Die Männer waschen sich nicht mehr (Blog 17)

Formulieren wir es mal so sachlich wie möglich: Meine subjektive Erfahrung geht dahin, dass im mitteleuropäischen Kulturkreis Frauen einen konstant höheren Bedarf an Kosmetikprodukten haben als Männer. Davon leben die Parfümerien in den Innenstädten und das wohl nicht schlecht. Trotzdem sind sie nicht nett zu ihren Kundinnen.

Wenn ich mit meiner Frau in eine Parfümerie gehe kauft sie dort schon mal für einen dreistelligen Eurobetrag ein. Ich kaufe in der Regel nichts. Was passiert ? Nach der Zahlung legt die Verkäuferin „für den Herrn“ mehrere Kosmektikproben in die Tüte (Boss, Armani, Joop – alles , was mein Herz nicht begehrt). Meine Frau erhält meist gar nichts. Höchstens mal eine Faltencreme. Sie ärgert sich zurecht darüber.

Ich versuche es ihr zu erklären: Wer zu erkennen gibt, dass er ein Produkt oder eine Dienstleistung sehr schätzt, hat schon verloren. So jemanden hat man als Kunden eh in der Tasche. Für die oder den braucht man nichts mehr zu tun. Das ist in anderen Bereichen genau so. Mein letzter Chef in einem Großhandelsbetrieb war da ein typisches Beispiel: Die braven Handwerker, die regelmäßig kauften und pünktlich zahlten interessierten ihn einen Dreck. Wurde nicht gern gesehen, wenn man sich um die kümmerte. „Bringen Sie mir neue Kunden!!!“ war sein täglich vorgetragenes Mantra.

Und deswegen bekomme ich die Proben: Weil ich nichts kaufe und weil man hofft, dass sich das ändert. Ein vergebliches Bemühen! Mein kosmetischer Horizont ist dunkelblau und der Name der Firma, deren Produkte ich seit frühester Kindheit schätze beginnt mit N . Nicht das ich ein Ignorant wäre: Ich kaufe nicht nur die runde Dose sondern auch schon mal Gesichtscreme, Peeling, Rasierwasser und seit ca. zwei Jahren sogar Haarspray. Aber all das kann ich bekommen, ohne die Kosmetikpaläste aufsuchen zu müssen.

Neulich aber ich mich doch hinreißen lassen: Meine Frau wollte mir etwas Gutes tun. Sie habe doch jetzt soviel ausgesucht. Ob es denn wirklich nichts für mich gebe. Ich fragte die Verkäuferin nach einem Stück Seife. (Es ist mir ein sinnliches und haptisches Vergnügen, mit einem neuen, harten wohlriechenden Stück Seife unter die Dusche zu gehen.) Was musste ich erfahren: „Seife ? Nun ja, die Männer waschen sich heute nicht mehr….“ Ich muss wohl sehr entgeistert geschaut und wohl auch einen unartikulierten Laut von mir gegeben haben. Hatte sie aber zu früh unterbrochen. Was sie sagen wollte: Seifenstücke sind out, heute benutze der Mann ein Duschgel.

Nun bin ich – um es mt Arno Schmidt zu sagen – kein moderner Mann. „Ich will es wenigstens nicht hoffen!“. Seifenstücke fanden sich dann doch noch in den Schubladen unter den Regalen.