billigem Bauland ein gigantisches, die Anhänger beider Vereine fassendes Stadion bauen. Die an den Wochenenden gelangweilten Bewohner könnten diese Spielstätte aufsuchen sowie ihren Kindern überteuerte Trikots und andere Fanartikel kaufen. Das so etwas zur Geschichte beider Vereine nicht passen würde. Das Identität in diesem Fall auch auf Rivalität beruht – was soll es ? Umsatz ist alles!