Wohin bloggen führen kann – und eine Begegnung im Bahnhof (Blog 249)

Als ich im Frühjahr 2005 begann, Texte in diesem weblog zu veröffentlichen war meine Intention eine egomanische. „Jeder kann publizieren“ – das war eine der großen Visionen, die seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit dem Internet verbunden waren und diese Vision wurde mit den Blogportalen Wirklichkeit. Und so begann ich der Wellt meine Sicht des Lebens sowie der sozialen und politischen Verhältnisse mitzuteilen.

Bald musste ich feststellen, daß das Interesse daran geringer war als vermutet. Leicht abzulesen an geringen Besucherzahlen und nur wenigen Kommentaren. Was also tun ? Was machten die anderen besser ? Ich entdeckte die soziale Dimension des Bloggens. Gab mehr von mir preis, begann Kommentare zu schreiben, fand Freundinnen und Freunde, nahm mit Erstaunen wahr, daß es mich emotional berührte wenn eine Freundin oder ein Freund sich mit oder ohne Abschied aus der Blogwelt zurückzog. Machte mir Sorgen wenn es jemanden schlecht ging, freute mich mit wenn jemanden Gutes widerfuhr.

Das daraus der Wunsch erwuchs, die Menschen hinter den Texten nicht nur in der Blogsphäre, sondern auch in der realen Welt kennen zu lernen entbehrte nicht der Logik, lag aber zunächst nicht in meiner Absicht. Es entwickelte sich zwanglos, eher beiläufig. Im Mai vergangenen Jahres besuchte ich zusammen mit meiner Frau Remo und die Töpferschnecke in Hannover, im September hatte ich mit hadis – wie er nicht unzutreffend schrieb „ein beinahe konspiratives Treffen“ auf einem Parkplatz nahe Kassel um mit ihm zusammen die documenta XII zu besuchen und Anfang November durfte ich dann Frau Sonnenschein, ihre Familie und ihre – untertrieben formuliert – zahlreichen Tiere kennen lernen. Begegnungen, die mein Jahr 2007 wesentlich mitgeprägt haben und diejenigen Lügen strafen die aus Unkenntnis oder wider besseres Wissen behaupten, das Internet sei ein Refugium gehemmter, kontakt- und lebensunfähiger Menschen.

Und so hat es mich auch gefreut, dass meine Blogfreundin „Prankenblümchen“ ihr Inseldasein in der vergangenen Woche zumindest kurzfristig aufgegeben hat und sich – als sie in der Stadt in der ich lebe zu tun hatte – mit mir im Gelsenkirchener Hauptbahnhof traf. Wir sprachen bei Kakao und Kaffee miteinander. Ich nahm mit Erstaunen wahr, dass sie sowohl hinsichtlich der frühen (Novalis) als auch der neuen Romatik (Rilke) über Kenntnisse verfügt, das wir beide Interesse an historischen Themen haben, uns fragen, weshalb wir so sind,wie wir sind und wo wir unsere Wurzeln finden können. Sie sucht ihren Weg noch, geht auch mal ein Stück in die falsche Richtung, hat aber den Mut, eine Schlussstrich zu ziehen wenn es nötig ist. Mein Eindruck: Sie ist souveräner als sie es sich selbst eingestehen will. Wer sich selber ein Bild machen will: Hier geht es zu ihrem weblog: http://prankenbluemchen.blog.de/

Und wie wird es weitergehen? Ich werde weiter schreiben, werde die Festlegung auf bestimmte Themen auch in Zukunft meiden, sehe am Horizont die Möglichkeiten der Videotechnik (Die Töpferschnecke hat es vorgemacht) hoffe, dass ich die Freundinnen und Freunde die ich jetzt schon kenne wiedersehe und weitere kennen lerne. Einige wohnen zwar arg weit entfernt, aber Anhängerinnen ostwestfälischer Fußballvereine unnd Liebhaberinnen größerer Baumaschinen müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Das Jahr ist noch jung.