"Holländer" ticken anders NF35

Ja ich weiß, „Niederländer“ wäre korrekt. Diese haben vergangenen Mittwoch ein neues Parlament wählen müssen weil ein populistisch argumentierender Politiker sich weitere Stimmzuwächse versprach. Er erklärte die Duldung der Minderheitsegierung für beendet und erweiterte sein bisheriges Repertoire (Anti-Ausländer-Hetze) um den Fachbereich „Aniti-Euro-Hetze“. Das ist ihm glücklicherweise übel bekommen.

Davon abgesehen ist das Ergebnis der Wahlen nicht uninteressant. Es käme so in Deutschland wohl niemals zustande. Deshalb nenne ich in der folgenden Aufführung nicht die Namen der niederländischen, sondern vergleichbarer deutschen Parteien:

Das niederländische Parlament hat 150 Sitze. Die sind nach der Wahl vom vergangenen Mittwoch folgendermaßen verteilt:

41 Sitze = 27,33% FDP (Rechtsliberale)
39 Sitze = 26,00% SPD (Sozialdemokraten)
15 Sitze = 10,00% Rechtspopulisten (keine vergleichbare Partei)
15 Sitze = 10,00% Die Linke
13 Sitze = 8,67% CDU (Christdemokraten)
12 Sitze = 8,00% Linksliberale (keine vergleichbare Partei)
15 Sitze = 10,00% Sonstige

Gewinne und Verluste:
FDP: + 10 Sitze =6,67%
SPD: + 9 Sitze =6,00%
Rechtspopulisten: -9 Sitze =6,00%
Linke: +/-0
CDU: -8 Sitze = 5,33%
Linksliberale: +2 Sitze =1,33%

Aschenbecher Geschichten (3) (Blog 373)

Aschenbecher Bus 4
Aschenbecher Bus 3
Aschenbecher Bus 2
Aschenbecher Bus 1

Hier handelt es sich um einen Aschenbecheraus Steingut (glasiert). Er stammt aus der zweiten Hälfte der 50er Jahre und hat die Form eines Reisebuses. In den 50er Jahren begann in der Bundesrepublik der Ferntourismus mit Busreisen nach Italien und offenbar war damit so viel zu verdienen, das zumindest einige Unternehmen der Branche Geld für aufwendige Werbegeschenke wie diesen Aschenbecher hatten.

Ich habe nie eine Urlaubsreise mit einem Bus unternommen und will hoffen das so eine Tortur mir auch künftig erspart bleibt. Die wenigen Schulausflüge an denen ich gezwungenermaßen teilnehmen müßte haben mir gereicht. Vielleicht ist dies aber eine gute Gelegenheit sich an den ersten bewußt erlebten Urlaub zu erinnern:

Mein Vater hatte sich schweren Herzens entschlossen sein Motorrad zu verkaufen und ein gebrauchtes Auto zu erwerben. Ein solches:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ford_Taunus_G93A
Die Trennung vom Zweirad war ihm nicht leicht gefallen; noch der über 60jährige ließ später gelegentlich verlauten das er sich wieder ein Motorrad zulegen wolle. Aber für eine mittlerweile fünfköpfige Familie war dies nicht das geeignete Verkehrsmittel um in Urlaub zu fahren. Er fügte sich seinem Schicksal.

So brachen wir dann im Sommer 1959 Richtung Niederlande auf. Ziel war ein Ort namens Callantsoog: http://de.wikipedia.org/wiki/Callantsoog
Dort angekommen stellte sich heraus das es keine freien Ferienwohnungen gab und so sahen sich meine Eltern gezwungen in ein (teures) Hotel zu ziehen.

Dieses Hotel ist das was mir von diesem Urlaub in Erinerung geblieben ist. Der Strand, das Meer – ich habs vergessen, wohl eher als Ödnis empfunden. Aber im Hotel gab es einen grosszügigen Eingangsbereich. Dort lagen – in den Niederlanden der Nachkriegszeit durchaus üblich – orientalische Brücken nicht nur auf den Fußböden sondern auch auf den Tischen. Das faszinierte mich. Bis heute bin ich ein Freund textiler Bodenbeläge und dann gab es noch einen Tisch auf dem jede Menge Zeischriften lagen und Comics. Auch dies etwas Neues für mich und wiewohl ich noch nicht lesen konnte verbrachte ich Stunden mit der Betrachtung dieser bunten Hefte.Das war besser als in der Hitze des Strandes mit einer klebrigen Masse eingerieben zu werden. So wurde aus mir ein Mensch der das Leben im Hotel bis heute zu schätzen weiß und sich vorstellen könnte in so einem Ambiente zu wohnen. In dieser Hinsicht verstehe ich Udo Lindenberg: http://tinyurl.com/yds2jku

Leider fanden meine Eltern bereits nach wenigen Tagen eine Ferienwohnung: Auf einem Bauernhof. Zur Toilette, einen Häuschen außerhalb des Gebäudes ging es quer durch den Garten. Die Tür endete 10cm über dem Boden und einmal besuchte mich dort – von außen kommend – ein Frosch. Leider fand meine Forderung wieder ins Hotel zurückzukehren keine Zustimmung bei den Eltern, aber die Erinnerung an ein ruhiges, dennoch anregendes Umfeld in dem man seinen Gedanken ungestört nachhing und dazu noch Getränke gereicht bekam (damals noch bunte Limonade)konnte mir niemand mehr nehmen.

PS: Auch diese Fotos hat Frau wirrkopf „geschossen“ der ich dafür
an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte.

Niederländer und Fussball (Blog 62)

Eigentlich mag ich die Niederlande und ihre Menschen. Die Familie meiner Mutter kommt von dort (siehe Blog 46). Ich habe dort ca. 20 Cousinen, Vettern und andere Verwandte wohnen mit denen ich freundschaftliche Kontakte pflege und ich bin der Meinung, dass Harry Mulisch der lebende Schriftsteller ist, der wie sonst keiner den Nobelpreis für Literatur verdient hat. Nur eines stört mich: Man kann mit Niederländern nicht über Fussball reden.

Wenn ich in den Niederlanden bin, vermeide ich Gespräche über dieses Thema wenn immer es geht. Aber sie werden mir immer wieder aufgedrängt. Ein typisches Beispiel: 1992 wenige Woche nach der Europameisterschaft besuchte ich eine Freundin in der Nijmeger Radboud Klinik. Auf dem Flur treffe ich einen ihrer Verwandten: Einen jungen Mann, ca. 20 Jahre alt. Schon geht es los: Was ich davon hielte, dass Dänemark Europameister geworden sei. Ich versuche, diplomatisch zu sein: „Nun, sie haben gegen uns gewonnen, sie haben gegen Euch gewonnen, sie werden es wohl verdient haben“. Weit gefehlt! Er redete sich in Rage: Wer ist Schuld das die Niederlande nicht Europameister wurden? Man glaubt es kaum: Der niederländische Bondscoach (Bundestrainer)! Der habe die Spieler von Ajax Amsterdam bevorzugt. Es gäbe in anderen Vereinen in den Niederlanden viel bessere Spieler, die nicht berücksichtigt worden seien und wenn diese zur Verfügung gestanden hätten wer wäre dann Europameister geworden? Die Antrwort erübrigt sich. In den späten 70ern ist es mir so gar einmal passiert, dass ich während eines Länderspiels in einer Imbisstube nicht bedient wurde, als man mich als „mof“ erkannte. Keine „Frikandel special“ für den Feind!

Und deshalb finde ich es auch in Ordnung, dass das gestrige Spiel 2:2 ausgegangen ist, obwohl die Niederlande mindestes einen 5:2 Sieg verdient gehabt hätten. Das ist halt die verdiente Strafe. Uns Deutschen wird von den Niederländern gern Ernst und Humorlosigkeit vorgeworfen. Liebe Niederländer! Es gibt nichts humorloseres, als einen „holländischen“ Fussballfan. Ihr kommt mir dann im negativen Sinne richtig „deutsch“ vor und ich weiss: Das ist das Letzte, was ihr wollt. Versucht bitte, Fussball künftig weniger ernst zu nehmen!