Nicht von dieser Welt (Blog 221)

Georg Gänswein wurde als Sohn eines Schmiedes in einem kleinen Ort im Schwarzwald geboren. Aus ihm ist etwas geworden. Donatella Versace hat ihm eine eigene Modelinie gewidmet und Heiratsanträge bekommt „der schönste Mann im Talar, der je im Vatikan zu sehen war“ (Die Weltwoche) auch gelegentlich obwohl die Chancen auf  Annahme sehr gering sind: Georg Gänswein ist einer von zwei Privatsekretären des Papstes. Er ist der Herr über dessen Terminkalender und entscheidet, wer zur Audienz vorgelassen wird.

Nun würde ich der katholischen Kirche  nach den quälend langen Jahrzehnten in welchen sie einen polnschen Fundamentalisten an der Spitze ertragen musste ja gerne einen eloquenten,weltläufigen Mann im Umfeld des Papstes wünschen. Leider wohl vergeblich. Das Interview, welches Gänswein kürzlich dem Magazin der Süddeutschen Zeitung gab zeigt das hier jemand wirkt, der das Dorf aus dem er stammt zumindest gedanklich immer noch nicht verlassen hat.

Wie steht Georg Gänswein zu Frauen? “ Ich habe zwei Schwestern, mehrere Cousinen, die mir halfen, mit dem weiblichen Geschlecht keine Schwierigkeiten zu haben. Ich bin ganz normal aufgewachsen, völlig unverkrampft“ Aha! So war das also. Der Interviewer hakt nach: „Sie hatten eine feste Beziehung?“ will er wissen. Antwort: „Das nicht. Es gab kleinere schwärmerische Jugendfreundschaften“. Kein Kommentar.

Stattdessen hält Gänswein sich an sei Priesteramt. Hier hat er wie viele Priester eine elitäre Haltung, eine  unangemesen überhöhte Wertschätzung seines „Amtes“ entwickelt. So äußerte er sich in einer Predigt anläßlich einer Priesterweihe folgendermaßen: „Du darfst wissen, dass du eine Würde hast, die dich von allen unterscheidet, die nicht Priester sind…Du darfst das Bewusstsein haben, etwas Großes zu tun, tun zu dürfen“. Christliche Demut sieht anders aus .

Die törichte Regensburger Rede des Papstes in welcher der Islam leichtfertig und unnötig provoziert wurde hält er für „prophetisch“ und mit der Ökumene hat er es auch nicht. Zwar zeigt er Interesse daran, mit der orthodoxen Kirche ins Reine zu kommen, die Protestanten jedoch erwähnt er mit keinem Wort.

Fazit: Vertreter der katholischen Kirche werden die Bedürfnisse und Nöte ihrer Gläubigen weiter konsequent ignorieren. Der Eindruck drängt sich auf, daß sie Gott lieben, die Menschen aber eher verachten. Die nächsten Jahrzehnte ist mit wesentlichen Reformen nicht zu rechnen.

Quelle: „Der  Papst trägt immer Weiss. Auch beim Fernsehen.“ Interview von Peter Seewald, veröffentlicht im SZ-Magazin Nr.30 vom 27.07.2007